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Apr

BIG-Appetizer: Interview mit Sergio Llull

llull

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Sergio Llull aus der BIG #29.

SERGIO LLULL spielt seit 2007 für Real Madrid, das derzeit vielleicht beste Team in Europa. Der 26-jährige Guard wurde mit Spanien zweimal Europameister und holte Silber bei den Spielen von London. Im BIG-Interview spricht er über den Mythos Real, das Duell mit Bayern München und die WM im Sommer im eigenen Land

Señor Llull, Anfang Februar ist Ihnen etwas ganz Besonderes gelungen ...

Sie meinen das Pokalfinale?

Genau. Im spanischen Pokal, dem Copa del Rey, trafen Ihre Madrilenen im Endspiel auf Erzfeind FC Barcelona. 8,8 Sekunden vor dem Schlusspfiff lag Ihre Mannschaft 75:76 zurück.

Dann übernimmt unser Playmaker Sergio Rodriguez den Ball in der eigenen Hälfte, dribbelt schnell nach vorne, zieht in die Zone – und sieht mich frei stehend am rechten Flügel.

Noch zwei Sekunden sind zu spielen, als Sie abdrücken und den langen Zweier zum 77:76 versenken. Nachdem der Ball durch die Luft geflogen ist und schließlich im Netz zappelt, steht nur noch die Winzigkeit von 0,1 Sekunden auf der Uhr. Die Partie ist entschieden.

Eine großartige Sache, ein ganz tolles Gefühl. Den Pokal zu gewinnen, Barcelona zu schlagen und dann noch selbst den Buzzerbeater zu treffen – das ist schon etwas Außergewöhnliches.

Die Saison dauert allerdings noch einige Monate. Können Sie diesen Titel jetzt überhaupt schon genießen?

Natürlich dürfen wir uns auf dem Pokalsieg nicht ausruhen. Aber wenn du für Real Madrid spielst, kennst du nur ein Ziel, nämlich Titel zu gewinnen. Etwas anderes zählt bei uns nicht. Deshalb war es enorm wichtig, dass wir die erste Möglichkeit in dieser Saison gleich genutzt haben. So müssen wir weitermachen.

Reals Basketballer haben in der laufenden Saison zeitweilig 31 Pflichtspiele in Folge gewonnen. Was macht Ihre Mannschaft so stark?

Unser großer Vorteil ist, dass wir uns fast alle schon sehr gut kennen und länger gemeinsam spielen. Der Kern der Mannschaft steht, allen voran mit Rudi Fernandez und Sergio Rodriguez. Das sind die Hauptprotagonisten unseres Projekts. Jedes Jahr kommen ein paar wenige Puzzlestücke dazu, die uns noch stärker machen. Zuletzt unser neuer Weltklasse-Center aus Griechenland, Ioannis Bourousis. Das Spielverständnis innerhalb des Teams ist enorm gut.

Wie lauten die weiteren Saisonziele?

Da kann ich mich nur wiederholen: So viele Titel wie möglich gewinnen! In der heimischen Liga stehen wir ungeschlagen auf Platz eins, und auch in der Euroleague läuft es sehr gut. Aber in den Playoffs werden die Karten in beiden Wettbewerben neu gemischt. Trotzdem gilt: Für uns zählen nur Titel.

Nach den 31 Siegen gab es Ende Januar eine 71:85-Schlappe bei ZSKA Moskau ...

Uns war immer bewusst: Es ist kaum möglich, ich finde, sogar unmöglich, alle Spiele in einem Jahr zu gewinnen. Nach einer langen Anreise haben wir da bei einem der besten Teams in Europa verloren. Auch so etwas muss man durchlaufen, um im Laufe einer Saison besser zu werden und als Mannschaft zu wachsen.

Ende März haben Sie die Chance auf Revanche, wenn Moskau bei Ihnen in Madrid gastiert.

Zusätzlich kann es sein, dass wir uns Mitte Mai beim Final Four in Mailand wiedersehen. Dann wissen wir genau, was gegen diese Moskauer Startruppe zu tun ist. Ein weiteres Mal werden wir nicht gegen sie verlieren.

In der Zwischenrunde der Euroleague sind Sie auch bereits auf den FC Bayern München getroffen. Am Ende gewannen Sie zwar deutlich 111:87, doch in der Halbzeit stand es lediglich 48:47.

Wir haben eine starke zweite Halbzeit gespielt und den Bayern keine Chance gelassen. Aber es war wirklich nicht schlecht, wie sich die Bayern in den ersten 20 Minuten präsentiert haben. Soweit ich weiß, war das ja auch die erste Basketball-Partie zwischen Real Madrid und dem FC Bayern überhaupt. Insofern war das ein historischer Moment.

Was halten Sie von den Bayern-Basketballern grundsätzlich?

Der FC Bayern ist ein legendärer Sportverein, eine wahre Institution. Über die Strukturen im Basketball weiß ich zwar wenig. Aber wenn man so lange schon erfolgreich im Fußball ist, spürt man natürlich, dass die Strukturen auch im Basketball sehr gut und hochprofessionell sind.

In der Partie sind Sie häufig auf Heiko Schaffartzik getroffen. Was halten Sie von ihm?

Heiko ist ein sehr guter Spieler mit einer großen Menge Talent. Ich habe schon mehrfach gegen ihn gespielt – in der Nationalmannschaft und auch im Vereinswettbewerb, als er noch in Berlin unter Vertrag stand. Heiko kann Zeichen setzen. Er ist ein Spieler für die besonderen Momente.

Besondere Momente produziert auch Real Madrid in Serie. Zusammengenommen hat der Klub im Fußball und im Basketball schon 129 (!) große Titel gewonnen, also Meisterschaften, Pokalsiege oder europäische Vereinswettbewerbe. Was bedeutet das für Sie als aktueller Spieler?

Für Real spielen zu dürfen, das ist ein Traum, der wahr geworden ist. Seitdem ich ein kleiner Junge bin, sehe ich Real als eine der größten Institutionen, einen der wichtigsten Klubs der Welt an. Für mich als Spieler ist es Ehre und Verantwortung zugleich, dieses Trikot zu tragen.

Wie eng ist die Beziehung zwischen Reals Basketballern und den Fußballern?

Wir beide haben straffe Spielpläne. Daher gibt es wenige Möglichkeiten, sich zu treffen. Aber zum Glück gibt es ja das Weihnachtsessen!

Was hat es damit auf sich?

Jedes Jahr im Dezember sind alle Fußballer und Basketballer zum gemeinsamen Weihnachtsessen eingeladen. Das ist eine tolle Gelegenheit, ausführlich mit den Vereinskollegen zu plaudern.

In Madrids Fußballstadion, dem Estadio Santiago Bernabeu, gibt es fast nur Dauerkarten. Und die werden meist von Generation zu Generation vererbt. Schaffen Sie es dann überhaupt, sich mal ein Spiel der Fußballer anzusehen?

Na klar! Wir Basketballer versuchen so oft wie möglich, ins Stadion zu gehen und die Fußballer zu unterstützen. Andersrum genauso. Wir finden natürlich immer Wege, um Karten zu bekommen. (lacht)

Im Januar wurde Reals Cristiano Ronaldo als Fußballer des Jahres 2013 ausgezeichnet – obwohl Franck Ribéry mit dem FC Bayern das Triple gewonnen hatte.

Ich denke schon, dass Cristiano das verdient hat. Er ist ein außergewöhnlicher Sportler. Ich und meine Teamkollegen haben ihm via Twitter sofort gratuliert.

Sie selbst sind in Mao geboren, einer Stadt auf der Urlaubsinsel Menorca. Wie war das Leben dort?

Sehr ruhig und gemütlich! Menorca ist eine wundervolle Insel. Sie bietet spektakuläre Strände und viel Erholung. In jedem Sommer fliege ich immer wieder hin, um mit meiner Familie und mit Freunden zu entspannen.

Aber wenn man auf einer Insel aufwächst, denkt man an Wassersport – und nicht an Basketball!

An Schwimmen oder Surfen habe ich nie gedacht. So viel wird das auf Menorca auch nicht ausgeübt. Mit Basketball habe ich schon als kleiner Junge angefangen, mit fünf Jahren in einem Schulteam. Mein Vater war zu dieser Zeit selbst aktiver Basketballer, mein Großvater war Trainer. Das ist der Grund dafür, dass ich den Basketball schon immer in den Adern getragen habe.

Bei einem Spiel in der Jugend erzielten Sie 71 Punkte. Welche Erinnerungen haben Sie daran?

Das war auch auf Menorca! Wir sind dabei auf den ewigen Rivalen von unserer Insel getroffen. Es war ein Spiel, in dem mir alles gelang. An so etwas erinnert man sich immer zurück.

2009 wurden Sie vom NBA-Klub Denver Nuggets gedraftet, später dann an die Houston Rockets weitergereicht. Warum spielen Sie heute nicht in der NBA?

Ich bin sehr zufrieden, bei Real Madrid zu spielen, in einem der besten Teams in Europa. Hier bekomme ich viel Spielzeit und kann zahlreiche Titel gewinnen. Als Basketballer kann ich mir keine bessere Situation vorstellen.

Ist die NBA für Sie in der Zukunft noch ein Thema?

Ich versuche, mich auf die Gegenwart zu konzentrieren. Ich weiß nicht, was in den nächsten Jahren passieren wird. Ich bin sehr glücklich bei Real und hoffe, hier noch viele Jahre lang weiterzuspielen. Erst kürzlich habe ich einen Vertrag bis 2019 unterschrieben. Um ehrlich zu sein: Über die NBA mache ich mir keine Gedanken – ich kann nicht mal richtig Englisch. (lacht)

Ihre Teamkollegen Fernandez und Rodriguez haben mehrere Jahre in der NBA gespielt, sind dann aber auch wieder zu Real zurückgekehrt – obwohl Sie Angebote aus der NBA hatten. Geben die beiden Ihnen Ratschläge für die Zukunft?

Nein, Ratschläge nicht. Aber ich höre natürlich genau hin, wenn sie Anekdoten aus der NBA erzählen. Die beiden haben schon als sehr junge Spieler den Sprung in die USA geschafft. Doch irgendwann haben sie doch gemerkt, dass es keinen besseren Ort als Real gibt. Das sehe ich genauso. Dieser Klub ist für mich der perfekte Platz.

Was würden Sie dem deutschen Center Tibor Pleiß raten? 2010 wurde er von den Oklahoma City Thunder gedraftet, heute überzeugt er in der spanischen Liga bei Laboral Kutxa.

Ein Ratschlag ist schwierig. Aber fest steht: Tibor ist noch sehr jung, er hat noch viel Spielraum zur Verbesserung. Diese Saison zeigt er ein hohes Niveau. Wenn er weiter an sich arbeitet, wird er einer der besten Center in Europa werden.

Mit der spanischen Nationalmannschaft haben Sie bei den Olympischen Spielen 2012 Silber gewonnen. Nun stehen die Weltmeisterschaften bei Ihnen zu Hause in Spanien an. Wie groß ist die Vorfreude?

Eine Weltmeisterschaft in Spanien, im eigenen Wohnzimmer, das ist mit einer besonderen Herausforderung verbunden. Aber jetzt will ich mich erst mal auf die restliche Saison konzentrieren und mit Real so viele Titel wie möglich gewinnen. Danach beschäftige ich mich mit der WM. Auf jeden Fall wäre es für mich ein Privileg, wenn mich der Nationalcoach nominieren würde.

Ist es realistisch, vor heimischer Kulisse die USA zu schlagen?

In den vergangenen zwei Jahren lagen unsere beide Teams eng beieinander, auch beim olympischen Endspiel, das wir nur knapp 100:107 verloren haben. Aber es ist klar, dass die Amerikaner rein psychisch betrachtet allen anderen Teams überlegen sind. Trotzdem: Wir gehen mit viel Lust, viel Vorfreude und enorm viel Ehrgeiz in dieses Turnier. Wir werden versuchen, sie zu schlagen.

Wer ist Ihrer Meinung nach der aktuell beste spanische Basketballer?

Juan Carlos Navarro, Pau Gasol und Marc Gasol. Das sind unsere drei Anführer.

Gehören sie auch zu den größten spanischen Sportlern überhaupt?

Ja – aber der größte ist Rafael Nadal! Trotz Verletzungen und anderen Rückschlägen hört er nicht auf zu gewinnen. Er ist ein Beispiel für viele.

 

 



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