09
Mai

BIG-Appetizer: Interview mit Maxi Kleber

maxikleber

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Maxi Kleber aus der BIG #30.

MAXIMILIAN KLEBER steht nach einer fast vierjährigen Leidenszeit endlich auf dem Parkett. Im großen BIG-Interview spricht der gebürtige Würzburger über nervige Vergleiche mit Dirk Nowitzki, den Abstiegskampf mit den s.Oliver Baskets und das Interesse des FC Bayern München.

Herr Kleber, Ihre persönliche Video-Vorstellung vor dem Beko BBL Allstar Day Mitte Januar überschrieb die Liga mit der Headline „Vom Lazarett zum Allstar“. Traf das auch Ihre Gefühlslage?

Das wusste ich noch gar nicht, aber dieser Spruch fasst meine Situation ganz gut zusammen, wie ich finde. Ich hätte jedenfalls nicht damit gerechnet, in meiner im Grunde ersten richtigen Saison in der Beko BBL gleich für das Allstar Game nominiert zu werden – das war eine Riesenehre für mich. Für mich war auch spätestens das der Schlusspunkt hinter die vier Jahre, in denen ich fast durchweg mit Verletzungspech zu kämpfen hatte.

In diesen vier Jahren haben Sie nur rund 50 Partien in der 1. Liga absolvieren können. Überlegen Sie manchmal, wo Sie heute in Ihrer Entwicklung stehen könnten, wenn Sie wenigstens einigermaßen verletzungsfrei geblieben wären?

Ab und an habe ich mich sicherlich bei dem Gedanken ertappt: Was wäre, wenn … Aber es nützt ja nichts. Verletzungen passieren und ich musste einen Weg finden, damit umzugehen. Letztendlich konnte ich diesen Schicksalsschlägen auch etwas Positives abgewinnen: Ich hatte genug Zeit, um im Kraftraum Masse aufzubauen – die hat mir für das Spiel auf meiner Position nämlich anfangs noch gefehlt.

Wie viele Kilos konnten Sie in dieser Zeit draufpacken?

Bei meiner schweren Knieverletzung vor vier Jahren war ich 18 Jahre alt und wog 87 Kilo, jetzt sind es 102. Damals konnte ich auf meiner Position gegen kräftigere Gegenspieler überhaupt noch nicht dagegenhalten, das hat sich inzwischen schon wesentlich gebessert.

Die schwere Knieverletzung, nach der Sie ein Jahr pausieren mussten, ein gebrochener Finger, Bänderrisse, im September dann der Fußbruch: Wie haben Sie als junger Sportler diese vielen Rückschläge verkraftet? Wer hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?

Im Rückblick bin ich fast froh, dass mir beispielsweise die Knieverletzung mit 18 passiert ist. In jungen Jahren denkt man nicht so viel darüber nach, wie die Geschichte ausgehen könnte – man will einfach nur so schnell wie möglich wieder fit werden und spielen. Und ich hatte Glück, dass ich mich in meinem gewohnten Umfeld auskurieren konnte. Würzburg ist meine Heimat, hier leben meine Familie, meine Freunde, meine Freundin. Wenn ich reden wollte, hatte ich immer jemanden, der mir zugehört hat. Und mein Verein hat sich super um mich gekümmert und immer darauf geachtet, dass die Reha gut verläuft.

Gab es dennoch eine Phase, in der Sie daran gedacht haben, die Basketballschuhe an den Nagel zu hängen?

Ja, wenn auch nur kurz. (lacht) Phasenweise war es schon schwer, beim Training und bei den Spielen nur zuschauen zu können. Deswegen habe ich das eine ganze Zeit lang auch nicht mehr gemacht, es war zu frustrierend. Im Grunde bin ich aber ein Typ, der positiv denkt, deswegen wusste ich, dass sich meine ganze harte Arbeit irgendwann auszahlt. Aber ich nicht will nicht verhehlen, dass es für mich keine einfachen Jahre waren.

Jetzt stehen Sie wieder auf dem Feld, aber: Hören Sie mehr in sich hinein? Spielten Sie anfangs verhaltener?

Das nicht, denn ich glaube, wenn ich mit angezogener Handbremse oder einer „Bremse im Kopf“ spiele, passiert viel eher etwas. Was ich aber in der Tat tue: Ich höre mehr auf die Signale meines Körpers. Nach der Reha im Anschluss an meine Knie-OP war ich einfach nur froh, wieder spielen zu können, und da bin ich vielleicht ein wenig zu schnell wieder aufs Feld zurückgekehrt. Die eine oder andere Woche mit intensiven körperstabilisierenden Übungen hätte mir da sicher noch gutgetan. In dieser Hinsicht bin ich heute vernünftiger, lege Extraschichten ein, um meinen Körper zu kräftigen oder auch zu pflegen.

Gab es Gründe für die vielen Verletzungen? Ein Fingerbruch kann passieren, aber die anderen Sachen: War eine falsche oder eine Überbelastung – beispielweise bei Ihrem Fußbruch – der Grund?

Nein, ich denke, die meisten Sachen waren einfach Pech. Solche Verletzungen passieren beim Basketball. Nur der Fußbruch war meine eigene Schuld; ich dachte, die Geschichte hätte sich schon herumgesprochen …

Wir sind gespannt!

Nein, belassen wir es einfach dabei … (grinst)

Der Fußbruch hat Sie die ersten fünf Saisonspiele gekostet, bei Ihrem Saisondebüt in Quakenbrück standen Sie dann gleich 24 Minuten auf dem Feld. Nervös?

Ein wenig vielleicht, aber vielmehr war ich extrem motiviert. Es war ein gutes Gefühl, endlich auf dem Parkett stehen zu dürfen, und dann gleich 24 Minuten. Dafür war ich danach auch extrem platt. Die Belastungen im Training und die im Spiel sind nicht miteinander zu vergleichen.

Ihr Minutenschnitt in dieser Saison hat sich bei 25 eingependelt – sind Sie überrascht, dass Sie in Ihrer ersten „richtigen“ BBL-Saison gleich so viel spielen?

Was heißt überrascht ... Im Training gebe ich alles, um mir Spielzeit zu verdienen, der Trainer vertraut mir, also sehe ich keinen Grund, warum ich nicht lange auf dem Feld stehen sollte, obwohl ich mit 25 Minuten im Schnitt vor der Saison zugegebenermaßen nicht gerechnet habe. Bei nur fünf bis zehn Minuten wäre ich dagegen extrem enttäuscht gewesen.

Weil es Ihre erste komplette Saison in der BBL ist: Fühlen Sie sich als Rookie?

Gute Frage … Was meine Spielzeit in der 1. Liga angeht, bin ich sicher noch ein Neuling, aber mit meinen 22 Jahren fühle ich mich eigentlich nicht mehr als Rookie. Da gibt es derzeit zum Glück andere junge Deutsche in der BBL, auf die diese Bezeichnung besser zutrifft.

Kommen wir zu dem Thema, ohne das derzeit kein Interview mit Ihnen auskommt: Würzburg, Power Forward, Trikotnummer 14: Wie viel Nowitzki steckt in Kleber?

Wir kommen aus der gleichen Stadt, die 14 trage ich nur, weil die 12, die ich lieber gehabt hätte, schon vergeben war. Dirk ist eine echte Hausnummer, einer der besten Spieler, die das Spiel jemals gesehen hat. Von daher kann und will ich mich gar nicht mit Dirk vergleichen, nur weil wir beide zufällig aus Würzburg kommen. Ich finde es auch unfair allen anderen deutschen Spielern gegenüber, sie mit Dirk zu vergleichen; einen wie ihn wird es in Deutschland wahrscheinlich für lange Zeit nicht mehr geben. Ich bin einfach der Maxi Kleber, der irgendwann auch mal groß rauskommen will.

Aber vor Ihrer ersten BBL-Saison 2011, als Sie sich entscheiden mussten, ob Sie Würzburg treu bleiben oder den Verein wechseln, haben Sie Dirk Nowitzki angerufen und um Rat gefragt. Kannten Sie ihn persönlich?

Nein. Ich habe ihn einmal als kleiner Junge getroffen, als er in Würzburg zu Besuch war, und meine Freunde und ich haben natürlich die Gelegenheit genutzt, um Erinnerungsfotos zu machen. Ich wollte seine Meinung hören, was er in meiner Situation tun würde, schließlich kennt er den Verein. Er hat mir geraten, dorthin zu gehen, wo ich viel spielen würde, also bin ich geblieben.

Kannte Dirk Nowitzki den Namen Maxi Kleber?

Er hat gesagt ja, aber vielleicht war er nur höflich. (lacht)

Wie sind Sie an seine Nummer gekommen?

Seine Familie wohnt noch in Würzburg, und die Stadt ist nicht groß. Die Familie Nowitzki ist außerdem immer noch mit dem Klub verbunden. Seine Schwester Silke hat mir seine Telefonnummer vermittelt.

Sind Sie heute noch in Kontakt? Schreiben Sie sich etwa SMS?

Nein, das nicht. Ich will ihm ja nicht lästig fallen. (lacht)

Kommen wir zur aktuellen sportlichen Situation in Würzburg. Mit den s.Oliver Baskets stecken Sie mitten im Abstiegskampf. Sie, wie die meisten Ihrer Teamkollegen, haben damit keine Erfahrung. Wie gehen Sie damit um?

Ich persönlich nehme es als Herausforderung, bei der ich sehr viel lernen kann. Würzburg war in den vergangenen Jahren sportlich verwöhnt, hat um die Playoffs statt gegen den Abstieg gespielt. Das merkt man an der Grundanspannung, die derzeit bei uns herrscht, die aber in unserer Situation wohl auch ganz normal ist. Wenn ich an unsere unglückliche Niederlage in Hagen denke (73:75, Anm. d. Red.), dann sieht man daran, dass wir noch nicht besonders oft unter solch einem Druck gespielt haben. Abstiegskampf ist etwas komplett anderes.

Dazu kommt die angespannte wirtschaftliche Situation in Würzburg: Der Verlust des Klubs betrug nach dem abgelaufenen Geschäftsjahr Ende Juni vergangenen Jahres 835.000 Euro. Wegen eines Verstoßes gegen die Mitteilungspflicht wurden den Baskets unter anderem zwei Punkte abgezogen. Belastet dies das Team zusätzlich?

Der Verein hat die finanzielle Krise inzwischen überwunden und wir können uns voll auf das Sportliche konzentrieren. In der akuten Phase wurde das natürlich in der Mannschaft diskutiert, aber sobald du aufs Feld gehst, denkst du nicht mehr daran, ob nächsten Monat noch dein Gehalt kommt oder auf welchem Tabellenplatz das Team nach dem Spiel stehen könnte; in diesem Moment willst du nur gewinnen. Insgesamt hat es zusammen mit der sportlichen Krise zur allgemeinen Verunsicherung beigetragen, gar keine Frage. Das geht an keinem spurlos vorbei.

Im letzten, vielleicht entscheidenden Saisonspiel gegen medi Bayreuth kommt es zum Brüder-Duell auf der Trainerbank: Stefan Koch gegen Mike Koch. Ist diese Partie, in der eventuell über den Abstieg entschieden werden könnte, schon in den Hinterköpfen?

Bei mir nicht. Das ist noch ganz weit weg – wer weiß, was bis dahin noch passiert. Der schöne Satz „Wir denken von Spiel zu Spiel“ gilt im Moment auch für uns. Wollen wir hoffen, dass es kein Entscheidungsspiel über Klassenerhalt oder Abstieg gibt.

Können Sie sich vorstellen, im Falle des Klassenerhalts weiter in Würzburg zu spielen?

Natürlich. Würzburg ist meine Heimat, an der hängt mein Herz.

Aber Ihr Vertrag läuft im Sommer aus?

Das ist richtig.

Manche sind sich sicher, Sie würden kommende Saison im Trikot des FC Bayern München auflaufen.

Ja, das habe ich auch gelesen, ich glaube beim Sport-Portal „Spox“. Manchmal finde ich es belustigend, welche Gerüchte durch das Internet geistern, aber es ärgert mich auch. Ich freue mich natürlich über das Interesse, aber ich habe weder mit dem FC Bayern noch einem anderen Verein über die kommende Saison gesprochen, geschweige denn schon irgendeine Vereinbarung getroffen. Ich konzentriere mich in den kommenden Monaten voll auf Würzburg; wie es dann im Sommer weitergeht, werden wir sehen.

Gesetzt den Fall, Sie müssten sich – beispielsweise bei einem Abstieg Würzburgs – Gedanken über einen Vereinswechsel machen: Würden Sie angesichts der Tatsache, dass Sie einige Jahre „auf Eis“ lagen, einen Klub vorziehen, bei dem Sie die Garantie auf viel Spielzeit hätten, oder einen Top-Klub, wo Minuten vielleicht nicht selbstverständlich wären?

Pauschal kann ich das nicht beurteilen, dafür müsste ich die jeweiligen Umstände bewerten können. Im Vordergrund steht für mich erst einmal die weitere Entwicklungsmöglichkeit als Spieler. Sicher ist, dass ich nicht irgendwo 40 Minuten auf der Bank sitzen will. Aber ich glaube, dass ich mir mit meinem Ehrgeiz und meinen Fähigkeiten auch bei einem großen Klub mit vielen Stars meine Minuten verdienen kann.

 

 



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