24
Mär

BIG-Appetizer: Inside Report BBL


Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat gibt´s den Auftakt der BBL-Studie aus BIG #72.

Die typische 
 Profikarriere 
 in Deutschland

Das wertvollste Kapital einer Liga sind ihre Spieler. Ihr Talent bestimmt die Qualität des Wettbewerbs, ihre Ausstrahlung steigert den Wert der Liga-Marke. Ihr Charakter macht sie zum Vorbild für den Nachwuchs, dessen Entwicklung die Sportart langfristig stärkt. Will eine Liga wachsen, muss sie deshalb eines tun: Die Spieler in den Mittelpunkt stellen. Text: Johannes Herber und Sascha Leutloff.

Trifft das zu auf die BBL? Wird die Liga den Interessen ihrer Protagonisten gerecht? Garantieren die Klubs Arbeitsbedingungen, unter denen die Spieler ihr Potenzial entfalten können? Als Sportler wie als Mensch?

Das waren die Ausgangsfragen, die wir uns Anfang des letzten Jahres stellten. Die Antworten darauf kannten nur die Spieler. Also fragten wir nach Gehältern und Versicherungen, Agentenverträgen und Physiotherapeuten. Wir fragten nach Trainingsplänen und Strafenkatalogen. Wir wollten wissen, wie die Schiedsrichter pfeifen, die Manager führen, und ob neben dem Job noch Zeit für andere Dinge bleibt. Ob die Spieler Schmerzmittel nehmen und trotz Verletzung aufs Spielfeld gehen.

Am Ende waren es 65 Fragen, die 89 Spieler beantworteten. Bei ihnen möchten wir uns noch einmal für ihre Ehrlichkeit und Ausdauer bedanken. Ihre Antworten enthüllen, wie der Arbeitsplatz BBL tatsächlich aussieht.

Nebenbei durften wir auch den durchschnittlichen BBL-Profi kennenlernen. Er sieht so aus, wie ihn die Tabelle rechts beschreibt.

Insgesamt betrachtet sind die BBL-Spieler mit ihren Arbeitsbedingungen zufrieden. Die Gehälter kommen pünktlich, die medizinische Betreuung funktioniert, Autos und Wohnungen entsprechen den Erwartungen. Die Spieler fühlen sich von ihren Klubs ausreichend unterstützt. Ihre Agenten finden sie gut, die Schiedsrichter eher mau. Der Arbeitsplatz BBL scheint den meisten Spielern zu gefallen und das ist gut so. Die sukzessive Erhöhung der Standards macht sich also nicht nur an neuen Werbebanden und VIP-Räumen bemerkbar, sondern auch bei der Behandlung der Spieler. Gespiegelt wird das auch in der Tatsache, dass in den letzten Jahren immer mehr europäische Stars den Weg in die BBL gefunden haben und erstklassige Amerikaner die Liga nicht mehr als Durchgangsstation betrachten.

Aber es gab auch Ergebnisse, die machten uns stutzig; insbesondere die klaffende Gehaltslücke bei den deutschen Spielern. Bei der Auswertung stellte sich heraus, dass eine kleine Gruppe der Deutschen überdurchschnittlich gut verdient, die überwiegende Mehrheit dagegen relativ wenig. In Zahlen: 47% der befragten deutschen Spieler verdienen weniger als 2000 Euro im Monat, 72% weniger als 4000 Euro. Diese Zahlen widerlegen eindeutig, die Behauptungen mancher BBL-Manager, wonach die deutschen Spieler überbezahlt seien. Das mag auf den Kreis der Nationalspieler zutreffen, die Mehrzahl allerdings schlägt sich mit vergleichbar kleinem Gehalt durchs Profi-Leben.

Dass knapp die Hälfte der deutschen Spieler weniger als 2000 Euro verdient, manche vielleicht nur einige hundert, stimmt bedenklich. Es zeigt sich hier die Kehrseite der Deutschen-Quote: die Auffüllung der Kader mit Niedriglöhnern, vorrangig jungen Spielern, die bereit sind für wenig Geld viel aufs Spiel zu setzen. Denn eine Karriere als Basketballprofi birgt Risiken: 31% der Befragten hatten in der vergangenen Saison ihrem Team mehr als drei Wochen aufgrund von Verletzungen gefehlt. 89% geben an, manchmal mit einer signifikanten Verletzung oder Krankheit aufzulaufen. Trotz der offensichtlichen Gesundheitsrisiken hat sich nur ein Drittel der Spieler gegen eine Berufsunfähigkeit abgesichert. Hier besteht Handlungsbedarf. Jeder Spieler muss in der Lage sein, von seinem Einkommen leben zu können. Für die BBL-Klubs muss gelten: Wer Professionalität erwartet, der muss auch professionell zahlen, egal ob ein Spieler 18 ist oder 28.

Das starke Gehaltsgefälle steht in Verbindung mit einem weiteren Problem. Weil Basketball ihnen keine nachhaltige Perspektive bietet, geht fast die Hälfte der deutschen Spieler nebenbei einer beruflichen Weiterbildung nach. Von den Klubs ist dabei kaum Hilfe zu erwarten: Die Unterstützung durch das Management oder den Trainer empfinden die Spieler im Durchschnitt als mittelmäßig bis schlecht. Bezeichnend dafür ist die mangelnde Transparenz der Coaches in der Trainingsplanung. Nur knapp ein Drittel der Befragten erhält einen Trainingsplan zwei Wochen im Voraus. Wer nicht weiß, wann er in der Halle stehen muss, wird es schwer haben verbindlich Seminare zu belegen, geschweige denn eine Ausbildung zu absolvieren.

Die Kombination aus Niedriglohn und mangelnder Unterstützung für die duale Karriere ist alarmierend. Ein Verantwortungsgefühl gegenüber der persönlichen und beruflichen Weiterentwicklung ihrer Spieler ist bei den BBL-Klubs jedenfalls schwer zu erkennen. Auch der Deutsche Basketball Bund, der sich als Fachverband dem Wohlergehen seiner Athleten verpflichtet fühlen sollte, kann auf diesem Feld nicht punkten. Der Verband verweist in diesen Angelegenheiten zumeist auf die Laufbahnberater des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB).  Aber jene Laufbahnberater, die an den Olympia-Stützpunkten Athleten beim Aufbau ihrer zweiten Karriere unter die Arme greifen, spielen als Ansprechpartner der Spieler kaum eine Rolle. Nur drei Befragte gaben an, das Angebot des DOSB zu nutzen. Die meisten deutschen BBL-Akteure verlassen sich in dieser Hinsicht auf Familie und Freunde, manche außerdem auf ihren Agenten.

BBL und DBB müssen hier mehr tun. Ein erster Ansatz wäre eine Verbleibsstudie, eine Befragung aller BBL-Spieler, die nach 2005 ihre Karriere beendet haben. Informationen über die berufliche und Lebenssituation dieser ersten Generation deutscher Basketballvollprofis, ließen wertvolle Rückschlüsse zu, welche Form von Unterstützung für die heutigen Spieler angebracht wäre.

Niedrige Gehälter, Gesundheitsrisiken, fehlende Unterstützung bei der Weiterbildung. Dieser Dreiklang muss nicht nur zu Taten animieren, sondern auch zu Offenheit. Nachwuchsspielern und ihren Eltern muss ehrlich signalisiert werden, worauf sie sich einlassen: Eine Profi-Karriere im deutschen Basketball ist nicht selten eine prekäre Angelegenheit.



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