19
Aug

BIG-Appetizer: Interview mit Daniel Theis

dath

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Daniel Theis aus der BIG #33.

Dunking-König DANIEL THEIS spricht inBIG nach dem Wechsel von Ulm nach Bamberg

Die halbe Liga hatte an Ihnen Interesse. Was hat den Ausschlag für Bamberg gegeben?

In erster Linie sportliche Gründe. Ich will Titel gewinnen. Das kann ich in Bamberg. Ich hatte außerdem ein Gespräch mit dem neuen Trainer Andrea Trinchieri. Das war extrem positiv. Er hat mir sein Konzept erklärt. Für mich hörte sich das alles sehr schlüssig an. Er hat mir erklärt, wen er in mir sieht, und diesen Spieler habe auch ich in mir gesehen. Er hat mir gesagt: Ich werde dich noch besser machen. Das habe ich ihm geglaubt. Es hat sich nach dem Gespräch einfach super angefühlt.

Es soll bei den Verhandlungen aber auch ein ordentlicher Vertrag herausgesprungen sein, wenn man Ihrem Ex-Geschäftsführer
Thomas Stoll glauben darf.

Ich denke, ich kann zufrieden sein. Ich würde an dieser Stelle auch gern noch mal meinen Dank an Ulm schicken für die letzten zwei Jahre. Zum Abschluss hatte ich ein persönliches Gespräch mit Dr. Thomas Stoll und Coach Leibenath, das war mir sehr wichtig. Jetzt beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Aber das Geld hat nicht die entscheidende Rolle gespielt, das wissen alle, die mich kennen. Und es gab ja auch andere Interessenten.

Zum Beispiel Alba Berlin. Keine Lust auf die Hauptstadt gehabt?

Das ist keine faire Frage. Es ist nun mal so, dass ich mich für einen Klub entscheiden musste. Ich habe mich in Ulm wohlgefühlt, Bamberg ist auch keine riesige Stadt. Das brauche ich nicht, damit es mir gut geht.

Sie haben eine NBA-Ausstiegsklausel im Vertrag.

Zunächst einmal freue ich mich auf die neue Aufgabe in Bamberg. Es ist ein gutes Gefühl, für einen Top-Klub spielen zu dürfen. Die NBA ist Wunschdenken, ein Traum. Ich denke, fast jeder Basketballer, der die Chance hat, in dieser Liga zu spielen, würde sie ergreifen.

Wie sehen Sie Ihre Chancen?

Ich werde die Summer League konzentriert angehen, aber ich habe keinen Druck. Ich kann frei aufspielen und es genießen. Natürlich will ich den NBA-Klubs zeigen, dass ich auf diesem Niveau spielen kann. Ich muss mein aktuelles Potenzial bis zum letzten Tropfen ausschöpfen, wenn ich eine Chance haben will. Ich werde kämpfen, aber ich darf die Lockerheit nicht verlieren.

Ist das der letzte Versuch?

Nein. Warum auch? Es sind genug Europäer erst mit 27, 28 in die NBA gewechselt. Wenn ich feststellen sollte, dass ich noch nicht so weit bin, werde ich noch härter an mir arbeiten. Ich will mich in allen Bereichen verbessern.

Wo sehen Sie da Ansätze?

Na, überall. Beim Dreier, beim Freiwurf, insgesamt bei den Quoten. Ich kann taktisch dazulernen. Mein Spiel in der Offense muss insgesamt stabiler werden. Thorsten Leibenath in Ulm hat mich weitergebracht. Jetzt habe ich Bundestrainer Emir Mutapcic. Und meinen neuen Trainer in Bamberg. Der wird mich richtig weiterbringen. Er wird mir auch mal in den Hintern treten.

Brauchen Sie das?

(lacht) Nein, nicht immer. Aber um besser zu werden, nehme ich alles an.

Manche Experten haben Ihnen vorgeworfen, dass Ihre Leistungen nach wie vor zu inkonstant wären. Mal 20 Punkte, zehn Rebounds – und dann wieder deutlich weniger.

In den vier Playoff-Spielen in dieser Saison habe ich eigentlich immer ganz gute Werte gehabt. Aber generell nehme ich diese Kritik schon an. Klar, im Schnitt auf 20 und 10 zu kommen, das ist schwierig. Aber es muss mein Ziel sein, nach einem 20-10-Spiel nicht beim nächsten auf 5-4 zu fallen. Das ist zu wenig. Mir auch. Aber ich denke, ich bin auf dem richtigen Weg. Ich kam schwer in die letzte Saison rein, weil ich verletzt war. In der Rückrunde, als ich richtig fit war, lief es dann deutlich besser.

Beginnt Inkonstanz im Kopf?

Gute Frage. Es gibt einen guten Satz: Where the mind goes, the body follows. Daran glaube ich auch. Es gibt da aber natürlich viele Faktoren: Ist man körperlich fit? Stimmt das Selbstvertrauen? Wie ist das Standing im Team?

Ist es Ihnen wichtig, den Ball auch noch zu bekommen, wenn Sie drei, vier Würfe am Stück danebengesetzt haben?

Das ist ein Vertrauensbeweis, den muss ich mir erarbeiten, in jedem Training, in jedem Spiel. Ich muss, wenn ich die Würfe bekomme, irgendwann eben auch treffen.

Hat das Vertrauen in Ulm gestimmt?

Absolut. Ulm hat gut funktioniert. Es gab keinen herausragenden Scorer, wir waren sehr tief besetzt. So soll es sein. Jeder konnte in der Offensive übernehmen. Per Günther war der Anführer. Aber das Vertrauen, in entscheidenden Situationen den Ball zu bekommen, muss ich mir weiterhin erarbeiten. Klar wäre es schön, wenn ein Trainer sagen würde: Der letzte Wurf gehört Daniel. Mir ist aber noch etwas anderes viel wichtiger.

Was denn?

Defense. Ich habe in Ulm extremen Spaß an der Verteidigung gefunden. Thorsten Leibenath hat mich an dieser Stelle geprägt. Ich weiß, dass ich die Gegner runterziehen kann, wenn ich sie verteidige. Ich habe mir da vorgenommen, Stück für Stück weiterzukommen. Es macht mir inzwischen Spaß, zu sagen: Er ist deren Topscorer – ich nehme den. Das hat Leibenath auch von mir gefordert: Dein Gegenspieler kommt nicht an den Ball! Ich habe dann versucht, zu nerven, zu fronten.

Früher galt die Defense als Ihre Schwäche.

Sagen wir mal: Ich habe da weitere Reserven.

Lässt Ihr Körper das zu? Sie sind immer bis zur Decke gesprungen, aber für die gegnerischen Center sind Sie zu leicht. Die BBL-Webseite führt Sie mit 104 Kilogramm.

Ich bin jetzt bei 108. Ich möchte auf 110 kommen. Ich denke, das ist bei 2,04 Metern eine ordentliche Zahl. Masse allein nützt mir nichts, ich muss meine Beweglichkeit erhalten. Mit 110 Kilo kann ich dagegenhalten.

Für die Fünf sind Sie eigentlich zu klein.

Meine Hauptoption ist die Vier. In der Bundesliga ist es oft so, dass die Teams am Ende eines Spiels kleiner werden. Ich kann dann auch mal einen Fünfer verteidigen, warum nicht? Ich muss keine Angst haben und habe auch schon Center verteidigt.

In Bamberg treffen Sie jetzt auf Elias Harris. Auch ein Nationalspieler, auch ein Power Forward, auch athletisch, ähnlich groß. Gut oder schlecht?

Etwas Besseres kann mir doch gar nicht passieren. Vor allem im Training. Wir werden uns fordern, wir können auch zusammen auf dem Feld stehen. Oder uns eine Position teilen.

Haben Sie schon mit ihm gesprochen?

Nein. Ehrlich gesagt, wir kennen uns persönlich noch gar nicht. Das kommt.

Auf dem Power-Forward-Spot sind 40 Minuten zu verteilen. Wie viele Minuten wollen Sie haben?

Wie heißt es so schön: Das entscheidet der Coach. Jeder will spielen. Auch ich! Ich würde mich über 30 Minuten freuen. Aber ist das realistisch? Ich will in der Defense Vollgas geben, da können 20 bis 25 auch völlig okay sein. Ich werde in Bamberg um jede Minute kämpfen.

Auch Harris spielt Summer League, hörten wir. Wer schafft es zuerst in die NBA?

Das ist ja kein Wettbewerb. Je mehr Deutsche es in die NBA schaffen, desto besser wäre es für den deutschen Basketball. Wäre es nicht super, wenn am Ende fünf, sechs oder acht deutsche Spieler in der NBA spielen? Das würde das Spiel bei uns voranbringen. Klar, Dirk ist die Ausnahme, das ist ein anderes Niveau, aber ich spreche von Spielern, die dahinter solide mitspielen können.

Ihr Kumpel Dennis Schröder, mit dem Sie in Braunschweig in der ProB einen Alley-Oop nach dem anderen aufgelegt haben, würde sich freuen.

Es wäre natürlich der Hammer, wenn wir irgendwann beide in der NBA spielen würden, wenn auch ich dazugehören würde.

Müssen sich die Fans eigentlich darauf einstellen, dass Daniel Theis in Bamberg seinen Stil umstellt? Effektiver – und weniger spektakulär?

Gegen effektiver habe ich nichts einzuwenden. Aber ich werde immer versuchen, spektakulär zu spielen. Ich denke eher, dass ich auch noch spektakulärer spiele, wenn ich besser werde. Ich werde meinen Stil nicht ändern, das wäre ja nicht mehr ich. Das will der Trainer auch gar nicht. Er will, dass ich mich verbessere – und das will auch ich.

 


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