02
Apr

BIG-Appetizer: Interview mit Konrad Wysocki

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Konrad Wysocki aus der BIG #18.

KONRAD WYSOCKI kehrte in dieser Saison in die Beko BBL zurück. Mit den EWE Baskets Oldenburg spielt er ganz oben mit. Im BIG Interview spricht der Forward über die neue Stärke des Teams, sein Geburtsland Polen und seine Pläne für die Zukunft.

Herr Wysocki, sportlich läuft es derzeit rund, außerdem wird im April die neue Halle eröffnet. Wie groß ist die Aufbruchstimmung bei den EWE Baskets Oldenburg?

Wysocki: Ja – ich finde, Aufbruchstimmung ist eine passende Bezeichnung. Vergangene Saison lief es in Oldenburg nicht sonderlich gut, die Play-offs wurden verpasst, die Ziele nicht erreicht. Doch nun sind wir alle extrem aufgeregt und glücklich, dass es so gut läuft. In der Bundesliga stehen wir sehr gut da, und auch in der EuroChallenge sind wir noch voll dabei.

Wie verfolgen Sie den Bau der neuen Halle?

Die neue Halle wird ja direkt neben unserer alten gebaut. Das heißt, wir fahren täglich zweimal an ihr vorbei und sehen, wie weit alles schon fortgeschritten ist. So konnte man fast hautnah miterleben, wie schnell die Wände hochgezogen wurden, ehe man das Dach draufgelegt hat. Von außen ist schon alles fertig, jetzt wird noch der Innenausbau gemacht. Wir freuen uns alle sehr, dass es in ein paar Wochen soweit ist.

Sie haben angesprochen, dass Sie diese Saison erfolgreich in der EuroChallenge spielen. Wie groß ist die Belastung der vielen englischen Wochen?

Ich denke, dass uns die englischen Wochen sogar helfen. Dadurch haben wir nicht nur den BBL-Alltag, bei dem wir immer eine ganze Woche auf Spiele warten müssen. Die EuroChallenge bietet da eine gute Abwechslung. Wir kommen immer mal wieder aus Oldenburg heraus und sehen ein paar andere Städte und Länder. Dabei hatten wir das Glück, dass wir nie so weit fahren mussten. Nach Belgien, nach Bonn – das sind alles sehr passable Auswärtsreisen. Nur nach Minsk, dahin ist es ein bisschen weiter. Aber bislang ist alles sehr gut gelaufen. Wie gesagt: Die EuroChallenge ist eine wunderbare Möglichkeit, um aus dem Alltagstrott der BBL herauszukommen.

Halten Sie den Titel in der EuroChallenge für möglich?

Es gibt eine russische Mannschaft, die bisher noch ungeschlagen ist (Krasnye Krylia, Red.). Wie gut dieses Team personell aufgestellt ist, weiß ich zwar nicht. Aber das könnte ein Hauptkonkurrent werden. Insgesamt kenne ich nur wenige der teilnehmenden Mannschaften. Unterschätzen darf man niemanden. Doch sofern wir es schaffen, fit und in Form zu bleiben, können wir in diesem Wettbewerb sehr weit kommen.

Auch wenn Sie in der vergangenen Saison nicht in Oldenburg gewesen sind: Weshalb läuft es für die Baskets in der aktuellen Spielzeit deutlich besser?

Es sind viele neue Spieler ins Team gekommen. Die Leute, die jetzt im Kader stehen, sind alle einen Tick älter und erfahrener. Jeder von uns weiß, wie man sich verhalten muss, um erfolgreich zu sein. Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Von Spiel zu Spiel werden wir stärker. Hinzu kommt, dass vier bis fünf Spieler im Schnitt zweistellig punkten. Das macht uns extrem unberechenbar.

Insgesamt sind es bei Ihnen acht Spieler, die im Schnitt sieben Punkte oder mehr erzielen, keiner aber mehr als 13.

Ganz genau. Unsere Gegner können sich kaum auf uns einstellen. Jeden Abend kann ein anderer heiß laufen. Wir haben einen breiten und qualitativ sehr starken Kader. Dank der EuroChallenge bekommt jeder auch genügend Spielminuten.

Wie sehen Sie Ihre persönliche Rolle im Team?

Ich bin der Back-Up auf den Positionen drei und vier für Rickey Paulding und Ronnie Burrell. Von der Bank aus bringe ich immer viel Energie aufs Parkett. Ich kann auch den freien Wurf von außen treffen und kümmere mich ansonsten um das Grobe: Rebounds holen, viel cutten, viel bewegen, also das Team in Schwung halten.

Was halten Sie von Headcoach Sebastian Machowski? Kannten Sie ihn vorher?

Ich hatte zwar noch nie mit ihm gearbeitet. Doch ich kenne ihn schon seit Jahren. Vor seiner Braunschweiger Zeit war er lange als Spieler und Trainer in Polen aktiv. Er wollte mich auch schon nach Braunschweig holen. Besonders zeichnet ihn aus, dass er ein ruhiger Typ ist. Er ist keiner, der an der Seitenlinie herumhüpft und die eigene Mannschaft nervös macht. Stattdessen macht er klare Ansagen und zeigt uns zu jedem Zeitpunkt, dass er uns vertraut. Auch wenn uns mal ein Fehler unterläuft, gibt es bei ihm keinen riesigen Anschiss. Jedem einzelnen Spieler gibt er Sicherheit und Selbstvertrauen.

Bevor Sie nach Oldenburg gewechselt sind, spielten Sie drei Jahre lang in Ihrem Geburtsland Polen. Weshalb sind Sie nun wieder nach Deutschland zurückgekehrt?

Es war für mich sehr aufregend, drei Jahre lang in meiner zweiten Heimat Polen zu spielen. Meine Familie lebt allerdings in Deutschland. Und ich werde ja auch nicht jünger. Deshalb wollte ich zurück in die BBL, um hier noch mal rechtzeitig Fuß zu fassen. Mit 30 Jahren habe ich das Ziel, noch einen großen Titel zu gewinnen. Da hat sich der Wechsel nach Oldenburg sehr gut angeboten.

Sie wollen einen großen Titel holen… sind die EWE Baskets schon reif, um diese Saison die Meisterschaft zu gewinnen?

Das ist schwer zu sagen, weil die Mannschaft in dieser Konstellation noch nicht lange zusammenspielt. Doch wie gesagt: Wir haben eine Menge Erfahrung und mehrere Spieler, die schon viele Titel gewonnen haben und daher wissen, was es braucht, um erfolgreich zu sein. Deshalb sollte man uns auf keinen Fall unterschätzen.

Von 2006 bis 2009 spielten Sie für Ulm und Frankfurt erfolgreich in der BBL. Für viele Außenstehende kam es überraschend, dass Sie dann zu Turow Zgorzelec in die polnische Liga wechselten. Wie kam es dazu?

Es war eine wunderbare Möglichkeit, um meine zweite Heimat Polen und die dortige Kultur besser kennenzulernen. Damals habe ich Polen als Vierjähriger verlassen. Von daher war das ein Wechsel nach dem Motto „zurück zu den Wurzeln“. Meine polnischen Sprachkenntnisse konnte ich erfolgreich auffrischen. Auch sportlich war das eine spannende Erfahrung. Im zweiten Jahr sind wir Vize-Meister geworden, außerdem durfte ich im zweiten und dritten Jahr Kapitän sein. Das hat Riesenspaß gemacht. Ich war Leistungsträger und konnte mich so richtig austoben.

Leben einige Ihrer Familienmitglieder denn noch in Polen?

Ja! Ich habe noch eine Oma, die in Polen wohnt und schon über 80 Jahre alt ist. Sie ist unheimlich stolz auf mich und hat bei jedem Spiel vor dem Fernseher mitgefiebert.

Von den osteuropäischen Basketball-Ligen hört man immer wieder, dass die Infrastruktur zweitklassig ist und man als Spieler lange auf sein Geld wartet…

Da hatte ich zum Glück keine Probleme. Das Gehalt wurde verlässlich gezahlt. Auch ansonsten ist die polnische Liga der BBL gar nicht so fremd. Viele Spieler kommen aus der polnischen Liga nach Deutschland, um hier den nächsten Schritt zu machen.

Kürzlich wurde bekannt, dass Dirk Bauermann die polnische Nationalmannschaft übernimmt. Was halten Sie davon?

Das ist eine interessante Entscheidung von ihm. Mit Marcin Gortat und Maciej Lampe gibt es in Polen zwei große Namen. Zwei weitere Spieler sind in Spanien aktiv, hinzu kommt der eingebürgerte Amerikaner David Logan – das ist eine spannende, lebhafte Truppe. Ich wünsche Dirk Bauermann viel Erfolg.

Sie haben angesprochen, dass Sie damals mit vier Jahren aus Polen nach Deutschland kamen. Was war der Grund dafür?

Mein Vater Chrystof spielte auch Basketball und hatte damals einen Vertrag in Gießen erhalten. Die komplette Familie ist mitgegangen. Noch heute trainiert mein Vater Jugend-Mannschaften in Gießen. Wenn er Zeit hat, schaut er sich auch meine Spiele an und gibt mir häufig wertvolle Ratschläge.

Ihr Vater hatte offensichtlich die ganze Familie mit dem Basketball-Fieber angesteckt…

Das stimmt. Mein Bruder Kevin spielt ebenfalls Basketball, vor ein paar Jahren ist er mit den Würzburgern in die erste Liga aufgestiegen. Mittlerweile spielt er für Jena in der ProA.

Und wie sieht es mit Ihrer Mutter aus?

Auch sie ist seit Jahrzehnten am Basketball interessiert und kennt sich sehr gut aus. Gerne gibt sie ihren Senf zu meinen Leistungen ab. (lacht)

Obwohl Sie in Polen geboren sind, entschieden Sie sich, für den Deutschen Basketball-Bund aufzulaufen. Warum?

Mir war es damals gar nicht so klar, dass ich auch für Polen spielen könnte. Ich habe in Deutschland gewohnt und immer hier gespielt. Zunächst war ich in den deutschen Nachwuchs-Nationalmannschaften aktiv. Danach ging es fast automatisch im A-Nationalteam weiter. Erst als ich in der polnischen Liga gespielt habe, wurde ich häufiger darauf angesprochen, warum ich mich für Deutschland und nicht für Polen entschieden habe.

Bereuen Sie Ihre Entscheidung im Nachhinein? In Polen hätten Sie doch bestimmt ein viel höheres Standing im Nationalteam gehabt…

Auf keinen Fall bereue ich es, dass ich mich für Deutschland entschieden habe. Denn so konnte ich bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking dabei sein. Was könnte es für einen Sportler Größeres geben? (lacht)

Bei der olympischen Vorrunden-Niederlage gegen die USA erzielten Sie damals fünf Punkte. Können Sie sich an die einzelnen Aktionen noch erinnern?

Na klar! Es war ein Dreier und eine Penetration zum Korb. An dieses Spiel werde ich mich für immer und ewig erinnern. Es war eine wundervolle Sache, auf diese großen NBA-Namen zu treffen. Dabei ist mir aufgefallen: Kobe Bryant ist kleiner und LeBron James ist größer als man denkt. Auch wenn man neben Dwight Howard steht, fühlt man sich extrem klein (Wysocki selbst ist 2,02 Meter groß, Red.). Dasselbe gilt für Yao Ming, weil wir damals ja auch auf China getroffen sind. Jedes Bein von ihm ist wie ein Baumstamm.

Haben Sie eigentlich Kontakt zum neuen Bundestrainer Frank Menz?

Dieser Kontakt besteht nicht. Ich möchte mich jetzt voll und ganz auf die restliche Saison mit Oldenburg konzentrieren. Und falls mich der Bundestrainer dann anruft und mich zur EM nach Slowenien einladen sollte, würde ich bestimmt nicht Nein sagen.

In Oldenburg besitzen Sie einen Vertrag bis zum Sommer 2014. Gibt es weitere Karriereplanungen?

Ich bin ja verheiratet, meine Frau und ich fühlen uns in Oldenburg sehr wohl. Wir freuen uns auf die Zeit bis zum Sommer 2014. Was danach passiert, muss man abwarten. Es gibt schon so manche Tage, an denen ich vom Training Haare raufend nach Hause komme und mir denke: „Ohje, mir tun die Knochen so weh, was mache ich hier eigentlich?“ Aber das sind zum Glück noch Ausnahmen. (lacht) Ich denke, ich bin fit genug, um auch nach 2014 noch das eine oder andere Jahr dranzuhängen.

 

 

 

 

 

 

Von Marcel Friederich



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