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23
Feb

Meisner, der Funktionärs-Schwachsinn und seine Folgen

Von Kai Zimmermann

Heute wird die neue BIG an die Abonnenten ausgeliefert. Ein Thema, das mehrmals im Heft auftaucht, ist Lukas Meisner. Der Small Forward der Basketball Löwen Braunschweig hat sich in dieser Saison zum Leistungsträger in der easyCredit BBL entwickelt: über 14 Punkte im Schnitt. Und dann das: Gestern kam die Nachricht, dass sich Meisner verletzt hat. Ein Trainingsunfall, die Schulter ist kaputt. Morgen Operation, die Saison ist beendet.

Selten hat mich die Nachricht über eine Verletzung so geärgert wie diese.

Die Hintergründe für den Meissner-K.o. dürften in diesen Tagen einige in den Wahnsinn treiben. Richtig: Ein Trainingsunfall, das ist nichts besonderes. Kann passieren. Dumm gelaufen, so würden das sicher viele auch gerne abhaken. Stimmt aber so nicht. Fangen wir mal mit der Frage an, welche Nationalmannschaften da überhaupt gegeneinander spielen. Bei den deutschen fehlen sämtliche NBA- und EuroLeague-Spieler. Kein Bayern München, kein ALBA Berlin. Kein Johannes Voigtmann, kein Danilo Barthel. Die Klubs geben die Spieler nicht frei, und das wird von den Verbänden notgedrungen hingenommen.

Und wenn die besten nicht können, holt man die nächsten. Das sind die Spieler, die in der Bundesliga Akzente setzen. Wie Meisner. Erste Frage: Ist Meisner tatsächlich schon Nationalspieler? Antwort: Nein. Die Wahrscheinlichkeit, dass er bei einem Endturnier wie der Europameisterschaft im kommenden Jahr dabei ist, ist sehr gering. So stark er in dieser Saison spielt, Zipser, Giffey und Benzing stehen klar vor ihm.

Zweite Frage: Warum ist er dann überhaupt bei der Nationalmannschaft - welchen Sinn hat das? Antwort: Keinen, der sich jedem erschließt. Das Team ist qualifiziert, die Spiele sind verpflichtende Wettkampfunterhaltung. Und zwar auf BBL-Niveau, denn die anderen Spieler sind auch (fast) alle in der BBL. Das hätte Meisner in Braunschweig auch gehabt! Auch Andi Obst muss jetzt pausieren, weil er sich bei der Nationalmannschaft verletzte.

Von einspielen kann nicht die Rede sein, abgesehen von Obst, Benzing und vielleicht noch Akpinar hat eigentlich kein Spieler realistische Chancen, bei der Olympia-Quali im Sommer oder bei der Europameisterschaft dabei zu sein. Basketballer wollen spielen, und sie sind ehrgeizig. Insofern ist klar, dass jeder Spieler die Chance ergreift, für die Nationalmannschaft zu spielen. Außerdem müssen die BBL-Klubs laut Vertrag abstellen. Aber in einem derart vollgepackten Kalender wie in dieser Saison? Mit Quarantäne hintendran? Eine ganze Trainingswoche geht flöten? Dazu noch mehr Reisestress?

Die FIBA hat den schwarzen Peter. Man fragt sich, wer von diesem Fenster-Schwachsinn etwas haben soll. Die Deutschen verloren beide Spiele, und die Leistungen waren, sagen wir mal freundlich, übersichtlich. Das sollte niemand dem Bundestrainer anlasten, der wieder eine völlig neue Truppe zusammenwürfeln musste. Kaum ein Mensch hat die Spiele verfolgt, und die paar, die es doch taten, waren im Anschluss stinksauer und wetterten in den sozialen Netzwerken um die Wette.

Und dann das wichtigste. Braunschweig, das ist der Club, der fast ausschließlich auf deutsche Spieler setzt. Das ist eigentlich der Verein, den die deutsche Szene auf Händen tragen sollte. Weil er nachgewiesen hat, dass es sich lohnt, diesen Weg zu gehen. Und was wird jetzt passieren? Die Braunschweiger verlieren einen ganz wichtigen Teil ihrer Rotation, die ohnehin schon mickrig ist, für den Rest der Saison. Das ist ein extremer Wettbewerbsnachteil. Das wird natürlich keinen interessieren, der aktuell hinter ihnen in der Tabelle steht. Sollten die Braunschweiger am Ende sogar in Abstiegsgefahr geraten und mit ihrem Konzept aus der Liga verschwinden, wäre der Kollateralschaden endgültig.

Die Wahrheit ist, in der Basketballszene läuft alles krumm und schief. Und, auch, wenn es einfach ist, bleibt festzuhalten: Es liegt an den Funktionären. Der Ärger zwischen EuroLeague und FIBA strahlt bis nach Braunschweig. Mir soll keiner damit kommen, dass es albern ist, dort einen Zusammenhang herzustellen. Ist es nicht. Es ist einfach nur ätzend, es macht den Sport kaputt. Es scheint den Leuten, die Basketball in Europa organisieren, egal zu sein. Dass es inzwischen seit Jahren nicht möglich ist, die Situation zu klären, sagt alles. Man muss inzwischen davon ausgehen, dass die Institutionen kein Interesse daran haben, den Konflikt zu lösen.

Fakt ist: Wir sehen in den Fenstern keine echten Nationalmannschaften. Da spielen nicht die besten Spieler gegeneinander. Da wird etwas durchgesetzt, was gegen die Interessen der Spieler und des Basketballs ist. Auch gegen die Interessen der Klubs, die sich um die Förderung einheimischer Spieler bemühen. So wie die Basketball Löwen Braunschweig. Die müssen den Unsinn jetzt ausbaden. Eigentlich müsste die easyCredit BBL den Löwen jetzt schon die Lizenz für die kommende Saison erteilen. Und die FIBA sollte Meisners OP und Ausfall übernehmen.


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