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Jul

BIG-Appetizer: Interview mit Sebastian Machowski

sema

Auf unserer Website prasentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Sebastian Machowski aus der BIG #32.

SEBASTIAN MACHOWSKI spricht im gro?en BIG-Interview u?ber den fehlenden Glamour-Faktor Oldenburgs im Vergleich zu Berlin oder Mu?nchen, kritisiert die Transferpolitik der Bayern – und spekuliert auf eine erneute Zusammenarbeit mit Dennis Schroder

Sebastian Machowski, Glu?ckwunsch zur vorzeitigen Vertragsverlangerung. Ihr urspru?nglicher Kontrakt lief bis Sommer 2014, hat sich durch das Erreichen der Playoffs aber automatisch um ein Jahr verlangert. Warum die vorzeitige Verlangerung zum jetzigen Zeitpunkt?

Wenn beide Seiten zutiefst zufrieden mit der Zusammenarbeit und dem sportlich Erreichten sind, dann macht es Sinn, fru?hzeitig zu verlangern. Ich denke, dass wir hier in meiner ersten Saison in Oldenburg auf Anhieb sehr erfolgreich waren, auch wenn wir es in der Finalserie gegen Bamberg knapp verpasst haben, das i-Tu?pfelchen auf unsere tolle Saison zu setzen. Auch in der Euro-Challenge haben uns im Grunde nur ein paar Punkte gefehlt, um hier den Titel zu holen. Ich denke, das sind Belege dafu?r, dass das Trainerteam und die Mannschaft gut gearbeitet haben.

… und was von der Vereinsfu?hrung mit einem neuen Vertrag bis 2016 sowie einer Option bis zum Jahr 2017 honoriert wurde. Ich gehe davon aus, dass sich beide Seiten schnell einig geworden sind?

Jedenfalls so schnell, dass ich mich gar nicht mehr an die genauen Umstande erinnern kann. Wir arbeiten vertrauensvoll zusammen, und wenn man auf einer Wellenlange funkt, was Perspektive und sportliche Ausrichtung angeht, dann wird man sich schnell einig.

Vorausgesetzt, Sie erfu?llen Ihren Vertrag bis 2017, waren Sie fu?nf Jahre lang Trainer in Oldenburg und wu?rden damit die Tradition, dass bei den EWE Baskets die Headcoaches relativ langfristig arbeiten konnen, fortsetzen. Haben Sie vor Ihrem Wechsel von Braunschweig nach Oldenburg auch u?ber diesen Aspekt nachgedacht?

Nein, das war mir seinerzeit nicht so bewusst, wobei es mich natu?rlich freuen wu?rde, wenn wir unseren Weg lange gemeinsam beschreiten. Fu?r meinen Wechsel waren andere Gru?nde ausschlaggebend. Ich hatte in Braunschweig nicht das Gefu?hl, dass es einen Plan gab, wo der Klub in drei Jahren stehen soll. Hinzu kam, dass die Phantoms keine Ambitionen hatten, international zu spielen. Genau das war ein ganz entscheidendes Kriterium fu?r meinen Wechsel zu den EWE Baskets. Au?erdem gibt es hier ein klaren Konzept, eine Vision, was man erreichen mochte; das hat mir in Braunschweig gefehlt.

Geschaftsfu?hrer Hermann Schu?ller sagt, dass sich Oldenburg unter den Top 4 der Liga etablieren will. Gemeint sind Mu?nchen, Berlin und Bamberg. Was trennt die EWE Baskets noch von diesen Klubs …

… au?er den zig Millionen im Etat (lacht) …

Wenn Sie so wollen

Ich kenne nur wenige Vereine in der Liga, die ahnliche Voraussetzungen bieten konnen wie die EWE Baskets. Die neue Arena, das Trainingszentrum, in dem JBBL, NBBL, ProB und Profis unter einem Dach trainieren, der Kraftraum, die Bu?ror.ume – ich denke, das ist schon nah am Optimum. Als Standort kann man Oldenbur nicht mit den Millionenstadten Berlin und Mu?nchen vergleichen, auch nicht die Medienlandschaft. Aber Bamberg hat es als vergleichsweise kleiner Standort auch geschafft, sich u?ber den langfristigen sportlichen Erfolg als Top-Klub zu positionieren. Ob wir den gleichen Weg einschlagen konnen, wird die Zeit zeigen, aber es ist auf jeden Fall das Ziel.SEBASTIAN MACHOWSKI spricht im

Sie sprechen das Medieninteresse an, wobei Ihre Konkurrenten diese Klaviatur auch zu spielen wissen. Zwischen Mu?nchen und Berlin fliegen die Giftpfeile hin und her, Bambergs Manager Wolfgang Heyder wei? seinen Klub zu gegebener Zeit mit markigen Zitaten auch ins Gesprach zu bringen. Sind die Oldenburger in dieser Hinsicht zu brav?

Das kann sein, aber im Grunde ist es nicht meine Baustelle und auch nicht meine Art, mich negativ u?ber Konkurrenten zu au?ern. Wenn die neue Frisur eines Bayern-Spielers fu?r die Medien interessanter ist als u?ber einen Typ wie Ricky Paulding zu berichten, der seit sieben Jahren in dieser Liga erfolgreich ist, dann ist das halt so. Wir sind die komplette vergangene Saison praktisch unter dem Radar geflogen, sodass einige erst mal gucken mussten, gegen wen Bamberg da u?berhaupt im Finale spielt. In dieser Saison haben wir dieselbe Bilanz an Siegen und Niederlagen wie in der Spielzeit zuvor, und das trotz der Tatsache, dass wir fast in der gesamten regularen Saison auf unseren Starting Center Adam Chubb verzichten mussten und auch ansonsten ein Verletzungspech hatten, das auf keine Kuhhaut ging. Letztes Jahr haben wir je zweimal Berlin und Mu?nchen geschlagen, diese Saison jeweils einmal, dazu Bamberg – das alles beweist, dass wir da oben mindestens wettbewerbsfahig sind. Fu?r die Sponsorenakquise ware es wahrscheinlich hilfreich, wenn wir auch mal auf den Putz hauen wu?rden, aber ich hoffe einfach, dass unsere sportlichen Erfolge irgendwann entsprechend gewu?rdigt werden.

Ein paar offentlichkeitswirksame Statements wu?rden vielleicht schon helfen …

Oldenburg hat nun einmal nicht den Promi-Faktor wie etwa Berlin oder Mu?nchen. Wir haben keine Fu?ball-Truppe in der 1. Liga, die wir mal eben verpflichten konnten, sich bei unseren Spielen in die erste Reihe zu setzen … Verpflichten? Ja sicher, oder glauben Sie, die Fu?ballprofis vom FC Bayern Mu?nchen machen das alle freiwillig? Ich nicht. Ich will mich aber auch gar nicht beschweren oder Krokodilstranen vergie?en, wir sind hier nicht das kleine gallische Dorf, das sich gegen alle anderen zur Wehr setzen muss.

Baskets-Gesch.ftsfu?hrer Hermann Schu?ller hatte sich einmal aus der Deckung gewagt, als der Wechsel von Paul Zipser zum FC Bayern Mu?nchen publik wurde und dies kritisch kommentiert.

Das ist ja auch sein gutes Recht. Auch wir hatten natu?rlich gern ein gro?es Talent wie Paul Zipser verpflichtet, aber jeder muss wissen, was er tut: Dem Ruf des Geldes folgen und sich ans Ende der Bank setzen oder spielen wollen. Diese Personalie ist ja nur exemplarisch fu?r das, was in ju?ngster Zeit verstarkt zu beobachten ist. Ein Klub kauft alles auf, kann aber nicht jeder Neuverpflichtung Spielzeit bieten und leiht die Spieler dann wieder an andere aus. Hier muss die Liga meiner Meinung nach ganz genau darauf achten, in welche Richtung sie steuert.

Sie kritisieren offen die Personalpolitik des FC Bayern Mu?nchen …

Es ist nun einmal eine Tatsache, dass auf einmal sehr viel mehr Geld im Spiel ist und Preise, speziell fu?r deutsche Spieler, bezahlt werden, die nicht mehr realistisch sind. Das kann den Markt ganz schnell kaputt machen. Hier ist die Liga gefordert.

Die EWE Baskets hatten nicht nur intensiv um Zipser, sondern auch um Elias Harris gebuhlt, der aber Bamberg den Vorzug gegeben hat.

Zipser, Harris, aktuell Maxi Kleber oder Niels Giffey: Das waren oder sind nun einmal die interessantesten deutschen Free Agents auf dem Markt, und die sind natu?rlich auch fu?r uns als amtierender Vizemeister interessant. Im Fall von Giffey, der als einer der wenigen jungen deutschen Spieler bereits auf hochstem Niveau seine Leistung gebracht hat, habe ich ja auch schon offentlich gesagt, dass wir ihn gerne verpflichten wu?rden. In Sachen Etat sind wir nicht auf demselben Level wie Mu?nchen, Bamberg oder Berlin, aber es gibt ja auch noch andere Faktoren: die Spielzeit, die Rolle im Team, die Atmosphare in der Mannschaft und im Verein, tolle Fans, sodass es Spa? macht, hier zu spielen … Ich denke, in dieser Hinsicht haben wir eine Menge zu bieten.

Trotzdem liest man den Namen EWE Baskets Oldenburg nie, wenn es um die moglichen neuen Arbeitsplatze eines Giffey oder eines Daniel Mayr vom ProA-Ligisten Science City Jena geht.

Vielleicht liegt es ja auch an mir? Vielleicht mu?sste ich viel offensiver an die Sache rangehen, mich hinstellen und sagen: Hey, Liviu Calin hat Dennis Schroder entdeckt, aber auch ich habe ihn mit zu dem gemacht, der er heute ist: ein NBA-Spieler. Stattdessen herrscht heute die Meinung vor, Dennis hatte damals in Braunschweig nicht gespielt. Doch, er hat gespielt, und zwar hinsichtlich seines damaligen Entwicklungsstadiums und seines Alters angemessen.

Kommen wir zur privaten Seite von Sebastian Machowski, die in der Offentlichkeit wenig bekannt ist. Sie sind in Berlin geboren – wu?rden Sie sich als Gro?stadtkind bezeichnen?

Sicher, ich bin in einer Millionen-Metropole aufgewachsen und Berlin ist immer noch meine Heimatstadt. Ich habe aber genauso schon zwei Jahre in Wei?enfels gelebt oder in Gravelines mit 12.000 Einwohnern, wo Europas gro?tes Atomkraftwerk die Attraktion schlechthin ist. Der Basketball hat mich aber auch schon in so tolle Gro?stadte wie Athen oder Rom gefu?hrt, da lebt es sich natu?rlich schoner als auf dem Dorf. Ich wei? also nicht, ob Quakenbru?ck jemals mein Lebensmittelpunkt werden wu?rde. (lacht) In Oldenburg fu?hle ich mich mit meiner Familie zu Hause.

Seit 2009 leben Sie aber in Niedersachsen, zuerst in Braunschweig, jetzt in Oldenburg. Sie wirken in Ihrem Job immer sehr kontrolliert – passen Sie also gut zu dem Menschenschlag dort, dem man eher ein etwas unterku?hltes Naturell nachsagt?

Ich bin sicher ein Kopfmensch. Beim Coachen glaube ich, dass es nichts bringt, standig an der Seitenlinie einen Veitstanz aufzufu?hren, das nutzt sich ganz schnell ab. Aber bei mir fliegt auch mal die Taktiktafel, was aber nicht immer in der Offentlichkeit stattfinden muss. Was die Niedersachsen an sich betrifft, kann ich bei ihnen kein unterku?hltes Naturell feststellen – erst recht nicht bei unseren Spielen in der EWE Arena. Ich habe sie als sympathisch und offen kennen gelernt, egal ob im Umfeld des Vereins oder morgens beim Backer.

Wie entspannt denn der Trainer Machowski?

Wie Sie sehen, ist mein kleiner Sohn Jonathan (16 Monate alt, Anm. d. Red.) gerade wach geworden. Windeln wechseln ist also schon einmal eine schone Abwechslung zum Job. Au?erdem habe ich zwei Sohne aus erster Ehe, die beide in Berlin leben. Ich sehe sie leider viel zu selten. Von Braunschweig aus war ich noch in anderthalb Stunden in Berlin, von Oldenburg dauert es schon einmal zwei Stunden langer. Neben meiner Familie entspannt mich das Golfen; ein Luxus, den ich mir im Sommer gerne einmal erlaube.

Handicap?

22.

Nicht schlecht. Gibt es ansonsten Hobbys? Backen vielleicht?

Ich kann kochen. Um zu entspannen, wu?rde ich aber immer das Golfen vorziehen. (lachelt)

Sie sind seit Ende 2012 wieder verheiratet. Wie geht Ihre Frau damit um, dass ein Trainer im Profigeschaft keine Job-Garantie hat?

Einer der positiven Nebeneffekte aus meiner Braunschweiger Zeit war, dass ich dort meine heutige Frau kennen gelernt habe. Sie wusste also, worauf sie sich einlasst. Natu?rlich fanden wir es schon, wenn wir langfristig in Oldenburg bleiben konnten und so eine gewisse Sicherheit hatten. Ich habe mir aber abgewohnt daru?ber zu spekulieren. Zu Beginn meiner Arbeit bei den Phantoms habe ich gesagt, ich konnte mir vorstellen, der Thomas Schaaf von Braunschweig zu werden. Dieses Zitat wurde mir dann nach Bekanntwerden meines Wechsels nach Oldenburg um die Ohren gehauen.

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?

Gerne in Oldenburg!? Keine Ahnung – als Co-Trainer bei den Utah Jazz? Vielleicht ist Dennis (Schroder, Anm. d. Red.) dann dorthin gewechselt und ich kann wieder mit ihm arbeiten, das hatte doch seinen Reiz. (lacht)


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