14
Okt

Euroleague und FIBA: es reicht, einigt Euch!

Position 1 – Alba: Hoffentlich nur ein taumelnder Riese

Hauptrunden-Tabellenplatz 3, 5, 3, 2, 6: Alba Berlin und die Spitze des deutschen Basketballs, das war einmal. In den vergangenen Jahren sind die sportlichen Einschläge teilweise drastisch gewesen – zwar nicht unerwartet aber scheinbar nachhaltig. Berlin ist schon lange nicht mehr die Hauptstadt des deutschen (Erstliga-)Basketballs. Auch der Etat ist deutlich geringer als bei den finanziellen Schwergewichten aus dem Süden. Doch dieser Fakt ist nicht weiter dramatisch, denn er ist nachvollziehbar und verständlich. Alba verfügt eben nicht über ein scheinbar grenzenloses Budget, Alba muss hart kämpfen um seine Sponsoren und ist seit Jahren auf der Suche nach einem großen Geldgeber. Doch bislang vergebens. Auch das ist schade aber hinnehmbar. Erschreckend ist für mich jedoch ein anderer Fakt: Auch die vor Jahren noch zitierten „drei großen B´s“ sind Geschichte. Denn Alba ist auch nicht mehr die dritte Kraft im deutschen Basketball. Zumindest nicht was den sportlichen Aspekt betrifft. ratiopharm ulm, die EWE Baskets Oldenburg, die Fraport Skyliners und die MHP Riesen Ludwigsburg: Vier Mannschaften die den Berlinern momentan scheinbar etwas den Rang abzulaufen drohen. In der offiziellen Abschlusstabelle (nach den Playoffs) der vergangenen Saison waren sie allesamt vor dem Hauptstadt-Klub. Und das auch noch verdient.

Alba ist im Basketball eine große und bekannte Nummer. Davon zehrt und profitiert der Standort momentan. Die Tendenz ist jedoch eher negativ: Der Zuschauerzuspruch sinkt, der sportliche Trend zeigt bergab und es sieht auch nicht so aus, als würde sie diese Saison zu bremsen sein … und in mir stellt sich die Frage: Taumelt der Basketball-Riese oder stürzt er langsam? Hoffentlich kann er sich berappeln!

 

Position 2 – Marcos Knight. Eine Huldigung?

27-Jahre, BBL-Rookie, nach vier Spieltagen Topscorer: Marcos Knight und die Beletage des deutschen Basketballs, das scheint zu passen. Im Schnitt kommt der 27-Jährige auf 23,0 Punkte, 7,5 Rebounds und 2,3 Assists. Kurzum: Bislang ist Knight DIE Überraschung der noch jungen Saison. Diese Werte wird er freilich nicht halten können, doch der US-Amerikaner weiß zu gefallen. Für mich wäre die Story um den kleinen Wühlbüffel (1,88 m, 98 kg) eine wunderschöne, wären da nicht seine moralischen Verfehlungen im letzten Winter gewesen. Knight hatte mit einem Streik seinen Wechsel von Heidelberg nach Jena forciert und provoziert. Sicherlich, das ist Teil des Business. Moralisch korrekt finde ich es dennoch nicht.

Wenn es um die sportlichen Qualitäten geht, ist der Combo-Guard jedoch über jeden Zweifel erhaben. Während er innerhalb seiner vier Jahre am College gleich dreimal die Uni wechselte, geht sein (deutscher) Weg nun steil bergauf: In Baunach (15,6 PPG), Heidelberg (15,3) und Jena (15,0) überzeugte er in der ProA. Nun für letztgenanntes Team auch in der BBL. Ein Ende der Fahnenstange? Nicht in Sicht. Dabei wirkt Knight, wenn man ihn das erste Mal sieht, eher wie ein beliebiger, untrainierter Zocker – bis er dann zu spielen beginnt. Knight ist ein Gamer, Knight ist ein neues, sportlich überzeugendes Gesicht in der BBL, Knight ist ein super Spieler. Sollte er weiterhin nur seine sportlichen Qualitäten und nicht seinen Berater sprechen lassen, bin ich gewillt Gras über seine Moral wachsen zu lassen.

Position 3 – innerstädtisches Duell in der ProB: Karlsruhe am Scheideweg

Im badischen Karlsruhe muckt in der aktuellen ProB-Saison der kleine gegen den großen Bruder auf: die PSK Lions Karlsruhe fordern die BG Karlsruhe. Die beiden Vereine sind Brüder, denn sie haben denselben Ursprung. Beide Mannschaften sind aus dem Sportverein Post Südstadt Karlsruhe hervorgegangen. Sie haben also dieselbe Herkunft und tragen dieselben Farben. Und sind doch so verschieden. Während die BG gar auf etwas Bundesligatradition blickt, sind die PSK Lions der junge und dynamische Herausforderer. Sie sind der Aufsteiger, der Emporkömmling, der am Thron der etablierten BG sägt. Doch dieses Unterfangen ist keinesfalls ein Himmelfahrtskommando. Denn die BG gab in der Öffentlichkeit in den letzten Jahren ein schwaches Bild ab. Neben der sportlichen Talfahrt ist auch die Außendarstellung der Karlsruher PR-technisch schlecht. Zwar wurde man in der letzten Saison in der ProB-Süd Hauptrunden-Erster – blamierte sich dann jedoch in den Playoffs und verpasste den angestrebten Aufstieg. Auch der Start in die aktuelle Saison klappte nicht: drei Spiele, drei Niederlagen, Tabellenletzter. Auch das so wichtige Derby gegen die Lions wurde in eigener Halle verloren…

Anders hingegen die Lions: eine frische, aufstrebende Marke. Der Zuschauerzuspruch ist da, der Saisonstart geglückt (Tabellenplatz 4). Und zumindest aus der Distanz wirkt es so, als sei die BG dem innerstädtischen Rivalen hoffnungslos unterlegen. Langfristig dürfte es nur eine Mannschaft schaffen, Profi-Basketball in Karlsruhe zu betreiben, denn für eine Parallel-Existenz sind sich die beiden Brüder zu ähnlich. Wer sich am Ende durchsetzt, wird spannend zu beobachten sein. Auch deshalb ist die ProB in Karlsruhe in diesem Jahr mehr als nur Basketball. Es ist der Kampf um die Vorherrschaft, der Kampf um die langfristige Perspektive. Der Herausforderer hat die ersten Stiche gesetzt und nun ist die BG am Zug.

Position 4 – Muss ich mir Sorgen um Phoenix Hagen machen? Ja!

Vor der aktuell laufenden Saison wurde viel diskutiert, mögliche Playoff-Teilnehmer und potentielle Absteiger wurden gehandelt. Besonders beim Themenpunkt Absteiger waren sich viele sicher: Braunschweig wird es treffen. Klar, die Löwen haben eine schwierige Situation – doch es ist ein anderer Verein, der zum Start der Spielzeit 16/17 ein desaströses Bild abgibt: Phoenix Hagen. Hätte s.Oliver Würzburg ein etwas leichteres Auftaktprogramm gehabt, wären die Feuervögeln momentan wohl mit der roten Laterne ausgestattet. Leider habe ich jedoch keine Zweifel, dass sie diese bekommen werden, denn Hagen steht mit dem Rücken zur Wand. Immer weniger Geld, kein Namenssponsor für die geliebte Halle, ein Katastrophenstart. Während sich Jeremy Dunbar (angeschlagen) und Richie Williams (zuerst fahrig, jetzt verletzt) nicht als die erhofften Stützen zeigten, wurde Patrick Anzuluni bereits durch David Godbold ersetzt. Godbold ist eine teaminterne Stütze – ob er dies auch auf dem Feld wird, bleibt abzuwarten. In der vergangenen Spielzeit kam er in Diensten der BG Göttingen auf eine magere Wurfausbeute von unter 30%. Während seines Hagen-Debüts in Vechta traf er in 24 Minuten keinen einzigen Wurf.

Die Westfalen stecken in der Krise und während der Kader nicht unbedingt Hoffnung auf Besserung macht, tut dies auch der Spielplan nicht. Die Mannen von Headcoach Ingo Freyer hatten den leichtesten Saisonstart aller BBL-Teams: Sie spielten bereits gegen die beiden Aufsteiger und gegen die letztjährigen Tabellenfünf- und sechszehnten. Hagen verlor alle vier Partien. Am morgigen Samstag sollte dringend gegen die Gießen 46ers gewonnen werden, sonst droht ein 0-8-Start. Denn die Gegner werden mit Bonn, Würzburg und Berlin nicht wirklich einfacher. Mit den selbsternannten besten Fans der Liga scheint der Sieg gegen die Hessen zumindest möglich. Sollte dieser nicht gelingen, brennt, bezeichnenderweise im Hause des Feuervogels, der Baum. Und die rote Laterne.

Position 5 – Euroleague und FIBA: es reicht, einigt Euch!

Der Streit zwischen der Euroleague und der FIBA nervt! Und zwar gewaltig. Am gestrigen Donnerstag gab Euroleague-Boss Jordi Bertomeu abermals zu Protokoll, dass die Fans bei allen Entscheidungen oberste Priorität hätten. Was ein schlechter Scherz. Der Euroleague und dem Basketballverband geht es um Einfluss und Geld. Das ist soweit ok und diese Motive – egal ob jetzt offiziell oder inoffiziell – kann ich, genauso wie die dahingehende Diskussion, durchaus verstehen. Aber nicht monatelang.

Möglicherweise geht es vielen Fans so wie mir, vielleicht auch nicht. Aber mit dem Start der aktuellen europäischen Saison ist mir nochmals bewusster geworden wie sinnbefreit der Streit ist. Vier Wettbewerbe. Gefühlt jede Mannschaft kann mitspielen und es gibt kein erkennbares Qualifikationskonzept. Was soll das? Ihr nutzt nicht dem Basketball, sondern ihr schadet ihm.

Liebe FIBA, liebe Euroleague: einigt euch! Sorgt für eine klare Aufteilung, eine (von mir aus nur weitestgehend) sportliche Qualifikation und sorgt für klare Strukturen. Denn mit dem aktuellen Status wird keine Außenwerbung betrieben und kein neuer Fan geholt. Jemand, der sich für Basketball interessiert und beispielsweise durch den Fußball sozialisiert wurde (und das sind in Deutschland Millionen von Menschen), kann so nie den Durchblick über den Basketball bekommen. Denn er versteht die Strukturen einfach nicht. Wie auch? Sportliche Qualifikation, Plan- oder Nachvollziehbarkeit? Fehlanzeige. Es reicht! Hört auf unseren Sport zu verunstalten!


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