21
Okt

BIG-Appetizer: Dirk Nowitzki

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch den Artikel über Dirk Nowitzki aus BIG #45.

Dirk Nowitzki, der Star der Dallas Mavericks im Exklusivinterview, über seine Rückkehr zum DBB-Team, sein Leben als zweifacher Familienvater und die bevorstehende NBA-Saison.

Deutschland freut sich auf die Basketball-EM im eigenen Land. Aber das Vorrunden-Programm unserer Nationalmannschaft in der Vorrunde in Berlin scheint extrem hart zu sein: Island, Serbien, Türkei, Italien und Spanien. Dirk, was ist bei diesen Gegnern wirklich drin?

Dirk Nowitzki (37): Das sind wirklich schwere Gegner in der Vorrunde. Es wird schon die erste Hürde sein, da weiterzukommen. Ich hoffe, wir finden schnell als Mannschaft zusammen und können uns im Turnier kontinuierlich steigern. Dann können wir viel erreichen.

Du hast vier Jahre nicht in der Mannschaft gespielt. Eine Einschätzung: Wie gut sind die Mitspieler um Dennis Schröder?

Wir haben viele junge Spieler, die dynamisch und athletisch sind. Ich hoffe, mit meiner Erfahrung eine gute Ergänzung zu sein. Dennis Schröder wird für uns eine wichtige Rolle spielen. Er wird das Spiel schnell machen und auf seinen eigenen Wurf schauen, aber auch unsere Schützen ins Spiel bringen.

Hast du Sorge, dass sich während des Turniers alles um dich dreht?

Das kann nicht sein! Ich bin beim Turnier 37 Jahre alt, da kann nicht alles über mich laufen. Ich bin keine 25 mehr, kann nicht jeden Wurf nehmen oder jedes Interview geben. Es muss jeder Verantwortung übernehmen, wenn wir etwas erreichen wollen.

Mit welchen Mitspielern tauschst du dich aus?

Ich bin mit Dennis Schröder und Heiko Schaffartzik in Kontakt. Ich freue mich, die anderen Jungs bald kennenzulernen. Einige der jüngeren Spieler kenne ich ja nur dem Namen nach.

Was passiert bis zum EM-Start bei dir?

Ab Mitte August bin ich beim Team dabei und werde mich mit der Mannschaft auf die EM vorbereiten. Bis dahin trainiere ich mit Holger individuell in der Halle und im Kraftraum.

Der DBB hat die Idee, dich mit der Nummer 41 spielen zu lassen. Wie in Dallas. Ist das was für dich?

Traditionell habe ich bei der Nationalmannschaft immer mit der 14 gespielt und das will ich auch so beibehalten.

War es schwierig, dich von einer Teilnahme zu überzeugen? Die Saison mit Dallas war lang.

Nein, das war gar nicht schwer. Das Kribbeln war schon da, als ich letztes Jahr erfahren habe, dass das Turnier in Deutschland stattfindet. Damals wollte ich aber nicht sofort die Zusage geben, weil ich erst mal sehen wollte, wie lange wir mit den Dallas Mavericks in den Playoffs spielen. Aber die EM wird ein Riesen-Event. Schon vor meiner Zusage waren drei der fünf Spiele ausverkauft. Da wird die Bude brennen, es kribbelt auf jeden Fall. Das wird toll!

Was passiert, wenn euer Team in der Vorrunde ausscheidet und du dich mit einer Niederlage von den deutschen Fans verabschieden musst?

Das sehe ich momentan als Chance. Schlimmer als bei meinem letzten Turnier kann man sich gar nicht verabschieden. Im letzten Spiel bei der EM in Litauen 2011 habe ich von 16 Würfen nur drei getroffen. Da hatte ich nach der Meisterschaft auch einen harten Sommer hinter mir... Für mich wird das Turnier ein toller Abschluss der Karriere. Und das Ziel muss es sein, aus der Gruppe in die nächste Runde zu kommen. Sollten wir uns sogar für Olympia oder das vorolympische Turnier qualifizieren, dann können wir uns nächstes Jahr hinsetzen und überlegen, ob ich noch einen Sommer dranhänge.

Hast du Sorge, dass sich junge Spieler gegen dich beweisen wollen und besonders hart spielen?

Das ist auch in der NBA so, das wäre für mich nichts Neues. Auch dort kommen jedes Jahr Rookies, die sagen, dass sie mich mal richtig stoppen wollen. Aber mir macht das Spaß, mich dort trotzdem durchzusetzen. Das bringt mir das Kribbeln. Ich bin jetzt im gehobenen Basketball-Alter und versuche, der Mannschaft so gut wie möglich zu helfen. Das klappt manchmal sehr gut, manchmal weniger konstant. Bei der EM bin ich dann hoffentlich konstant gut. Auch wenn fünf Spiele in sechs Tagen schwer werden. Andererseits sind die Spiele kürzer und das Spielfeld ist nicht so lang. Ich hoffe, dass ich da gut durchkomme.

Hat dir Dallas-Klubchef Mark Cuban etwas mit auf den Weg gegeben?

Er ist nicht begeistert davon, dass Spieler im Sommer bei internationalen Turnieren dabei sind, aber er weiß, dass es mir schon immer wichtig war, für die Nationalmannschaft zu spielen. Als er letztes Jahr mitbekommen hat, dass die EM in Deutschland ist, haben wir uns ein paar SMS zu dem Thema geschrieben. Das Turnier ist in Deutschland – da weiß er, dass das noch mal eine andere Hausnummer ist. Er hat mir aber noch nie Steine in den Weg gelegt, war immer fair.

Du bist im März zum zweiten Mal Vater geworden. Kommen auch deine Frau und die Kinder nach Berlin?

Ich will, dass alle dabei sind. Ob wir aber die Kinder mit in die Halle zu den Spielen bringen – das ist noch nicht entschieden. Immerhin haben wir keine Abendspiele, von der Zeit her wäre das also möglich.

Deine Tochter Malaika ist zwei Jahre alt. Bekommt sie von ihrem berühmten Vater schon was mit?

Ich glaube, bis sie es richtig begreift, muss sie noch ein bisschen älter werden. Allerdings sagt sie schon sehr häufig „Basketball“. Wenn ich zu Hause ein Spiel schaue, zeigt sie in Richtung Fernseher und ruft „Papa“. Obwohl ich hinter ihr sitze. Sie versteht schon, dass das mein Beruf ist. Sie war auch schon mehrfach in der Halle in Dallas, wenn ich mit den Mavericks gespielt habe.

Gibt es Dinge, die du nicht mehr machst, weil du zwei Kinder hast?

Ohne Kind bist du richtig egoistisch, denkst nur an dich. Du kannst machen, was du willst. Abends ausgehen, ein Buch lesen, stundenlang in der Sonne liegen. Das ist für mich vorbei, die Kinder geben jetzt meinen Zeitplan vor. Ich bin da – was immer sie auch machen. Und das Beste: Es macht mir richtig viel Spaß!

Worauf achtest du bei der Erziehung der Kinder?

Mir ist es wichtig, dass sie nicht total verwöhnt aufwachsen, dass sie lernen, dass man für Dinge im Leben auch arbeiten muss. Ich möchte, dass sie später mal in der Schule gut sind. Mein Beispiel zeigt, dass man mit Sport viel erreichen kann. Aber sie sollen auch wissen, dass Sport nicht alles ist im Leben. Und da gibt es noch etwas, das mir wichtig ist. Sie sollen respektvoll mit anderen Menschen umgehen, vor allem auch mit alten Menschen.

Du hast mal gesagt, dass du gerne vier, fünf kleine Dirks rumrennen sehen möchtest. Gilt der Satz noch?

Wir hätten nicht gedacht, dass der Sprung von einem Kind auf zwei so groß ist. Der von zwei auf drei soll dann nicht mehr so dramatisch sein. Drei Kinder sind eine Überlegung, mehr werden es aber nicht. Aber jetzt schauen wir erst mal, wie es uns mit den beiden gefällt.

Du hast noch zwei Jahre Vertrag bei den Mavericks. Was kommt danach? Arbeiten musst du nicht mehr.

Wenn die Karriere vorbei ist, mache ich erst mal zwei Jahre gar nichts. Um mit der Familie zu reisen. Und um Dinge zu tun, die ich die ich als professioneller Athlet nicht machen durfte. Skifahren zum Beispiel. Das habe ich schon 20 Jahre lang nicht mehr gemacht. Meine Kinder sollen das lernen. Aber danach muss auch wieder etwas kommen. Ich bin nicht der Typ, der jetzt die nächsten 30, 40 Jahre nur noch chillt. Deshalb werde ich dem Basketball wohl treu bleiben. In welcher Funktion – das wird sich noch zeigen.

Welche Ziele hast du dabei?

Sportlich will gerne noch mal einen Titel holen. Egal auf welchem Level, EM, Olympia oder NBA. Ich möchte einfach dieses Gefühl noch mal erleben, dass ich nach dem NBA-Titel 2011 in Dallas hatte. Der Rummel in der Stadt – das werde ich nie vergessen. Dafür muss ich mich jeden Abend gegen die jungen Spieler durchsetzen. Das weiß ich. Aber auch privat habe ich Ziele: Ein guter Vater und Ehemann sein. Was nicht immer leicht ist.

Die vergangene Saison war deine 17. in der NBA. Wie fühlt es sich an, morgens aufzustehen?

Gar nicht schlimm! Die Knie oder Fußgelenke knacken ab und zu beim Laufen. Aber ich habe in der Saison kein einziges Spiel wegen einer Verletzung verpasst. Da gibt es ganz andere Beispiele. Mein Kumpel Steve Nash wollte sich noch drei schöne Jahre bei den Los Angeles Lakers machen. Aber gleich am Anfang hat er sich das Wadenbeinköpfchen gebrochen, einige Nerven wurden beschädigt. Deshalb musste er ständig Reha machen. So möchte ich meine Karriere nicht beenden. Mein Ziel ist es, die letzten beiden Jahre gesund und gut durchzuspielen.

Die Absage von DeAndre Jordan an die Mavericks war DIE Geschichte des Sommers. Wie sehr hat dich das getroffen?

Das war eine bittere Situation. Aber im Leistungssport lernt man, damit umzugehen.

Der erhoffte Superstar ist nicht gekommen. Wie groß ist die Gefahr, dass das nächste Jahr mal wieder ein Übergangsjahr bei den Mavericks wird?

Es wird sicherlich keine einfache Saison. Wir müssen abwarten, wie wir uns als Mannschaft entwickeln und wie das Zusammenspiel klappt.

In der Beko BBL hoffen einige Vereine, dich nach dem Ende der NBA-Karriere noch mal für ein Jahr verpflichten zu können. Haben die eine Chance?

Ich habe noch zwei Jahre Vertrag in Dallas. Ich kann mir nicht vorstellen, danach noch bei einem anderen Verein zu spielen.

Wie verfolgst du die BBL in den USA?

Ich habe dieses Jahr kein Spiel gesehen, das geht ja nicht. Aber nach dem, was ich gehört habe, ist Bamberg verdient Meister geworden. Weil sie die beste Mannschaft der Saison waren.


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