14
Mär

BIG-Appetizer: Interview mit Yassin Idbihi

Auf unserer Website prasentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Yassin Idbihi aus der BIG #17.

Yassin Idbihi ist in seiner dritten Spielzeit bei Alba Berlin. Hier hat er sein Spiel auf das nachste Level gebracht. Im BIG-Interview spricht der Center uber seine Jugend in 
Marokko, Albas Krise im Dezember, seine Zukunft im DBB-Dress und seinen Traum fur die Zeit nach dem Basketball.

Herr Idbihi, wie konnen Sie mit Ihrer unmoglichen Wurftechnik so erfolgreich sein?

(lacht) Ob man es glaubt oder nicht: Fruher, als ich junger war, sah mein Wurf viel, viel besser aus. Irgendwann, als ich kraftiger wurde, war mein Wurf eine Zeit lang richtig schlecht. Da habe ich meine Wurftechnik verandert, die falschen Automatismen benutzt. Meinen Wurf habe ich wieder hinbekommen, doch die schlechten Automatismen sind geblieben. Das liegt auch daran, dass der Wurf manchmal floten geht, wenn gro?e Spieler kraftiger werden, die fruher sehr dunn waren.

Sie haben auch spat mit Basketball angefangen.

Ja, mit 14 Jahren bin ich sehr viel gewachsen. Ich wei? noch, einmal waren das 20 Zentimeter in drei Monaten. Plotzlich war ich 1,96 Meter gro?.  Dann habe ich angefangen, Basketball zu spielen. In Tanger in Marokko, wo ich aufgewachsen bin, gab es zwar einen Verein, doch der hatte keine Jugendabteilung.  So konnte ich nur ab und zu auf einem Freiplatz spielen. Ich bin da aber Basketballfan geworden. Zu meinem 15. Geburtstag hat mir dann mein deutscher Gro?vater eine Woche Basketball-Camp in Deutschland geschenkt. Das habe ich dann gemacht und bin dort geblieben.

Wie kann man sich eine Jugend in Marokko vorstellen?

Viele denken immer sonst was. Aber es war eigentlich ganz normal. Nur dass wir vielleicht nicht so viele Moglichkeiten hatten, was vielleicht Kinos oder Partys anging. Aber dafur hatte ich einen Strand um die Ecke, wo ich vier, funf Monate im Jahr einfach hingehen konnte. Das war fur mich alles ganz normal. Die Umstellung kam, als ich nach Deutschland ging.

Was ist deutsch, was ist marokkanisch an Ihnen?

Ich bin zwar in Marokko aufgewachsen, war aber auch zu dieser Zeit schon sehr eng mit der deutschen Kultur verbunden. Meine Mutter ist Deutsche. Sie hat mit mir Deutsch gesprochen und mir auch Unterricht gegeben. Sie war in Marokko Deutschlehrerin. Dazu sind wir einmal im Jahr nach Deutschland geflogen. Sie hat auch immer versucht, Weihnachten zu feiern, obwohl es in Marokko gar keine Weihnachtsbaume gibt. So bin ich wirklich mit beiden Kulturen aufgewachsen. Vielleicht bin ich jetzt langsam mehr deutsch geworden, weil ich jetzt schon lange hier lebe. Doch mit 15, 16, als ich hier neu war, habe ich mich schon sehr fremd gefuhlt. Aber inzwischen hat sich das ausgeglichen. Ich wurde sagen, das ist jetzt so Halfte-Halfte.

Was war in diesen Anfangsjahren anders? Womit haben Sie sich da schwergetan?

Das waren Kleinigkeiten. Wenn zum Beispiel jemand in Marokko etwas zu essen hat, dann gehort es sich, dass man dies mit allen teilt. Ich habe eine Tute Chips und wenn ich die esse und niemandem etwas anbiete, ist das eine Beleidigung. Das gehort sich nicht. In Deutschland im Internat war das so: Wenn ich gefragt habe, ob ich etwas von den Chips abhaben kann, sah man mich als Schmarotzer an. Das ist einfach eine andere Kultur, an die man sich gewohnen musste. Mit dem kalten Wetter bin ich anfangs auch uberhaupt nicht klargekommen. Da gibt es eine lustige Geschichte. Wir hatten ein Auswartsspiel in der Jugend und bei der Ruckfahrt fiel Schnee. Ich sah aus dem Fenster und die ganze Mannschaft hat sich kaputtgelacht, weil ich noch nie Schnee gesehen hatte.

Vermissen Sie Marokko und den Strand?

Ja, klar. Das ist schon eine andere Lebensqualitat, so direkt am Strand. Ich glaube, Menschen, die noch nie im Suden gelebt haben, wissen gar nicht, was man da verpasst. Andererseits ist es auch schwer in Marokko, es gibt sehr viel Armut. Das ist der Vorteil von Deutschland. Denn egal was man macht, man kann doch meistens fur seine Familie sorgen.  In Marokko mussen sich viele Menschen Sorgen machen. Ich kenne viele, die sich jeden Tag Sorgen machen: Wie ernahre ich meine Familie? Habe ich meinen Job noch?

Wie haben Sie den Arabischen Fruhling im vergangenen Jahr erlebt?

Der ist an Marokko eher vorbeigegangen. Es gab nur ein paar Demos. Er hat ein paar Veranderungen gebracht. Wir hatten zum Beispiel Wahlen. Auf diese Veranderungen hatte ich gehofft und die gab es auch. Daruber haben wir uns alle gefreut. Jetzt mussen wir abwarten, in welche Richtung es geht. Ich freue mich aber, das es in ein paar Landern so etwas wie Demokratie-Bewegungen gibt. Tunesien und Agypten sind Marokko da ein bisschen voraus. Aber es hat sich in Marokko schon etwas bewegt.

Sie haben Politik studiert, auch aus diesem Grund hat Sie das Geschehen in den arabischen Landern sicher interessiert.

Ja, als das damals mit Tunesien und dann Agypten begonnen hatte, klebte ich vor dem Fernseher. Ich habe auch gejubelt, als Mubarak und  Ben Ali verjagt worden sind.

Wenn man Sie zu Auswartsfahrten in den Mannschaftsbus steigen sieht, sind Sie meist mit „Zeit“, „Spiegel“ und anderen Zeitungen bepackt. Viele andere haben dagegen ihre Laptops und Filme dabei.

Ich gucke auch ab und zu Filme. Doch nach zwei, drei Jahren Profi-Basketball habe ich gemerkt: Du benutzt deinen Kopf gar nicht, spielst nur Basketball. Wer wei?, wann du ihn wieder fur einen Job benutzten musst. Da habe ich mir vorgenommen, mehr Zeitschriften und Bucher zu lesen. Das klappt manchmal gut, manchmal weniger. Aber ich habe es mir vorgenommen.

Finden Sie es manchmal schade, wenn sich andere Mannschafts-Kollegen mit so etwas gar nicht beschaftigen?

Nein, jeder muss seinen eigenen Weg im Leben finden. Es gibt Leute, die interessieren sich sehr fur Politik, andere weniger. Das gibt einem Menschen nicht mehr oder weniger Qualitat. Derjenige hat dann andere Sachen, fur die er sich interessiert. Das ist halt mein Weg, indem ich versuche, mich weiterzubilden.

Ist Politik nach der Karriere vielleicht eine Option?

Auf jeden Fall. Ich bin ja aufs College gegangen und habe den Bachelor in internationalen Beziehungen. Doch mit dem Bachelor kann ich relativ wenig anfangen, ich musste schon noch meinen Master machen. Doch mit 35 oder 36, wenn ich merke, meine Karriere neigt sich dem Ende zu, konnte ich ja mit meinem Master anfangen. Was dann daraus wird, wird man sehen. Es ist  aber  eine Option.

Sie sprechen auch Arabisch?

Ja, den marokkanischen Dialekt, das habe ich mit meinem Vater gesprochen. Mein Hocharabisch habe ich ein bisschen verlernt, nach 15 Jahren, in denen ich das kaum benutzt habe. Wenn ich in Marokko bin, spreche ich nur den Dialekt. Ich wollte jetzt wieder anfangen, mein Hocharabisch zu verbessern. Das konnte ich, wenn ich meinen Master mache, sehr gut gebrauchen. Aber man nimmt sich immer sehr viel vor und am Ende kommt es darauf an, ob man es auch wirklich macht. (lacht)

Sie sind am Ende der Saison drei Jahre in Berlin. Nirgends waren Sie in Ihrer Profi-Karriere so lange.

Nein. Ich war ein Jahr in Koln, ein Jahr in Frankreich und ein Jahr in Braunschweig. Als ich nach Berlin kam, war mein Sohn ein Jahr alt. Ich wollte da nicht mehr so viel umziehen. Alba hat mir das Vertrauen geschenkt und mir einen Dreijahres-Vertrag gegeben. Dafur war ich sehr dankbar.

Sie fuhlen sich in Berlin zu Hause?

Ja, meine Heimat ist jetzt Berlin. Meine Frau fuhlt sich hier unheimlich wohl, ich fuhle mich wohl, meine Kinder auch.

Ihr Vertrag lauft aus.

Es ist noch sehr fruh. Wir werden sicher bald erste Gesprache haben. Doch fur den Verein ist es erst mal wichtig, zu sehen, dass ich eine gute Saison spiele. Man ist immer nur so gut wie sein letztes Spiel oder seine letzte Saison. Fur den Klub ist es wichtig, zu sehen, dass ich jetzt meine Form halte. Dann werden wir uns bestimmt auch zusammen hinsetzen.

Aber Sie haben Interesse daran, zu verlangern?

Auf jeden Fall, hundertprozentig.

Haben Sie in Berlin den nachsten Schritt in Ihrer Karriere gemacht?

Das habe ich. Gerade letztens habe ich daran gedacht, wie ich von Braunschweig nach Berlin gekommen bin. Da wusste ich gar nicht, was wird. Ich dachte, das ist ein sehr hohes Ziel. Hoffentlich schaffst du es, dich da durchzusetzen und ein paar Minuten Spielzeit zu bekommen. Ich hatte mich auch darauf eingestellt, nicht so viel zu spielen. Ich wollte darum kampfen, wollte dann aber auch nicht zu enttauscht sein. Ich habe mir gesagt: Du bist hier drei Jahre, du kannst nicht die ganze Zeit enttauscht sein, wenn du nicht spielst. Anfangs unter Luka (Pavicevic, d.Red.) war es auch schwer. Da habe ich kaum gespielt. Und nicht zu spielen war viel schwerer, als ich gedacht habe. Das war das erste Mal in meiner Karriere. Das hat sehr an mir genagt. Doch dann ging es plotzlich sehr schnell. Und dass es bei Alba so gut fur mich lauft, habe ich nicht gedacht.

Die Situation fur deutsche Spieler ist mit der 6+6-Regel derzeit sehr gut. Da sind Sie auch in einer guten Position.

Ja, die ist sehr gut. Aber man darf nicht vergessen: Die Liga kann auch nur den nachsten Schritt machen, wenn man deutsche Spieler fordert. Vor vier, funf Jahren haben viele gesagt, die Bundesliga ist wie die D-League, die zweite amerikanische Liga. Dass es niemals ein nationales Interesse an Basketball geben wird, weil da 19 Amis gegeneinander spielen und ein oder zwei deutsche Busfahrer. Man muss einen Heiko Schaffartzik, einen Per Gunther haben, mit denen sich die Leute identifizieren konnen. Davon profitieren ja beide Seiten.

Wie meinen Sie das?

Wir deutschen Spieler und die Liga profitieren davon. Ich bin uberzeugt, wenn die Menschen auf Sport1 oder in BIG sehen und lesen: Per Gunther hat 20 Punkte gemacht und der sieht aus wie ich. Da konnte das Interesse bei jungen Spielern geweckt sein. Doch wenn da irgendwelche Amerikaner spielen, werden die Leute sagen, wenn ich amerikanischen Basketball sehen will, gucke ich lieber gleich die NBA.

Wie sehen Sie die Fluktuation in vielen Klubs? Von Jahr zu Jahr gibt es bei vielen Klubs neue Teams.

Das hat sich aber auch etwas verandert. Viele Spieler bleiben jetzt zumindest in der Liga, sodass man die Gesichter kennt. In Berlin war es naturlich so, dass wir in den letzten beiden Jahren nicht so erfolgreich waren. Da ist es normal fur einen Klub, der oben mitspielen will, den Kader zu verandern. Denn mit dem alten Kader hat es ja eindeutig nicht geklappt. Doch mit Sven, Heiko und mir sind ja auch drei Spieler schon das dritte Jahr da. Die Quote verandert auch das, denke ich.

Sie sagen, letztes Jahr hat es bei Alba am Ende nicht geklappt. Obwohl das Team zwischenzeitlich tollen Basketball gespielt hat und Weihnachten Tabellenfuhrer war. Was ist in dieser Saison anders?

Es ist noch sehr fruh in der Saison. Ich habe mit der Zeit gelernt, dass es eigentlich zu fruh fur Prognosen ist. Doch ich habe ein Gefuhl. Ich kenne den Trainer aus Koln. Und er wird es nie zulassen, dass ein Spieler mit sich und dem was er geleistet hat, zufrieden ist. Er ist immer drauf, immer drauf. Was anders ist in diesem Jahr, ist, dass wir so viel Wert auf Verteidigung legen. Jeder wird dafur verantwortlich gemacht. Ein Fehler wird sofort angesprochen, egal wer es ist. Dadurch verteidigen wir besser als Mannschaft. Wir sind zu einer Einheit zusammengewachsen, weil wir zusammen verteidigen. Das gab es niemals zuvor in meiner Karriere, das so viel Wert auf Verteidigung gelegt wird. Doch man hat auch gesehen: Auch wir mussen in jedem Spiel unsere Leistung bringen.

Sie meinen die Niederlagenserie um Weihnachten. Was lief da schief?

Da ist viel zusammengekommen. Einmal hatten wir viele Spiele. Vor Weihnachten hatten wir in acht Tagen vier Spiele gegen schwere Mannschaften in schweren Hallen. Dann war da naturlich noch Vules (Spielmacher Avdalovic, d.Red.) Kreuzbandriss. So etwas steckt man nicht so einfach weg. Er ein sehr wichtiger Spieler fur uns. Sein Ersatz, Je’Kel Foster, ist ein Superspieler, doch er braucht Zeit. Gerade in so einer Phase. Dann hatten ich und auch andere Spieler ein kleines Formtief. Ausgerechnet in dieser Phase. Dann passiert so etwas. Oft ist Basketball ja eine sehr mentale Sache. Es lauft nicht gut und man beginnt uber Sachen nachzudenken, mit denen man sich vorher nicht beschaftigt hat. Man uberlegt, ob man den Wurf nehmen soll oder nicht.

Wie wichtig war Vule Avdalovic?

Er war unser Denker und Lenker. Nicht umsonst hat der Trainer ihn im Sommer als Ersten verpflichtet. Zu dem Zeitpunkt waren wir eine Mannschaft mit einem Spielrhythmus. Jeder hatte seine Rolle im Team. Doch wenn so ein wichtiger Bestandteil wegfallt, verandert sich die Rolle von jedem einzelnen Spieler. Das ist auch einer der Grunde.

Wie sehen Sie Alba jetzt aufgestellt, nach dem guten Saisonstart und nach den Veranderungen mit Je’Kel Foster und Derrick Byars?

Je’Kel hat schon gut gespielt. Er findet langsam seine Rolle. Wir werden aber sicher oben mitspielen. Doch wir durfen nicht zu weit vorausdenken.

Sie sagten, Sie kennen Trainer Sasa Obradovic noch aus Ihrer Kolner Zeit. Er ist ja ein Typ, an den man sich als Spieler wahrscheinlich erst mal gewohnen muss.

Ja, ich auch. Ich habe gedacht, ich kenne ihn und wei? wie er ist. Doch dann ist er gekommen und ich dachte: Uff, da musst du ich auch dran gewohnen. Er ist sehr hart. Er verlangt sehr viel von einem. Wenn man einmal im Training einen schlechten Tag hat, wie ihn wahrscheinlich jeder mal hat, dann sagt er es einem ganz klar. Ich wei? noch, als ich von meiner Verletzung zuruckkam, hat er gleich hundert Prozent von mir verlangt.  Anfangs habe ich nicht so gut trainiert. Da hat er gesagt: Yassin den Ball nicht geben, der macht heute nur Blodsinn. Das argert einen naturlich, kitzelt aber auch das Letzte an Leistung aus einem heraus. Ich glaube, es wird eine sehr erfolgreiche Saison. Doch wie gesagt, es ist sehr fruh und man wei? nie.

Mit dieser Art kitzelt er bei einigen vielleicht etwas raus, andere konnten sich damit schwertun.

Einige haben damit bestimmt Probleme. Doch mit der Zeit lernt man ihn kennen und wei?,  dass er nur das Beste fur einen will. Er macht das nicht aus Bosartigkeit. Er will, dass man lernt. Er will dir helfen. Er wei?, wenn du gut bist, ist er auch gut. Das vermittelt er einem, und mit der Zeit lernen das alle Spieler. Die, die es vielleicht noch nicht gelernt haben, werden das bestimmt in den nachsten Monaten sehen.

Wie war der Sprung in die Euroleague fur Sie? Sie spielen das erste Mal dort und durften gleich im Top 16 gegen Real Madrid und ZSKA Moskau spielen.

Ich habe mich sehr darauf gefreut. Doch die Spiele gegen Real und ZSKA waren auch frustrierend. Wir haben die genau in unserer schlechtesten Phase bekommen. Da haben wir unseren schlechtesten Basketball gespielt. Da ist man gegen solche Teams auch zu Hause chancenlos. Mit dem guten Basketball, den wir drei, vier Wochen davor gespielt haben, hatten wir vielleicht eine Chance gehabt. So aber nicht.

Wie war es nun, im Top 16 gegen jemanden wie Nenad Krstic zu spielen?

Das ist schon ein anderes Niveau. Leider hatte auch ich da mein Formtief und da sieht man dann schlecht aus. Doch ich hoffe, ich und meine Kollegen konnen jetzt wieder an die alte Form rankommen, dass wir in den nachsten Spielen besser aussehen.

Vom Titel wollen Sie noch nicht sprechen. Aber viele Beobachter sehen Alba ganz stark.

Also, wir sind stark. Das sehen die Leute zu Recht. Doch wir haben im Moment schon funf Niederlagen. Wir haben die Heimspiele gegen Ulm und Oldenburg verloren und zu Hause darf man nicht verlieren. Und in Ludwigsburg darf man eigentlich auch nicht verlieren. Das waren keine guten Niederlagen. Wir durfen uns nicht uberbewerten, auch wenn wir  Artland, Bayern und Bamberg geschlagen haben. Ich sehe uns, ehrlich gesagt, auch ganz oben, wir konnen um die Meisterschaft mitspielen. Doch es bringt nichts, da was vorauszusagen. Ich bewundere das in Dortmund mit Jurgen Klopp, die nur von Spiel zu Spiel denken. Verliert man mal drei Spiele in Folge, redet niemand mehr von der Meisterschaft. Also nur das nachste Spiel ist wichtig.

Wie sehen Sie Ihre Rolle im Team?

Ich bin der Kampfer in der Mannschaft. Ich muss um jeden Rebound kampfen und hart verteidigen. Und dann muss ich naturlich die einfachen Punkte unter dem Korb machen. Denn wenn ich die mache, offne ich alles fur unsere Schutzen.

Alba spielt diese Saison viel unter dem Korb, weniger von au?en.

Das ist das System des Trainers. Er will den Ball unter den Korb kriegen. Er ist der Meinung, wenn man da punktet, offnet sich das Spiel fur die anderen. Damit sind wir naturlich unter Druck. Wenn wir da einen komischen Wurf machen und danebenwerfen, wird er fuchsteufelswild und sagt: Wenn ihr schon den Ball bekommt, will ich nicht solche Wurfe sehen. Er will von innen anfangen zu scoren und dann von au?en. Letztes Jahr war unser Problem, dass wir es zuerst von drau?en versucht haben. Immer Dreier. Doch die trifft man einen Tag, den anderen Tag nicht. Einen Korbleger trifft man eigentlich immer.

Das Top 16 in der Euroleague sind noch einmal 14 Spiele. Anfangs hatten Sie mit dem Rhythmus Probleme.

Ja, das hatten wir zu Beginn. Doch es ist wichtig, das als Spieler nicht als Ausrede zu benutzen. Ich hatte damit, ehrlich gesagt, auch richtig Probleme. Doch mittlerweile habe ich mich daran gewohnt. Bamberg hat es die letzten Jahre auch gut geschafft. Das sollten wir auch schaffen, wenn wir Meister werden wollen. Wir sollten nicht mehr so viel daruber reden, sondern uns darauf konzentrieren. Es macht uns als Mannschaft auch besser, wenn wir gegen gute Gegner spielen. Ich spiele sowieso lieber als dass ich trainiere. Die Einzigen die fluchen, sind meine Frau und die Kinder, die mich weniger sehen.

Wie wachsen Ihre Kinder auf? Sie haben deutsche und marokkanische Wurzeln, Ihre Frau kommt aus Kanada.

Die Muttersprache des Alteren ist Englisch. Er spricht aber auch gut Deutsch. Das Einzige, was hinterherhinkt, ist das Arabische. Er kann zahlen und ein paar Worter. Sie lernen aber alle Kulturen kennen. Letzten Sommer war sie sechs Wochen in Kanada und vier Wochen in Marokko. Sie wachsen zwischen allen Kulturen auf und ich glaube, das gibt ihnen auch einen Reichtum. Wir werden daran arbeiten, dass sie alles kennenlernen. Den Islam, das Christentum. Kanada, Deutschland usw. Je mehr Kulturen man kennt, umso offener ist man fur neue Dinge.

In der Mannschaft ist Heiko Schaffartzik ein guter Freund. Wie ist es, schon so lange mit ihm zusammenzuspielen?

Das hat sich so entwickelt. Fruher haben wir schon gegeneinander gespielt. Er bei TuSLi, ich fur Rhondorf. Das waren zwei top Jugend-Mannschaften. Da haben wir uns schon ein bisschen kennengelernt, haben zusammen Blodsinn gemacht. Doch richtige Freunde waren wir nicht. Dann haben zusammen A2 und Universiade gespielt. Wir waren die besten Spieler in der Mannschaft und da haben wir uns gut verstanden. Da habe ich gedacht: ein lustiger Kerl, der Heiko. Dann haben wir irgendwann das erste Mal zusammen in der Nationalmannschaft gespielt und schlie?lich das Jahr in Braunschweig. Da entwickelt sich das mit der Zeit. Wir waren auch zusammen auf dem Zimmer.

Thema Nationalmannschaft. Dieses Jahr haben Sie mit einer Verletzung wieder Pech gehabt.

Ja, ich wei? nicht, ob ich noch Nationalmannschaft spielen werde. Zweimal hatte ich uble Verletzungen. Dreimal wurde ich vor Turnieren als Letzter gecuttet. Also, das muss ich mir uberlegen. Sie mussen sich vorstellen: Man investiert einen ganzen Sommer, hat keine Pause, damit man am Ende leer ausgeht. Irgendwann sagt man dann: Nee, jetzt reicht es. Aber noch bin ich mir nicht sicher. Ich sage jetzt nicht nein, nicht ja. Ich muss es mir einfach uberlegen.

Kommen wir auf Marokko zuruck. Sie haben mal gesagt, wenn Sie nicht Basketball-Profi  geworden waren, hatten Sie eine Strandbar in Marokko. Ist das immer noch ein Ziel?

Es ist ein Traum von mir, nach Marokko zuruckzugehen. Ware ich allein, hatte ich keine Frau, keine Kinder, wurde ich hundertprozentig nach meiner Karriere nach Marokko zuruckgehen. Zu meinen Eltern, zu meiner Schwester, zu meinen Cousins und Cousinen, mit denen ich zusammen aufgewachsen bin. Doch ich bin nicht mehr alleine, habe Familie. Wenn ich 35 oder 36 bin, ist mein altester Sohn zehn und hat noch nie in Marokko gelebt. Da kann ich die nicht einfach packen und nach Marokko mitnehmen. Vielleicht werde ich das aber irgendwann machen.

Und dann eine Strandbar aufmachen

Das ware der Traum. (lacht)

Marokko ist ja auch ziemlich angesagt.

Ja. Es ist landschaftlich wunderschon. Man hat Strand, Berge zum Skifahren und Wuste. Und ich kann nur jedem empfehlen, dort einmal Urlaub zu machen. Und wer das tun will, mein Cousin leitet ein Tourismusburo. Ich besorge billige Urlaube. (lacht)


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