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04
Jul

Bock auf mehr

Souverän die zweite Runde der WM-Quali erreicht und reichlich Gesprächsstoff für die EuroBasket geliefert: Das DBB-Team ist auf einem spannenden Weg.

von Martin Fünkele

Am Montagmorgen ist dann wieder alles ganz entspannt. Jo Voigtmann steht mit seinem kleinen Sohn am Bremer Hauptbahnhof und wartete – wie das im Sommer 2022 Standard ist – auf den Zug. Drei Wochen hatte der Center meist alleine in Eisenach geschuftet, um für zwei Spiele in Form zu kommen. „Hat Bock gemacht“, so Voigtmann über die Zeit mit der Natio. Der Center erzählt von der Wurfmaschine und den anderen Drills, die er gemacht hat, um wieder in Form zu kommen. Der russische Angriffskrieg auf die Ukraine hatte sein Engagement bei ZSKA Moskau beendet. Genauer: Voigtmann wollte nicht mehr für Moskau spielen, weshalb ein Gericht nun entscheiden soll. Der Prozess läuft, weshalb es schnell gehen könnte mit einem neuen Klub für Voigtmann, der die Deutschen am Vorabend gegen Polen mit zwei Dreiern zum Sieg warf. Der 29-Jährige erzählt das alles ganz ruhig. Trotz seiner Größe von 2,11 Metern spricht ihn auf dem Bahnsteig keiner an.

In der Bremer ÖVB-Arena, in der am Sonntagabend über 6000 Menschen das WM-Qualispiel gegen Polen sehen wollten, war das noch ganz anders. Gut, das meiste Interesse galt Dennis Schröder, der mit 38 Punkten schon auf dem Parkett die meiste Aufmerksamkeit auf sich zog. Nach dem Buzzer nahm das Interesse nochmal deutlich zu. Schröder schrieb noch eine Stunde nach Spielende Autogramme. Immer mit einem Lächeln, immer freundlich. Schröder ist also zurück. Nach drei Jahren Pause, nach 2019. Den Ego-Shooter, den Extravaganten, den viele in ihm sehen, hat er nicht gezeigt. „Ein korrekter Typ“, nennt Chris Sengfelder ihn. 26 Punkte, sieben Assists und sieben Rebounds hat Schröder in den zwei WM-Quali-Spielen aufgelegt. Starke Zahlen trotz ausbaufähigen Wurfquoten (7/26 Dreier). Aber die Zahlen waren bei Schröder ja immer okay, oft ging es um sein Auftreten, seine Art zu führen.

 „Ich glaube, es braucht das Ego im Team. Wir hatten heute eine hervorragende individuelle Leistung von Dennis aber das Team stand trotzdem an erster Stelle“, hatte Bundestrainer Gordon Herbert die „There is no I in Team“ Phrase für seine Botschaft interpretiert. Und das stimmt ja. Wenngleich Schröder die meisten Würfe (10/25) der Mannschaft nahm, verunsicherte er den Rest der Truppe nicht. Weil er nur ganz selten den Kopf runternahm und mit purem Willen durch die Wand wollte. Weil er verteidigte. Weil er einer von zwölf war. Der Beste, ohne Frage, aber eben keiner, der sich für was Besseres hält.

Der Lackmustest für die EuroBasket war diese WM-Quali freilich noch nicht. Dafür ging es aufgrund der komfortablen Ausgangssituation um zu wenig, dafür war der Konkurrenzkampf im Kader zu gering. Das wird sich ändern, wenn wirklich alle kommen, die erwartet werden. Das sind die Wagner-Brüder, das ist Daniel Theis und das sind die EuroLeague-Spieler aus Berlin und München. „Bis jetzt hat noch niemand abgesagt“, sagt Jo Voigtmann kurz bevor er endlich mit seinem Sohn in den Zug steigt. „Aber ich weiß auch nicht immer alles“, relativiert Voigtmann sein Insider-Wissen. Wie es mit dem Team weitergeht, wird sich Anfang August zeigten. Um den 7./8. August trifft sich das Team in Köln zum Trainingslager. Ob Herbert 16 oder 14 Kandidaten einlädt, ist noch nicht klar. Sein Ziel ist es jedenfalls, möglichst schnell auf 12 Spieler und damit auf den EM-Kader zu kommen. Keine einfache Aufgabe, hier trotzdem ein Vorschlag, wie die Einladungsliste aussehen könnte.

Guards: Schröder, Lo, Hollatz, Obst, Akpinar, Krämer. Forwards: Bonga, F. Wagner, Giffey, Benzing. Center: Voigtmann, M. Wagner, Theis, Thiemann, Sengfelder. Das wären meine Kandidaten das Trainingslager. Natürlich gehört da auch Maxi Kleber dazu, doch scheint das versicherungstechnisch aufgrund seiner Verletzungshistorie nicht so einfach. Auch Tibor Pleiss kann dem Team helfen, wenn er gesund ist und will. Ein deutscher Nick Weiler-Babb ist nochmal eine ganz andere Diskussion.

Das Trainingslager in Köln wird kurz sein und darüber entscheiden, wer das EM-Team schafft. Am 19.-20. August steht dann der SuperCup in Hamburg (Serbien, Italien, Tschechien) als letzter Test an, ehe zwei WM-Quali-Partien (25. August in Schweden, 28. August vs. Slowenien in München) das EM-œuvre bilden. Wer dann am Start sein wird, ist eine der spannenden Fragen dieses Basketball-Sommer, der am Wochenende von einer Mannschaft eröffnet wurde, die Bock auf mehr macht.

 Wer jetzt schon Bock auf mehr hat, hört sich den aktuelle BIG-Podcast an. Hier gibt es auch Infos zur kostenlasen EM-Preview.



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