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Sep

BIG-Appetizer: Interview mit Julius Jenkins

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Julius Jenkins aus der BIG #22.

In seinem letzten Jahr bei Alba Berlin musste er sich anhören, kein Mann für die wichtigen Würfe zu sein. In Bamberg saß er oft auf der Bank. Die EWE Baskets hat Julius Jenkins nun zur Vize-Meisterschaft geführt. Zu beweisen, sagt der Rasta-Mann im exklusiven Gespräch mit BIG, habe er aber schon lange nichts mehr: „Ich weiß, was ich kann!“

Herr Jenkins, jetzt, wo wir miteinander sprechen, sind seit dem dritten Spiel der Finalserie gegen die Brose Baskets noch nicht einmal 24 Stunden vergangen. Konnten Sie nach der dritten knappen Niederlage in Folge gut schlafen?

Wir sind nach dem Spiel mit dem Bus direkt zurück nach Oldenburg gefahren, da war an Schlaf natürlich erst einmal nicht zu denken. Es ist schon tough, dreimal hintereinander so knapp gegen Bamberg zu verlieren. Als wir am frühen Morgen in Oldenburg ankamen, war jeder von uns so kaputt, dass er direkt ins Bett gefallen ist.

Alle drei Spiele zusammengezählt, haben die EWE Baskets lediglich mit einer Differenz von sieben Punkten den durchaus möglichen Meistertitel verpasst. Das muss doch unheimlich frustrierend sein.

Natürlich ist das hart. Wir waren ganz nahe dran, den Titel zu holen. Am Ende waren es nur Kleinigkeiten, die den Unterschied gemacht haben: ein Rebound hier, ein Ballverlust dort. Wir hatten in der Serie in zwei Spielen jeweils den letzten Wurf, um das Spiel für uns zu entscheiden, das hat nicht geklappt. Ich persönlich bin aber kein Typ, der Dingen lange hinterhertrauert, sondern versuche, schnell darüber hinwegzukommen und nach vorne zu schauen.

In Spiel zwei hat Oldenburg nach 15 Minuten mit 19 Punkten geführt, das Spiel am Ende aber doch noch verloren. War das der Schlüsselmoment der Serie?

So weit würde ich nicht gehen. In einer Best-of-five-Serie gibt es so viele Momente, in denen ein Spiel kippen kann. Es war eine vermeidbare Niederlage, das ist klar. Aber wir haben in der zweiten Halbzeit keine Defense mehr gespielt, und ohne Verteidigung kannst du im Finale nicht gewinnen. Uns ist es nicht gelungen, die Bamberger Offensive zu stoppen. Sie haben den Ball gut bewegt und vergleichsweise einfache Punkte gemacht.

Im vergangenen Jahr standen Sie noch auf der anderen Seite, gewannen mit Bamberg den Titel. Dann sind Sie, unzufrieden mit Ihren Einsatzzeiten und Ihrer Rolle bei den Brose Baskets, nach Oldenburg gewechselt. Hatten Sie in dieser Finalserie das Gefühl, jemandem etwas beweisen zu müssen?

Ich konnte mit meiner Situation in Bamberg nicht zufrieden sein. Ich habe weniger gespielt als erwartet, das war nicht die Rolle, die ich mir vorgestellt habe. Oldenburg und Coach Sebastian Machowski haben mir die Möglichkeit gegeben, zu zeigen, was ich kann. Was Bamberg betrifft: Nein, ich hatte nichts zu beweisen. Ich weiß, was ich kann, und habe ein großes Selbstvertrauen.

Ein Journalist umschrieb ihren Wechsel von Bamberg nach Oldenburg einmal mit den Worten, dass „Julius Jenkins nun wieder seine Freiheit“ habe. Würden Sie das so unterschreiben?

Ich sage es einmal so: Die EWE Baskets haben mir die Chance gegeben, wieder ich selbst zu sein. Ich war immer ein Scorer und werde immer ein Scorer sein. Abgesehen davon denke ich, dass ich in einer Mannschaft in vielerlei Hinsicht dabei helfen kann, zu gewinnen.

Einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass Sie in dieser Saison so aufgeblüht sind, hat dem Vernehmen nach Headcoach Sebastian Machowski.

Er ist genauso erfolgsbesessen und wettkampforientiert wie wir Spieler. Man merkt, dass er früher selbst auf ganz hohem Niveau gespielt hat. 2003 gab es sogar eine kurze Phase, wo wir beim Mitteldeutschen BC gemeinsam in einem Team standen, wir kennen uns also schon länger persönlich. Jemanden als Trainer zu haben, der versteht, wie Spieler ticken, ist unglaublich hilfreich.

Was macht er anders als Ihre Trainer in Berlin und Bamberg, Luka Pavicevic und Chris Fleming?

Ich möchte die drei eigentlich nicht vergleichen, jeder hat verschiedene Stärken und Schwächen, jeder ist ein ganz eigener Charakter. Ich habe meine Zeit in Berlin und Bamberg abgehakt und möchte da auch nicht mehr drüber sprechen.

Dann reden wir über die abgelaufene Saison mit Oldenburg. Warum war sie so erfolgreich?

Wir hatten zwar nicht so einen tiefen Kader wie etwa Berlin oder Bamberg, aber, so simpel es klingt, die Teamchemie hat einfach gepasst. Und jedes Topteam weiß, dass es nur gewinnen kann, wenn man zusammenspielt und den Ball teilt; das haben wir getan.

In Oldenburg kamen Sie oft als sechster Mann von der Bank. Kein Problem für Sie?

Überhaupt nicht. Ich fühle mich sehr wohl in dieser Rolle. Coach Machowski hat mit mir darüber gesprochen, und ich habe ihm direkt gesagt, dass er mit mir deswegen kein Problem haben wird. Ich wollte bereit sein, wann immer er mich einwechseln wollte, und ich glaube, das ist mir gelungen.

Vor allem in den Playoffs, wo Sie Ihren Punkteschnitt im Vergleich zur regulären Saison von 11,6 auf 17,9 Punkte pro Spiel schrauben konnten, in der Serie gegen Ulm waren es sogar 23 Punkte im Schnitt. Hatten Sie das Gefühl, in den Playoffs mehr Verantwortung übernehmen zu müssen?

Ich denke, es ist ganz normal, dass die erfahreneren Spieler in den Playoffs vorangehen müssen. Hinzu kam, dass Rickey (Paulding, Anm. d. Red.) angeschlagen war und uns gerade in der Finalserie sehr gefehlt hat. Gegen Bamberg hat er insgesamt nur 14 Minuten spielen können; ich glaube, wenn Rickey fit gewesen wäre, hätte er den Unterschied zu unseren Gunsten ausmachen können.

Als ich vor einigen Wochen in Oldenburg mit Rickey Paulding gesprochen habe, erwähnte er, dass Sie beide sich gut verstehen

Das stimmt, wir sind im gleichen Alter. (lacht) Wir spielen beide schon lange in der Liga, sind Familienväter, da hat man viele gemeinsame Themen. Ich bin sehr stolz, mit Rickey zusammenspielen zu dürfen. Die EWE Baskets sind Rickeys Team, er hat so viel für die Mannschaft und die Organisation getan. Und ich bin glücklich, ein Teil davon zu sein.

Zurück zum Thema Playoffs. Obwohl Sie während Ihrer Zeit bei Alba Berlin Meister wurden und zahlreiche individuelle Auszeichnungen einheimsten, haftete Ihnen speziell im letzten Jahr der Ruf an, kein Crunchtime-Player zu sein. Sind solche Spiele wie das fünfte gegen Ulm, in dem Sie 27 Punkte machten, darunter die entscheidenden zum 80:75-Sieg, eine späte Antwort auf solche Vorwürfe?

Ach wissen Sie, über solche Aussagen kann ich nur lachen. Schauen Sie sich Zusammenschnitte von meinen Spielen auf Youtube an, und dann entscheiden Sie selbst, ob ich ein Crunchtime-Player bin oder nicht. In meiner gesamten Karriere wollte ich immer den Ball haben, wenn das Spiel auf des Messers Schneide stand. Coach Machowski hat mir in den Playoffs vertraut und mir den Ball gegeben. Ich glaube, ich habe das Vertrauen gerechtfertigt. Ich kenne die Meinung einiger während meiner Zeit bei Alba, aber sie ärgert mich nicht, sie motiviert mich höchstens.

Sie spielen seit 2006 in der BBL. Wie hat sich die Liga seitdem verändert?

Es spielen wesentlich mehr Deutsche, das ist wahrscheinlich der gravierendste Unterschied. Außerdem ist die Qualität der ausländischen Spieler viel besser geworden, dadurch ist auch der Wettbewerb größer geworden.

Und was unterscheidet den Julius Jenkins aus dem Jahr 2006 von dem im Jahr 2013?

Ich glaube, dass ich heute viel konstanter in meinen Leistungen bin als früher. Das ist jedenfalls der Aspekt meines Spiels, an dem ich am meisten gearbeitet habe. Es ist vielleicht nicht das Offensichtlichste, aber in jedem Spiel seine Leistung zu bringen, ist meiner Ansicht nach das Schwierigste auf dem Weg, ein besserer Spieler zu werden. Dafür muss man jeden Tag professionell sein, und so ist man auch ein Vorbild für die jüngeren Spieler im Team, die sich an uns Älteren orientieren.

Vor zehn Jahren kamen Sie nach Deutschland, spielten damals für den Zweitligisten Nürnberg. Ist Deutschland inzwischen ihre zweite Heimat, und: Wie steht es um Ihre Deutsch-Kenntnisse?

Die sind leider nicht so gut wie sie sein sollten. (lacht) Ich habe damals in Berlin mal Deutsch-Unterricht genommen, damit aber aus Zeitgründen irgendwann wieder aufgehört. Immerhin kann ich mein Essen auf Deutsch bestellen, das ist doch schon was … Ich bin jetzt so lange in Deutschland, also muss ich mich wohl ganz wohlfühlen. (lächelt)

Nun ist Offseason. Geht es zum Urlaub in Ihre Heimatstadt Fort Lauderdale?

Ich lebe mit meiner Familie inzwischen in Atlanta, da wird es erst mal hingehen. Ich werde versuchen, mich zu erholen und Zeit mit meiner Familie, vor allem mit meinen beiden Töchtern zu verbringen.

Ihr Vertrag in Oldenburg beinhaltet die Option auf die kommende Saison. Geschäftsführer Hermann Schüller hat bereits gesagt, er würde Sie gerne auch im nächsten Jahr im Trikot der EWE Baskets sehen. Wie stehen die Chancen, dass Sie nach dem Sommer nach Oldenburg zurückkehren?

Ich habe mir vorgenommen, jetzt nicht direkt schon an die nächste Saison zu denken, sondern mich wirklich einmal zu entspannen. Aber: Ich würde sehr gern noch einmal mit den Jungs zusammenspielen. Ein weiteres Jahr bei den EWE Baskets wäre nicht die schlechteste Option für
mich.



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