10
Mai

BIG-Appetizer: Interview mit Vaughn Duggins

duggins

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Vaughn Duggins aus der BIG #19.

VAUGHN DUGGINS ist Topscorer der Walter Tigers Tübingen. Der Außenseiter ist derzeit auf Playoff-Kurs. Im BIG-Interview spricht der Guard über das Ziel, die Postseason zu schaffen, über die Rolle als Underdog und über die Rivalität mit seinem Freund DaShaun Wood

Herr Duggins, Ihr Teamkollege Reggie Redding berichtete im Interview in Ausgabe 14, dass er ein begnadeter Xbox-Spieler sei. Er behauptete, niemand könne ihn beim virtuellen Basketball schlagen. Haben Sie es schon einmal probiert?

Wenn Reggie einen Gegner sucht, halte ich mich besser zurück. (lacht) Grundsätzlich spiele ich nur selten Xbox. Wenn ich mich vor die Spielkonsole setze, dann bevorzuge ich die Playstation. Und dann spiele ich auch nicht Basketball, sondern lieber „Call of Duty“, eine Art Ego-Shooter, oder das Fußballspiel „FIFA“.

Welche Hobbys hat ein Profi-Basketballer ansonsten noch?

Ich bin ein begeisterter Golfer. Das ist ein wunderbarer Ausgleich zum Basketball. Außerdem gehe ich häufig ins Fitnessstudio, um topfit zu bleiben. Abgesehen vom Sport bin ich sehr an Mode interessiert. Da bin ich immer auf dem Laufenden und kaufe mir auch unheimlich gerne neue Schuhe.

Das klingt nach einer vielfältigen Freizeitbeschäftigung

Ja, das stimmt. Aber während der Saison konzentriere ich mich natürlich vor allem auf das Basketball-Geschehen.

Für Ihre Walter Tigers Tübingen lief es zuletzt sehr gut. Vor heimischer Kulisse gewannen Sie sogar mit 89:86 gegen den formstarken FC Bayern München.

Zuvor hatten wir in der Saison schon mehrere Möglichkeiten, gegen große Mannschaften zu gewinnen. Besonders gegen Ulm und in Berlin sind wir ganz nah dran gewesen. Doch jedes Mal sind wir knapp gescheitert. Umso wichtiger war jetzt der Erfolg über den FC Bayern. Wir haben ein richtig starkes Team geschlagen. Das war ein super Statement von uns.

In der Hauptrunde ist das letzte Saisonviertel angebrochen. Aktuell stehen Ihre Tübinger auf dem achten Tabellenplatz. Wie lauten Ihre Ziele für den weiteren Saisonverlauf?

Intern haben wir uns die Playoff-Qualifikation schon zu Beginn der Saison als Ziel gesetzt. Wir haben uns in eine gute Ausgangslage gebracht und wollen das jetzt unbedingt auch packen. Sobald man den Sprung in die Playoffs geschafft hat, beginnt ein ganz neuer Abschnitt.

Glauben Sie, dass Tübingen eine Außenseiterchance auf den Titel besitzt?

Warum nicht? In den Playoffs ist immer alles möglich.

Die Walter Tigers gehören zu den positiven Überraschungen. Trotz eines Mini-Etats von unter zwei Millionen Euro ist Ihr Team auf Playoff-Kurs. In den Medien wird allerdings nur von München, Bamberg oder Berlin gesprochen. Tübingen wird dagegen häufig übersehen. Ärgert Sie das?

Ja, manchmal blickt man schon ein bisschen neidisch auf diese Teams. Andererseits steht man viel mehr unter Druck, wenn man andauernd in den Medien präsent ist. Auch die Gegner sind dann doppelt motiviert gegen dich. Von daher ist es für uns eine ganz gute Situation, dass wir häufig ein bisschen unter dem Radar fliegen. So können wir uns voll und ganz auf uns selbst konzentrieren. Das Image des ewigen Underdogs gefällt uns in Tübingen sehr gut.

Zur Vorsaison hatte Tübingen zahlreiche unerfahrene Spieler vom College verpflichtet – Josh Young, Tyrone Nash oder auch Sie. Überraschend erreichten Sie Platz zwölf und somit problemlos den Klassenerhalt.

Wir wussten alle, dass wir eine Menge Talent besitzen. Allerdings wussten wir nicht, wie gut und wie erfolgreich wir uns in der Liga schlagen können. Coach Igor Perovic hat uns sehr viel Selbstvertrauen gegeben, welches wir über die gesamte Saison hinweg beibehalten haben. Das war der Grundstein zu unserem positiven Abschneiden.

Finanzkräftigere Klubs wurden auf Sie und Ihre Teamkollegen aufmerksam. Man hört, dass es nicht wenige Interessenten gab. Trotzdem blieben Sie alle im beschaulichen Tübingen. Warum?

Für viele Außenstehende mag es eine ungewöhnliche Entscheidung gewesen sein, dass wir alle in Tübingen geblieben sind. Es stimmt, dass unsere Jungs so manches Angebot von anderen Vereinen vorliegen hatten. Aber manchmal hat man eine Gruppe von Spielern beisammen, die nicht ihr eigenes Wohl, sondern das Wohl der Mannschaft in den Vordergrund stellen. So ist das bei uns der Fall. Wir verstehen uns alle super und haben deshalb untereinander besprochen, dass wir in Tübingen bleiben wollen. Wir sind überzeugt, dass hier in Tübingen mit unserer Hilfe etwas Großes entstehen kann.

Allerdings verlief der Saisonstart überhaupt nicht wie erwünscht. Obwohl der Stamm des Teams zusammengeblieben ist, gab es anfangs drei Niederlagen in Folge …

Vielleicht waren unsere eigenen Erwartungen am Anfang zu hoch. Wir dachten, wir könnten problemlos an unsere starke Vorsaison anknüpfen. Allerdings hatten wir viele Tugenden vergessen, die uns in der Vorsaison erst stark gemacht hatten. Spätestens nach der dritten Niederlage haben wir realisiert, dass es nicht von selbst geht und jeder von uns mehr investieren muss. Zum Glück haben wir das alle schnell verinnerlicht und rechtzeitig die Kurve bekommen. Jetzt spielen wir wieder so, wie wir uns das vorstellen.

Wie angesprochen, wechselten Sie im Sommer 2011 von der Wright State University im US-Bundesstaat Ohio nach Tübingen. Wie schwer ist es für einen jungen Spieler, sich in einem fremden Land zurechtzufinden?

Die ersten Monate waren sehr schwierig, gar keine Frage. Gerade während der anstrengenden Saisonvorbereitung. Aber sobald die Saison gestartet war, ging es schnell bergauf. Auch meine Familie hat mich dann mehrmals in Tübingen besucht, das hat mir enorm geholfen. Mittlerweile fühle ich mich hier in Tübingen nicht nur sportlich, sondern auch privat sehr wohl.

Wie bleiben Sie von Tübingen aus mit Ihrer Familie und Ihren Freunden in den USA in Kontakt? Haben Sie manchmal Heimweh?

Na klar habe ich manchmal Heimweh. Ich würde sogar sagen, dass das fast automisch zu meinem Job dazugehört. Wirklich gewöhnen kann man sich daran nie. Doch zum Glück ist es im heutigen Zeitalter ja recht einfach, den Kontakt zu halten. Über „FaceTime“ und „Skype“ können wir regelmäßig chatten. Es hilft sehr, die Stimmen der Liebsten zu hören. Mithilfe einer Videokamera ist es ja auch möglich, sich virtuell in die Augen zu schauen. Das machen wir häufig.

Sportlich sind Sie als Shooting Guard mit durchschnittlich 13,7 Punkten der erfolgreichste Werfer Ihres Teams. Wie würden Sie Ihre Rolle beschreiben?

Die Mannschaft kann sich immer auf mich verlassen, wenn es darum geht, in der Offensive Plays zu laufen. Aber auch in der Defensive übernehme ich gerne Verantwortung. Deshalb würde ich mich als Scorer bezeichnen, der auch in der Defensive seine Aufgaben mit Stolz und ohne Murren verrichtet.

Ihr Spitzname lautet „Diddy“. Wie kam es dazu?

Während meiner College-Zeit hatte ich eine Menge Spitznamen, die ich von meinen Teamkollegen verpasst bekam. Mein Nachname Duggins bietet sich für Spitznamen ja ganz gut an. Aber „Diddy“ war der einfachste, was die Aussprache anbetrifft. Von daher ist mir dieser Spitzname aus der College-Zeit nun bis nach Deutschland gefolgt.

Sie hatten eine erfolgreiche College-Zeit an der Wright State University. Mit den Wright State Raiders standen Sie im Finale und dann auch im All-Star-Team der Horizon League.

An meine Zeit am College habe ich sehr positive Erinnerungen. Besonders an das Jahr, in dem wir am NCAA-Turnier teilgenommen haben. Da spielte ich übrigens zusammen mit DaShaun Wood von Alba Berlin.

Sind Sie auch heute noch in Kontakt mit
Dashaun Wood?

Auf jeden Fall. Wir sind und bleiben gute Freunde. Wir unterhalten uns häufig. Es wäre großartig, wenn wir in den Playoffs auf Alba treffen würden. Bislang habe ich es in meiner aktiven Karriere nämlich noch nicht geschafft, DaShaun zu besiegen – das wird langsam mal Zeit. (lacht) Ich fände es großartig, wenn es irgendwann in meiner Karriere die Chance gäbe, wieder zusammen mit DaShaun in einem Team zu spielen. Aber weil wir uns vorhin über die Zeit am College unterhalten hatten, da hätte ich noch eine Anmerkung …

Ja bitte?

Ich persönlich finde, dass es im amerikanischen College-Basketball eine gewisse Bezahlung der Spieler geben sollte. Bislang ist es festgeschrieben, dass das nicht erlaubt ist. Aber das finde ich nicht richtig. College-Basketball ist eine sehr anspruchsvolle und zeitraubende Aktivität. Aber es ist nicht die einzige Aufgabe, die man als Student am College hat. Pro Tag muss man drei oder vier Kurse belegen, ehe man am Nachmittag oder abends zum Training erscheinen muss. Daher bleibt keine Zeit für einen Nebenjob, um ein bisschen Geld zu verdienen. Ich fordere auch keine Unsummen. Aber für die ganze Zeit und das Engagement, das man in den College-Basketball steckt, wäre es schön, ein kleines Taschengeld zu erhalten.

Ihren Abschluss am College haben Sie in den Fächern Management und Marketing abgelegt. Könnten Sie sich vorstellen, im Anschluss an Ihre aktive Karriere in diesen Bereichen zu arbeiten?

Ich weiß nicht, ob meine Abschlussfächer jemals zum Einsatz kommen werden. Nach meiner Karriere würde ich nämlich gerne als Basketball-Trainer arbeiten. Eine andere gute Alternative wäre es, meinen Vater in seinem Job zu unterstützen. Er ist im Bereich von Häuserrenovierungen aktiv. Ich bin selbst gespannt, wo es mich nach meiner Karriere hinführt.

Doch zuvor haben Sie ja noch ein paar Jahre als Basketballer vor sich. Ihr Vertrag in Tübingen läuft zum Ende dieser Saison aus. Werden Sie den Walter Tigers treu bleiben?

Ich würde unheimlich gerne in Tübingen bleiben. Allerdings hatte ich noch keine Zeit, mir intensiv über die nächste Saison Gedanken zu machen. Denn derzeit sind wir alle so sehr darauf fokussiert, unser großes Ziel, den Playoff-Einzug, klarzumachen.


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