29
Sep

Von wegen Vorbild

Ein bisschen ist es untergegangen, aber am vergangenen Dienstag ist im europäischen Basketball etwas Historisches passiert. Ein neuer kontinentaler Wettbewerb ist an den Start gegangen: die „Champions League“. Für einen solch erhabenen Namen fiel die Aufmerksamkeit jedoch relativ gering aus, die erste Qualifikationsrunde des Turniers interessierte wohl nur Hardcore-Fans.

Das deckt das Dilemma in Europa auf: seit Monaten wird gestritten. Euroleague und FIBA können sich nicht einigen und die Sportart kommt damit kein bisschen voran. Die Fans schütteln in der Zwischenzeit nur den Kopf, nachvollziehen können die Meisten dies nicht. Denn obwohl die FIBA für ihr Einschreiten viel Kritik einstecken musste, besonders glücklich mit dem Euroleague-Modus sind viele Anhänger, besonders in Deutschland, nicht.

Das System aus fest vergebenen Startplätzen, Wildcards und immer längeren Gruppenphasen wirkt unrund. Da wandert der neidische Blick gerne zum Fußball, mit seiner 5-Jahreswertung, der klar geregelten sportlichen Qualifikation und den knappen Gruppenphasen. Doch auch beim Fußball ist nicht alles Gold was glänzt. Zumindest aus Sicht einiger, großer Vereine. Erst kürzlich reformierte die UEFA ihr eigenes Premiumprodukt, die Championsleague, und sicherte den erfolgreichsten Ligen (Stand jetzt: Spanien, England, Deutschland, Italien) mehr garantierte Plätze. Zukünftig wird mindestens die Hälfte des Teilnehmerfeldes aus den namhaftesten Ländern kommen, das Ganze geht auf Kosten kleinerer Verbände, die ihren festen Startplatz verlieren und nun mit ihren Teams den mühsamen Weg durch die Qualifikation bestreiten müssen. Das dürfte nur der Anfang gewesen sein: Schon seit einiger Zeit kursieren Gerüchte, dass die absoluten europäischen Topklubs am liebsten in einer geschlossenen Liga, mitsamt Wildcards, antreten wollen. Wenn Real, Manchester United, Bayern und Co. immer wieder gegeneinander spielen, so die Überlegung, würde das die Einnahmen weiter erhöhen. Das hört sich alles irgendwie sehr vertraut an, oder? Der Fußball bewegt sich gerade paradoxerweise in Richtung Basketball, obwohl sich eben viele Basketball-Fans gerne an der Championsleage und Europa League der Fußballer orientieren.

Tatsächlich stecken beide Sportarten in ähnlich verzwickten Lagen, auch weil Ligen außerhalb der Wettbewerbe (Basketball: NBA, Fußball: Premier League) in den nächsten Jahren den Markt weiter mit Geld überschwemmen werden. Es geht schlicht ums nackte Überleben. Und um immer mehr: mehr TV-Präsenz, mehr Aufmerksamkeit, mehr Einnahmen. Was kann der europäische Basketball daraus lernen? Soll sich das Rad immer weiter drehen, bis es eine kontinentale Superliga gibt und die nationalen Wettbewerbe bedeutungslos werden? Oder unterbricht man diese Entwicklung und orientiert sich an den alten, klassischen Wettbewerben mit klar geregelten Qualifikationsmerkmalen, kurzen Gruppenphasen und K.O. Runden? Gibt es überhaupt eine Entscheidungsmöglichkeit oder bleibt die Forderung nach mehr Wachstum die einzige Chance? Es bedarf einer grundsätzlichen Diskussion, bei der auch kleinere Verbände und Ligen an den Tisch geholt werden und eine akzeptable Lösung für alle gefunden werden muss. Die Großen dürfen nicht nur an sich selbst denken, die Kleinen müssen dagegen kreativ bleiben und können nicht immer auf Altbewährtes hoffen. In jedem Fall muss erst einmal der Streit zwischen FIBA und Euroleague beigelegt werden. Vielleicht interessieren sich dann in Zukunft ja auch ein paar Leute mehr für die Champions League.


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