07
Jan

BIG-Appetizer: Interview mit Steffen Hamann

mccoy

Auf unserer Website prasentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Steffen Hamann aus der BIG #26.

STEFFEN HAMANN war jahrelang die Identifikationsfigur bei Bayern Munchen. Doch der tiefe Kader bedeutet fur ihn weniger Spielzeit. Seine Zeit in Munchen scheint langsam abzulaufen. In BIG au?ert sich der Point Guard zu dem verscharften Konkurrenzdruck und seiner personlichen Situation.
Dabei stellt der 32-Jahrige klar: Wechseln will er nicht mehr

 

Steffen Hamann, der FC Bayern hat in der BBL und in der Euroleague einen perfekten Saisonstart hingelegt. Wie fuhlt es sich an, endlich mal Tabellenfuhrer zu sein?

Sehr gut naturlich. Verdammt wichtig war, dass wir gleich das erste Spiel in Bonn gewonnen haben. Da hat jeder Selbstbewusstsein mitgenommen, das Vertrauen war da. Danach haben wir zu Hause Bamberg geschlagen. Das hat naturlich sehr gutgetan und uns Schwung gegeben. Der Audi Dome stand wieder wie eine Festung. Dass dann Gegner wie Ludwigsburg und Frankfurt fur uns eine Muss-Aufgabe sind, ist auch klar. Insofern konnen wir mit dem Start schon sehr zufrieden sein, auch wenn naturlich noch Luft nach oben da ist.

Aber es lief schon ziemlich rund. Es waren ja auch einige uberraschend klare Siege dabei, zum Beispiel das erste Spiel beim polnischen Meister Zielona Gora in der Euroleague.

Die Polen waren jetzt nicht so stark. Aber klar, das erste Spiel in der Euroleague, und dann noch auswarts, ist immer sehr schwer, die Jungs haben das super gemacht. Naturlich gab’s da auch Sachen, die der Trainer angesprochen hat, aber im Gro?en und Ganzen war das schon ein ordentliches Spiel.

So selbstverstandlich war das ja nicht, schlie?lich wurde vor der Saison mehr als die Halfte der Spieler ausgewechselt. Wie uberraschend ist es fur euch, dass es gleich so gut lauft?

Ich glaube, es war wichtig, dass fast alle Neuen au?er Malcolm (Delaney) und Boris (Savovic) die Bundesliga kennen. Ich denke auch, dass wir Spieler verpflichtet haben, die charakterlich alles mitbringen, was dazugehort, um eine echte Mannschaft zu bilden. Das hat sicher dazu beigetragen, dass es so schnell ging.

Sie sprechen den Charakter der Spieler an. Das hie? es vergangene Saison aber auch schon. Wen immer man da gefragt hat, es hie? immer, alle Spieler seien Supertypen und charakterlich top. Was hat sich also diese Saison geandert?

Wir haben nur Spieler, die positiv an die Sache herangehen. Man muss sehen, dass sich die Rolle einiger Spieler geandert hat, auch meine oder die von Demond zum Beispiel. Aber wenn wir gebraucht werden, sind wir da, und das war in der Vergangenheit vielleicht nicht ganz so der Fall. Ein, zwei Jungs waren immer ein bisschen unzufrieden. Sie haben’s vielleicht nicht so gezeigt, aber man hat’s mitbekommen, und das haben wir dieses Jahr nicht so. Wir haben eine sehr tiefe Bank. Aber jedem wurde vor der Saison klar gesagt, was ihn erwartet. Jeder wei?, woran er ist und was er mitbringen muss, um erfolgreich Basketball zu spielen. Und es sind naturlich verdammt viele Spiele. Da wird es sich am Ende auszahlen, dass wir so einen tiefen Kader haben.

Sie haben es selbst angesprochen: Ihre eigene Rolle hat sich geandert. Es gibt weniger Spielzeit. Was ist noch anders?

Grundsatzlich habe ich keine anderen Aufgaben als vergangene Saison. Es geht weiter darum, hart zu trainieren und den Jungs zu helfen, hier in Munchen mit den Gegebenheiten und mit dem Verein klarzukommen, sich zu akklimatisieren. Das habe ich alles vorher auch schon gemacht. Ich bin immer noch Kapitan der Mannschaft, und da denke ich schon, dass ich auch immer mit gutem Beispiel vorangehen muss. Ich will der Mannschaft einfach Positives mitgeben. Klar, die Spielzeit ist vielleicht nicht mehr die, die es noch vor ein paar Jahren war. Aber man wird auch nicht junger.

Aber mit 32 Jahren ist man jetzt auch noch nicht im Basketballer-Rentenalter.

Ich spiele ja auch noch. Ich wei? auch, warum ich hiergeblieben bin – wegen dem Verein naturlich und weil ich am Ende der Saison Gro?es sehe.

Sie waren ja auch so eine Art Identifikationsfigur fur das Basketballprojekt in Munchen.

Ja klar, das verbindet. Ich fuhle mich wirklich sehr, sehr wohl hier. Der Verein ist auch mit mir zufrieden, sonst ware ich sicher nicht schon vier Jahre am Stuck hier.

Ist Ihnen denn vor der Saison bei der Vertragsverlangerung klar gesagt worden, wie Ihre Situation ist und dass da noch zwei Point Guards geholt werden?

Ja. So konnte ich mich im Sommer schon mental auf meine Aufgaben einstellen. Ich wurde definitiv nicht im Ungewissen gelassen. Mir wurde gesagt, dass ich weiter eine wichtige Rolle habe und fur die Mannschaft da sein muss. Auf dem hohen Niveau, auf dem wir spielen, brauchst du auch, denke ich, drei gute Point Guards, und die haben wir.

Klingt so, als ware alles bestens. Wo bleibt die Kampfansage vom Kampfer Steffen Hamann an die eigenen Kollegen um mehr Spielzeit?

Die gibt’s im Training, klar! Ich glaube, wer ein Training beobachtet, der sieht, dass es da zur Sache geht und dass jeder zeigen will, dass er bei der nachsten Partie spielen will. Das zeige ich mehr physisch als verbal. Und da ist es wieder ein gro?er Vorteil, dass wir so einen gro?en Kader haben. Jeder muss in jedem Training hellwach sein und alles geben. Der Coach ist dann der Letzte, der einem nicht die Spielzeit gibt, die er verdient.

Trotzdem wurden Sie wahrscheinlich in 16 von 18 BBL-Klubs in der Starting Five spielen.

Das war mir auch bewusst, aber das hat – wie gesagt – auch mit meiner Liebe zu Bayern zu tun, mit der Vergangenheit und damit, das Ganze mit aufgebaut zu haben. Dafur will man am Ende auch belohnt werden, und vielleicht klappt’s ja diese Saison am Ende mit dem Meistertitel.

Wie lange wollen Sie noch spielen?

Schauen wir mal. Der Vertrag lauft erst mal wieder ein Jahr. Ich denke, wir werden uns rechtzeitig wieder zusammensetzen.

Kame denn doch noch mal ein Wechsel infrage?

Das ist jetzt noch weit weg. Aber grundsatzlich kann ich mir das jetzt nicht mehr vorstellen.

Was das gro?e Ziel Meistertitel angeht, scheint Bayern auf einem guten Weg zu sein.

Mal langsam. Wir sind noch ganz am Anfang der Saison. Klar, konnen wir mit dem Saisonstart und mit der Entwicklung bisher zufrieden sein. Aber wir wissen, dass auch andere Zeiten kommen werden. Wie reagiert die Mannschaft zum Beispiel nach einer Niederlage? Das sind alles so Sachen, die erst noch auf uns zukommen.

Wie unterscheidet sich eigentlich die Vorbereitung auf ein normales Bundesligaspiel von der auf ein Topspiel oder eins in der Euroleague?

Grundsatzlich schauen wir immer auf unser Konzept, das uns Sveti vorgibt. Darauf konzentrieren wir uns, und das wollen wir durchsetzen. Aber klar muss man abwagen, gegen wen man spielt. Da schaut man dann schon, ob die Gegner abhangig sind von einem Spieler oder einem System, dann muss man sich darauf einstellen. In der Bundesliga ist es aber sicher andersrum. Da mussen sich die meisten Klubs eher auf uns einstellen.

Ist das Kribbeln in der Euroleague besonders gro??

Ja klar. Euroleague ist immer etwas Besonderes. Das ist die Champions League des Basketballs. Gerade die Heimspiele zu gewinnen, ist enorm wichtig. Und ich hoffe auch, dass das Munchner Publikum versteht, gegen wen wir da spielen.

Sind Sie zufrieden mit der Zuschauer- und Fan­entwicklung?

Absolut. Es war immer das gro?e Fragezeichen, wie Basketball in der Fu?ballstadt Munchen angenommen wird. Am Anfang hatten wir schon Probleme, die Halle vollzubekommen. Jetzt kommt es schon mal vor, dass einige Leute nicht mehr reinkommen.

Anfangs, in der ProA oder auch noch im ersten BBL-Jahr, hatte man schon den Eindruck, dass hier eher Fu?ball-Publikum in der Halle war.

Das stimmt, hat sich aber gewandelt. Mein Papa war schon langer nicht mehr da. Jetzt hat er sich nach langerer Zeit mal wieder ein Spiel im Audi Dome angesehen und gesagt: Hey, die Fans haben’s langsam verstanden.

Sie polarisieren unglaublich. In gegnerischen Hallen bekommen Sie immer die meisten Pfiffe ab. Woran liegt das?

Ich denke, ich habe einfach eine Spielweise, die etwas emotionaler und physischer ist, bei der viel Kampf und Leidenschaft dabei ist. Gerade als ich noch eine tragende Rolle hatte, sei es in Bamberg oder dann hier in Munchen, war es schon so, dass mich die Fans immer ein bisschen als Buhmann auserkoren haben. Ich habe aber kein Problem damit. Es motiviert zusatzlich, und ich denke, das ist auch eine Anerkennung fur das, was ich geleistet habe.



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