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28
Nov

Die Kurve gekriegt

Was zwischen der Auftaktpleite am Donnerstag gegen Estland und dem 72:69-Erfolg am Sonntag gegen Polen im deutschen Team passiert ist, macht Mut. Es könnte die Geburt einer neuen Mannschaft sein, die die WM-Quali schaffen kann, obwohl ein Großteil ihrer Mitglieder daran nicht teilnehmen wird.

von Martin Fünkele

Wenn man akzeptiert, dass die FIBA-Fenster in ihrer jetzigen Form – also drei Mal im Jahr jeweils ohne Beteiligung der NBA- und EuroLeague-Spieler – einen Sinn haben, dann hat der November das DBB-Team vorangebracht. Man kann sich natürlich jetzt auch hinstellen und darüber jammern, wie unsinnig das alles ist, wenn 32 europäische Nationen um 12 WM-Plätze kämpfen, dabei aber nicht auf ihre besten Spieler zurückgreifen können.

Das kann man, sollte es wahrscheinlich auch – aber nicht an dieser Stelle. Ob ich mich jetzt darüber aufrege oder nicht, wird den seit Jahren aus den Fugen geratenen internationale Basketball-Kalender auch nicht wieder in die Spur bringen. „Es kotzt mich an“, hatte DBB-Präsident Ingo Weiss vor dem ersten WM-Quali-Spiel gesagt. Eine gute Formulierung.

Wenn man die Aufregung also einmal beiseiteschiebt und sich anschaut, was die deutsche Mannschaft innerhalb von vier Tagen abgeliefert hat – nämlich eine vermeidbare Niederlage zuhause gegen Estland (66:69) und einen Auswärtssieg in Polen (72:69), kann man zum Schluss kommen, dass das ziemlich optimal war. Klar wäre es effektive gewesen mit 2-0 in diese WM-Quali zu starten, ob es dem „Fenster-Team“ aber mehr gebracht hätte, weiß ich nicht. Wenn man die Regeln dieses Wettbewerbs – ohne NBA- und EuroLeague-Spieler – nicht in jedem Absatz erwähnen will (ist hiermit zum letzten Mal passiert), muss man sich kurz vor Augen führen, was da gelaufen ist: Ein neuer Coach (Gordon Herbert) ruft nach seiner Nominierung über 40 Spieler an, checkt deren Bereitschaft, für Deutschland zu spielen und nominiert wenige Monate später 15 davon für die WM-Quali. Während schon jetzt knapp 50.000 Tickets für die EuroBasket 2022 im September verkauft sind, geht es zunächst also um die WM-Quali. Die EM ist in Deutschland, die WM in Indonesien, Thailand und Japan. Vielleicht geht es ja nur mir so, aber ich finde es erstaunlich, wenn Profis breit sind, ihre Knochen für ein Turnier hinzuhalten, das in knapp zwei Jahren stattfindet und für das sie keinerlei Teilnahmegarantie erhalten. Die Jungs, die das getan haben, haben in Lublin etwas gewonnen, was im Teamsport unbezahlbar ist: Ein gemeinsames Ziel. Auch wenn die Regeln nach wie vor dieselben sind – und Coach Herbert keinem seiner „Fenster-Spieler“ versprechen kann, auch bei der EM (Sommer) oder WM (wenn die Quali klappt) dabei zu sein, hat das November-Team eine schwer Prüfung gemeistert: Gegen Estland an der eigenen Courage zu scheitern und nur vier Tage später mit dem Herz in der eigenen Hand in Polen zu gewinnen, hat nicht nur die Chancen auf die WM-Quali erhöht, es hat auch einem neu zusammengestellten Team eine mögliche Geburtsstunde beschert.

Ohne die zwei November-Spiele weiter überhöhen zu wollen, war es schön zu sehen, dass eine Auswahl deutscher Spieler in einer brenzligen Situation fast immer – die chaotische letzte Minute einmal ausgeklammert – souverän blieb und beim Stand von 50:45 den Mut hatte einen Spielzug zu wagen, der Highlight-verdächtig und identitätsstiftend zu gleich war. Der freche Justus Hollatz mit dem Pass über 18 Meter auf den coolen Dominic Lockhardt und der auf den einfliegenden David Krämer zum Alley-oop. Hollatz, der gegen Estland nur ein Bruchteil von dem zeigte, was er kann und Krämer, der in Nürnberg der Held sein wollte aber scheiterte, demonstrierten die Lernfähigkeit der Mannschaft am offensichtlichsten. Aber auch Lockhardt, der seit Jahren in der BBL seinem Potenzial hinterherrennt, ist in diesem Zusammenhang zu nennen. Wenn ich in meinem ersten Text über das November-Team geschrieben hatte, Bock auf genau diese Truppe zu haben, kann ich das für das Februar-Team (25.02. @ Israel, 28.02. vs. Israel) nur wiederholen. Ich will da auch gar keine EuroLeague-Spieler dabeihaben (upps, jetzt haben die sich doch wieder reingemogelt) – ich will sehen, wie diese Mannschaft sich gegen die bisher ungeschlagenen Israelis schlägt und wie viel die Erfahrung in Polen wirklich wert ist.



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