09
Jun

BIG-Appetizer: Robin Benzing

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Robin Benzing aus BIG #52.

ROBIN BENZING ist vergangenen Herbst in die spanische ACB-Liga nach Saragossa gewechselt. In BIG beschreibt er seine neuen Eindrücke, geht auf Unterschiede im spanischen Spiel ein und gibt einen kurzen Ausblick auf die bevorstehende EM-Qualifikation.

Robin Benzing, sind Sie sauer auf John Bryant?

(lacht) Nein, natürlich nicht!

Allerdings hat er Sie am 6. März bei der 90:93-Niederlage gegen den MBC durch seinen 1274. Münchener Punkt als bester Bayern-Scorer seit dem Wiederaufstieg abgelöst.

Ich freue mich für ihn, dass er diesen Rekord erreicht hat. Es war nur noch eine Frage der Zeit, bis er diese Marke knacken würde, und leider auch nicht abzuwenden. (lacht) Ich bin natürlich sehr stolz darauf, der Rekordspieler der Münchener gewesen zu sein. Dass ich bei so einem großen Verein eine derartige Rolle spielen durfte, war eine große Ehre für mich.

Dennoch haben Sie den Verein nach vier Jahren verlassen. Hatten Sie als Rekordspieler des FC Bayern nicht das Bedürfnis, noch länger dort zu spielen?

Die Entscheidung, den Verein zu verlassen, habe ich unabhängig von irgendwelchen Rekorden getroffen. Sonst wäre meine Entscheidung auch keine vernünftige gewesen. Der Hauptgrund für meine Entscheidung, nach Saragossa zu wechseln, war, dass ich einen anderen Basketball kennenlernen wollte.

Ihre Spielzeit wurde in München während Ihrer vier Jahre immer geringer. War Ihre kleinere Rolle bei den Bayern auch ein Grund für den Wechsel?

Natürlich. Wenn die Rolle für einen Spieler bei einem Verein kleiner wird, muss man sich schon fragen, was man machen kann. Schließlich habe ich mich nicht mehr in dem Maße weiterentwickelt, wie es sein sollte. Deshalb habe ich mir die Frage gestellt: Was ist die beste Situation für mich, um mich weiterzuentwickeln?

Ihren Teamkollegen Heiko Schaffartzik, Lucca Staiger und Yassin Idbihi ging es ähnlich. Haben es deutsche Spieler unter Svetislav Pesic schwerer als Ausländer?

Dass diese Spieler allesamt gegangen sind, ist natürlich schon ein Zeichen dafür, dass ihre Rollen kleiner geworden sind. Deshalb war das die logische Konsequenz. Allgemein würde ich aber nicht sagen, dass es deutsche Spieler unter Svetislav Pesic schwerer haben. Ich selbst habe mich unter ihm gut entwickelt, seitdem er die Mannschaft übernommen hat. Auch als er Nationaltrainer war, habe ich gut unter ihm gespielt.

Dennoch haben Sie sich für einen Wechsel nach Saragossa entschieden. Wie kam es dazu?

Saragossa wollte mich schon länger haben, weshalb sie mich auch schon einige Male beobachtet hatten. Nach meinen vier Jahren in München war ein guter Zeitpunkt gekommen, um etwas Neues zu versuchen. Natürlich gab es auch andere Angebote. Aber von der Art und Weise, wie der Klub denkt und aufgestellt ist, war mir relativ früh klar, dass Saragossa für mich die richtige Mannschaft sein wird. Durch Maxi Kleber hatte ich schon einiges von der spanischen Liga gehört, weshalb ich mich auf die ACB und das Leben in Spanien auch sehr gefreut habe. Trotzdem war es eine schwierige Entscheidung den FC Bayern zu verlassen.

Sie haben in Saragossa einen Zweijahresvertrag unterschrieben. War das auch im Nachhinein die richtige Entscheidung?

Ich bin sehr froh, diese Entscheidung getroffen zu haben. Sie war die absolut richtige. Allerdings spielen wir eine holprige Saison. Wir sind als Team auch nach dem Trainerwechsel noch nicht dort angekommen, wo wir hinwollen. Zwar haben wir mit dem Achtelfinaleinzug im Eurocup Vereinsgeschichte geschrieben, doch in der ACB hängen wir hinter unseren Erwartungen zurück.

Warum glauben Sie, dass Sie sich in Spanien besser weiterentwickeln als in der BBL?

Ich habe in München bereits einige Jahre in der Euroleague und dort gegen starke Teams gespielt. In Spanien ist die Dichte der Teams ebenfalls extrem hoch. Ich habe großen Respekt vor der BBL, die sich in den letzten Jahren gut entwickelt hat, aber spielerisch ist die spanische Liga der BBL noch um einiges voraus. Egal welcher Gegner da kommt, es wird einem in jedem Spiel alles abverlangt. Es geht sehr physisch zur Sache und taktisch deutlich intensiver zu. Diese Erfahrungen zu machen, ist sehr wertvoll und verbessert mich als Spieler ungemein.

Der größte Unterschied zwischen der ACB und der BBL ist also nach wie vor das spielerische Niveau?

Die BBL hat in den letzten Jahren enorm aufgeholt. Insgesamt ist das Niveau der ACB aber tatsächlich noch um einiges höher. Dass wir als Tabellen-13. bis ins Achtelfinale des Eurocups gekommen sind, zeigt einfach, wie stark die Liga ist. Sie hat im Moment vier Teams im Top 16 der Euroleague, von denen es wahrscheinlich drei ins Top 8 schaffen werden. Hinzu kommen Mannschaften wie Valencia und Gran Canaria, die auch auf Euroleague-Level spielen können. In der BBL ist das anders, dort gibt es mit München, Bamberg und Berlin nur drei Klubs, die auf diesem Niveau mithalten können. Mannschaften wie Oldenburg, Ulm oder Ludwigsburg sind vom Euroleague-Level hingegen noch einige Schritte entfernt.

Was unterscheidet die Top-Teams der spanischen Liga von denen der BBL?

Es wird nicht nur deutlich taktischer, sondern auch um einiges trickreicher vorgegangen. Es werden lockere Backdoor-Pässe gespielt, die man am Anfang eines Systems in der BBL eher nicht erwarten würde. Hinzu kommt, dass die spanischen Spieler in der ACB eine viel größere Rolle spielen als die deutschen in der BBL. Diesbezüglich kann die BBL sich von der ACB wirklich eine Scheibe abschneiden. Auf dem Feld gibt es aber noch einen weiteren wichtigen Unterschied.

Welchen?

Das Spiel ist deutlich positionsbezogener als in Deutschland. Man hat dort tatsächlich meist einen Point Guard, einen Shooting Guard, einen Small Forward, einen Power Forward und einen Center. Auf der Position drei laufen in der ACB oftmals sehr große Spieler auf, während es in der BBL auch schon mal vorkommen kann, dass die Spieler der Positionen eins bis drei eine Größe von 1,90 Meter allesamt nicht überschreiten. Zudem gibt es in der ACB viele großer Fünfer, die 2,10 Meter bis 2,15 Meter groß sind.

Kommt Ihnen das positionsbezogene Spiel entgegen?

Ich komme damit sehr gut klar, da ich mich auch als großen Dreier sehe und unter dem neuen Coach praktisch nur noch auf der Drei spiele. In der BBL hatte ich hingegen eher Probleme, wenn es gegen kleinere Spieler auf der Position drei ging. Aktuell lässt der Coach viele Post-ups für mich spielen. Da habe ich auch meine Vorteile. Dennoch bin ich offen dafür, auf der Vier aufzulaufen, solange ich dort meine Stärken ausspielen kann. Wenn man mich auf dem Feld allerdings nur in eine Ecke stellt und von dort aus werfen lässt, bin ich weniger hilfreich.

Was hat die ACB der BBL strukturell voraus?

Strukturell sehe ich die spanische Liga gar nicht mehr so weit vor der deutschen. Es gibt in der BBL vielleicht noch mehr kleinere Hallen, doch die sind dafür ausgelastet oder sehr gut besucht. Spanische Hallen sind hingegen oft sehr groß, aber eben auch nicht immer stark ausgelastet. Deshalb ist die Stimmung an einigen deutschen Standorten vielleicht sogar besser. Auch medial ist Deutschland mit Telekom Basketball jetzt sehr gut aufgestellt, selbst wenn die Fans die Euroleague-Spiele der deutschen Mannschaften nicht im Free TV sehen können, so wie es mit den ACB-Teams in Spanien der Fall ist.

Der 1990 errichtete Pabellón José Luis Abós von Saragossa fasst 10 744 Zuschauer. Während Ihrer Heimspiele kommen im Schnitt 7600 Menschen, obwohl es beim Team nicht rundläuft.

Es ist schön, dass uns die Fans weiter unterstützen. Wir haben leider viele Spiele unnötig in der Schlussphase verloren und müssen sehen, dass wir unsere Leistungen wieder abrufen. Das Potenzial der Mannschaft ist eigentlich sehr hoch, weshalb unser Saisonziel auch die Playoffs waren. Zufrieden sind wir mit dem Saisonverlauf also nicht. Wir alle sind Profis und müssen aus der Rest-Saison jetzt das Bestmögliche herausholen.

Sie erzielen 8,6 Punkte pro Spiel, können mit dem Saisonverlauf des Teams aber nicht zufrieden sein. Werden Sie Ihren Zweijahresvertrag trotzdem erfüllen?

Insgesamt ist das erste Jahr schwerer verlaufen, als ich es erwartet hätte. Trotzdem fühle ich mich hier wirklich sehr wohl. Gleichzeitig darf man aber nie zufrieden sein. Wir können uns als Mannschaft deutlich verbessern, wie auch ich als Spieler. Die Rolle, die ich unter unserem neuen Trainer habe, ist besser für mich. In meinem zweiten Jahr werde ich mich schließlich ein Stück weit etabliert haben. Dabei ist mein Ziel, in der nächsten Saison deutlich konstanter zu spielen. Das habe ich mir fest vorgenommen.

Ist eine vorzeitige Rückkehr in die BBL ausgeschlossen?

Wenn nichts Unvorhersehbares passiert, werde ich auch das zweite Jahr in Saragossa spielen. Ich kann mir sogar vorstellen, noch länger hierzubleiben. Allerdings schließe ich eine Rückkehr in die BBL für die Zukunft nicht kategorisch aus.

John Bryant muss also zittern, dass Sie ihm den Rekord eines Tages wieder wegschnappen?

(lacht) Selbstverständlich. Im Ernst: Bayern München wird immer in meinem Herzen sein. Deshalb kann ich mir auch vorstellen, dorthin zurückzukehren. Ich habe dort vier Jahre lang eine schöne Zeit verbracht.

Egal wie es kommt, vorher steht in jedem Fall der Sommer mit der Nationalmannschaft an. Sie haben bereits 100 Länderspiele absolviert und 912 Punkte für den DBB erzielt. Werden Sie bei der EM-Qualifikation erneut dabei sein?

Wenn ich eingeladen werde, bin ich in jedem Fall dabei. Mein Land vertreten zu dürfen, war für mich immer eine Ehre. Deshalb bin ich auch sehr stolz auf die Erfolge, die ich mit der Nationalmannschaft bisher gehabt habe.

Die Gegner heißen Österreich, Niederlande und Dänemark. Einer ungefährdeten Qualifikation sollte nichts im Wege stehen.

Ich bin zuversichtlich, dass wir uns qualifizieren. Allerdings wird es kein Selbstläufer. Österreich ist inzwischen ein gutes Team und einer unserer Rivalen. Wir haben uns gegen sie vor zwei Jahren sehr schwergetan. Zudem haben sie mit ihrem College-Star Jakob Pöltl nun einen weiteren sehr guten Spieler in ihren Reihen. Aber auch die Niederländer werden ein gutes Team haben. Mit Henk Norel habe ich in Saragossa einen Holländer als Teamkollegen, der zu den besten Centern der ACB gehört. Dennoch muss unser Anspruch sein, dass wir uns in dieser Gruppe durchsetzen.



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