02
Dez

BIG-Appetizer: Nicolo Melli

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch den Artikel über Nicolo Melli aus BIG #47.

BIG sprach mit dem italienischen Nationalspieler über das EM-Duell mit Deutschland, die italienische Sichtweise auf Dennis Schröder und darüber, warum er sich in Bamberg trotz kurzer Saisonvorbereitung schon bestens integriert fühlt.

Nicolo Melli, Sie waren Teil der italienischen Mannschaft bei der Eurobasket und haben den Thriller gegen das deutsche Team hautnah mitbekommen. Deutschland führte 21 Sekunden vor Schluss mit drei Punkten. Ihr Team hatte den letzten Angriff und der Gegner entschied sich dafür, zu foulen anstatt auf eine gute Defensivsequenz zu vertrauen. Hatten Sie damit gerechnet?

Ich kann mich noch sehr gut an diese Situation erinnern. Es war ein sehr knappes und für beide Mannschaften auch ein sehr wichtiges Spiel. Aber es gibt immer unterschiedliche Wege, um das Ziel zu erreichen. Deswegen haben wir auch mit den verschiedensten taktischen Möglichkeiten gerechnet. Deutschland hat diesen Weg gewählt und es hat nicht funktioniert. Das ist vorher allerdings nicht absehbar. Die Deutschen mussten in dieser Situation eine Entscheidung treffen, die nicht einfach war.

Hätten Sie die gleiche Taktik gewählt?

Ein Argument: Es war vielleicht nicht die beste Entscheidung, weil Deutschland verloren und wir das Spiel am Ende gewonnen haben. Aber niemand weiß, was gewesen wäre, wenn sie sich für eine andere Taktik entschieden hätten. Insofern ist es im Nachhinein schwer zu sagen, was in dieser Situation die beste Entscheidung gewesen wäre. Wenn du dich in so einem wichtigen Spiel befindest, ist es ohnehin nicht immer einfach, in der Kürze der Zeit die bestmögliche Entscheidung zu treffen.

Sie haben das Spiel noch gewonnen, da Dennis Schröder einen entscheidenden Freiwurf vergab. Er wird in Deutschland von einigen Medien und Fans für seine vermeintlich egoistische Spielweise kritisiert. Können Sie das verstehen?

Überhaupt nicht. Er ist ein sehr guter Spieler, der für Deutschland den Unterschied ausmacht. Ob er ein guter Teamkollege ist, kann ich nicht beurteilen, da ich noch nie mit ihm in einer Mannschaft gespielt habe.

In Italien wird Dennis Schröder also nicht kritisch gesehen?

Nein. Er ist in Italien sehr angesehen. Er hat in Atlanta ein gutes zweites NBA-Jahr und eine sehr gute Eurobasket gespielt.

Anders als Dennis Schröder erreichten Sie mit der italienischen Mannschaft das Viertelfinale und scheiterten dort gegen Litauen. Dieses Spiel glich der Partie Deutschland gegen Italien. Ihr Team hatte in der regulären Spielzeit den letzten Angriff, verfehlte den entscheidenden Wurf aber und verlor schließlich in der Verlängerung gegen den späteren Finalisten. Dabei kam es zu einem sehr unkontrollierten letzten Angriff, obwohl noch genügend Zeit auf der Uhr war. Warum?

Auf einem so hohen Level machen schon Kleinigkeiten den Unterschied aus. Hätten wir das Spiel gegen Deutschland verloren, wären wir vielleicht schon in der Vorrunde ausgeschieden. So haben wir es bis ins Viertelfinale geschafft, das wir vielleicht gewonnen hätten, wäre der letzte Angriff von uns anders ausgespielt worden. Natürlich war es nicht der beste Wurf, den wir am Ende der regulären Spielzeit genommen haben. Aber so ist der europäische Basketball: Die Leistungsdichte ist so hoch, dass es auf kleinste Details ankommt.

Italien belegte am Ende den sechsten Platz. Sind Sie damit zufrieden?

Ich denke, jeder im italienischen Nationalteam kann mit unserem Ergebnis zufrieden sein. Wir hätten schon in der Vorrunde ausscheiden können, haben aber schwierige Spiele gegen starke Mannschaften wie Deutschland und Spanien gewonnen. Auch im Achtelfinale haben wir gegen Israel ein gutes Spiel abgeliefert. Im Viertelfinale sind wir dann unglücklich ausgeschieden. So ist Basketball.

Wird die italienische Mannschaft auch im nächsten Jahr wieder mit ihren besten Spielern antreten, um durch das olympische Qualifikationsturnier doch noch in Rio dabei sein zu können?

Wir werden wieder alle zusammenkommen, auch die NBA-Spieler. Da bin ich mir sicher. Jeder von uns ist sehr darauf fokussiert, an den Olympischen Spielen teilzunehmen. Das wird nicht einfach, da es nur noch drei Plätze gibt, um die sich gute Teams aus der ganzen Welt streiten. Aber wir werden es versuchen.

Was bedeutet es für Sie, für die italienische Nationalmannschaft aufzulaufen?

Es gehört zu den größten Dingen, die ich als Spieler erreichen kann. Ich habe davon schon geträumt, als ich ein Kind war. Deshalb bin ich sehr glücklich, dass ich in den letzten Jahren für die Nationalmannschaft auflaufen durfte. Allerdings habe ich aufgrund von Verletzungen einige Spiele verpasst. Dennoch ist es immer eine Ehre für mich, wenn ich für mein Land spielen darf. Auch wenn ich dadurch im Sommer nur eine kurze Saisonpause habe.

Daniel Theis hat sich nach den BBL-Finals an der Schulter operieren lassen. Er sagte, dass er durch die Reha die EM nicht spielen könnte, lief aber eine Woche vor EM-Start in einem Vorbereitungsspiel bereits wieder für die Brose Baskets auf. Wie beurteilen Sie diese Entscheidungen?

Ich höre das jetzt zum ersten Mal und habe mit ihm noch nicht über dieses Thema gesprochen. Ich bin ja noch nicht so lange in Bamberg.

Einige Wochen sind es mittlerweile aber schon, da Sie bereits einige Tage nach der EM zu den Brose Baskets gereist sind. Wie gefällt es Ihnen bisher in Deutschland, Ihrer ersten Auslandsstation?

Bis jetzt bin ich sehr glücklich. Die Brose Baskets sind wirklich eine sehr professionelle Organisation. Ich habe hier auch gute Teamkollegen, was für mich sehr wichtig ist. Aber wie Sie erwähnt haben, ist es mein erstes Jahr im Ausland. Meine Heimat nach fünf Jahren bei einem Klub zu verlassen, war keine leichte Entscheidung.

Warum kam es dennoch dazu?

Weil ich glaube, dass es die richtige Zeit war, diesen Schritt zu gehen. Ich habe Mailand viel zu verdanken, doch ich will ein internationalerer Spieler werden. Ich will mich auf dem höchstmöglichen Level durchsetzen. Wer in seinem eigenen Land spielt, weiß nie genau, ob die Vereine die inländischen Spieler verpflichten, weil sie gut sind oder weil sie die heimische Nationalität haben. Im Ausland ist das anders. Da musst du gut sein, um dich durchzusetzen. Das wollte ich mir beweisen und deshalb war ich an diesem Wechsel interessiert. Bei den Brose Baskets muss ich mich durchsetzen. Sie sind der Champion der deutschen Liga und wollen auch in Zukunft viel erreichen.

Sie schätzen die Brose Baskets stärker ein als Mailand?

Das ist schwer zu sagen, da ich jetzt noch nicht so lange hier bin. Aber ich kann sagen, dass die Organisation in Bamberg sehr professionell ist. Es wird wirklich alles dafür unternommen, dass sich das Team wohlfühlt. Auch deswegen hat sich der Wechsel für mich gelohnt.

Was können Sie mit Bamberg in dieser Saison erreichen?

Wir sind ein sehr gutes, aber auch ein sehr junges Team. Außer Nikos Zisis verfügt kaum ein Spieler bei uns über eine große Erfahrung auf höchstem europäischen Niveau. Wir müssen als Team also wachsen und uns in jedem Spiel so gut wie möglich präsentieren.

Kann Bamberg auch Meister werden?

Natürlich, ansonsten müssten wir alle gar nicht hier sein. Wenn du einmal Champion geworden bist, dann willst du den Titel auch verteidigen. Jeder sagt, dass es schwieriger ist, den Titel zu verteidigen. Auch deshalb will ich es mit Bamberg unbedingt schaffen. Dass es nicht einfach werden wird, ist klar. Schließlich will jedes Team unbedingt den amtierenden Champion schlagen. Für einige Spieler ist es vielleicht sogar eines ihrer größten Spiele überhaupt, wenn sie gegen uns antreten.

Die Bamberger Verantwortlichen setzten bei ihrem Meister-Tipp trotzdem auf Bayern München.

Bayern hat noch größere Möglichkeiten als wir. Aber wir haben auch ein großes Vertrauen in uns selbst. Am Ende der Saison wird es sich dann entscheiden, wer tatsächlich das bessere Team ist.

In der Euroleague müssen Sie jetzt schon beweisen, wie gut Sie sind. Kann Bamberg das Top 16 und vielleicht sogar als erstes deutsches Team überhaupt das Top 8 erreichen?

Unsere Gruppe ist sehr ausgeglichen. Nur ZSKA Moskau und Maccabi Tel Aviv sehe ich eine Stufe über den anderen Teams. Wir haben auf jeden Fall das Potenzial, zu den ersten vier Teams der Gruppe zu gehören, wir müssen es nur abrufen. Dass das nicht einfach wird, ist klar. Aber ich kann versichern, dass wir in jedem Spiel 100 Prozent geben werden, um zu den besten Teams der Euroleague zu gehören.

Welche Rolle können Sie dabei spielen?

Ich will dem Team einfach nur helfen, Spiele zu gewinnen. Dabei erfülle ich jede Rolle, die der Coach von mir erwartet. Egal ob defensiv oder offensiv. Stats sind mir dabei nicht so wichtig, für mich zählen nur die Siege.

Dennoch legten Sie direkt zu Saisonbeginn gute individuelle Zahlen auf, machten in Ihrem ersten Spiel direkt zehn Punkte, obwohl Sie einen Großteil der Vorbereitung verpassten.

Wenn du mit Spielern wie Nikos Zisis, Brad Wanamaker oder Janis Strelnieks zusammenspielst, dann passiert das ganz automatisch. Sie haben es mir wirklich leicht gemacht, mich in Bamberg zu integrieren. Dass Coach Andrea Trinchieri Italiener ist, hilft mir natürlich auch.

Welche Rolle hat er bei Ihrem Wechsel gespielt?

Eine große Rolle. Er wollte mich schon in den vergangenen Jahren für die Teams verpflichten, die er gecoacht hat. Dieses Jahr hat es dann endlich geklappt.

Gegen einige Teams der BBL haben Sie nun bereits gespielt. Wie schätzen Sie die Stärke der deutschen Liga gegenüber der italienischen ein?

Für mich ist vieles hier natürlich noch neu, daher ist das immer noch schwierig zu beurteilen, ob die deutschen Teams in der Breite besser oder schlechter sind als die italienischen. Was ich aber jetzt schon sagen kann: Infrastrukturell ist die deutsche Liga bestens aufgestellt. Auch die Atmosphäre bei den Spielen ist exzellent. Diesbezüglich müssen wir in Italien noch aufholen. Wir haben einfach nicht so große, schöne und auch saubere Arenen wie in Deutschland. Die meisten unserer Hallen sind einfach alt. Zwar haben wir derzeit sehr viele gute Spieler in Italien, aber wir müssen eben auch mehr in die Infrastruktur investieren, um den Basketball in Zukunft weiter nach vorne bringen zu können.


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