16
Sep

Lukas´ Line-Up No.1

„Lukas´ Line-Up“ ist ein neuer Blog bei BIG-Basketball in Deutschland. In meinen Beiträgen, Kolumnen und Gedankengängen werde ich zweiwöchentlich auf fünf aktuelle Themen, besondere Spieler und andere Dinge blicken, die – ganz subjektiv – noch einmal genauere Betrachtung erfordern.  Ich bin ein großer Fan des deutschen Basketballs, im Fokus wird aber nicht nur die BBL stehen. Heute gibt’s Ausgabe eins. Viel Spaß beim Lesen!

Position 1: Paul Zipser – endlich einer, der die Nationalmannschaft trägt

Sicherlich, die Nationalmannschaft ist momentan nicht wirklich auf der Höhe ihres Schaffens; viele Absagen und die ein oder andere moralisch fragwürdige Entscheidung haben dazu geführt, dass unsere Jungs scheinbar etwas kopf- und ziellos durch die EM-Qualifikation stolpern. Stand heute (Freitag) besteht zumindest die begründete Hoffnung, dass die Mannschaft von Headcoach Chris Fleming die Qualifikation noch schafft – und die peinlichen Schlappen gegen die Niederlande und Dänemark nur Stolperfallen sind und nicht Dokument des Scheiterns werden. Viele Experten haben die momentane Situation bereits erörtert – und zurecht harte Kritik geäußert. Das möchte ich heute nicht machen. Auch ein Lob ist durchaus mal angebracht. In Abwesenheit sämtlicher Nationalmannschaftsveteranen haben besonders die Forwards den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gemacht. Daniel Theis (24 Jahre), Danilo Barthel (24) und Paul Zipser (22) sind zu Führungspersönlichkeiten herangereift. Trotz ihrer bisher gesammelten Erfahrungen sind sie zwar dabei selbstverständlich nicht fehlerfrei, aber dennoch: sie übernehmen Verantwortung. Der Neu-Bulle Zipser ist dabei der Auffälligste. Mit durchschnittlich 13.0 Punkten ist er Deutschlands Topscorer – und das mit tollen Quoten. 60.5% trifft Zipser aus dem Feld, 50.0% von Downtown, 91.7% von der Freiwurflinie. 2.0 Assists und 3.4 Rebounds sind ebenfalls ordentliche Werte. Der gebürtige Heidelberger ist mit seinen 22-Jahren in seiner Entwicklung noch lange nicht fertig. Auch das Engagement in Chicago dürfte ihn ein gutes Stück weiter voran bringen. Egal wie es mit der Qualifikation am Ende steht – die Nationalmannschaft braucht Zipser in den kommenden Jahren als Leitfigur. Neben Dennis Schröder muss es in der nahen Zukunft weitere Typen, Vorbilder und Leistungsträger geben. Zipser ist einer von ihnen. Dass er diese Rolle – trotz seines jungen Alters – als ganz natürlich annimmt, spricht für ihn. Und ist zumindest ein Aspekt der einem für die Zukunft der Nationalmannschaft Mut macht.

 

Position 2: Brandon Ashley – Danke Alba!

Die Deutschen sind pünktlich, akribisch, spießig und zurückhaltend – um mal ein wenig die Vorurteile über unser Land heraus zu holen. In Deutschland wird (meistens)auch auf Rechtslagen gepocht, Verträge eingehalten und pünktlich bezahlt. Besonders die letzten beiden Aspekte führen dazu, dass sich der ein oder andere Spieler nicht für einen Wechsel ins sonnige und lebensfrohe Südeuropa entscheidet, sondern ins eher kühlere Deutschland. Vielleicht waren dies nicht die Gründe,  weshalb ein gewisser Brandon Ashley im vergangenen Halbjahr nach Deutschland kam,  aber er (und sein neuer Berater) mussten die Bestätigung dieser deutschen Klischees  am eigenen Leib erfahren. Nach guten Leistungen in der Summerleague wollte der neue Berater seinen Klienten wohl zu lukrativeren Konditionen unterbringen – Ashley reiste, scheinbar freudig, zwar nach Berlin -  trainierte aber nicht mit der Mannschaft. Über mehrere Wochen hinweg gab es unzählige Mutmaßungen,  wie die Zukunft des US-Amerikaners aussehen könnte.

Seit einigen Tagen war absehbar, dass Ashley nicht in Deutschlands Hauptstadt bleiben würde. Zu tief waren die entstandenen Gräben. Trotz einer zugespitzten Situation war das Vorgehen von ALBA Berlin jedoch gut. Man ließ sich nicht unter Druck setzen, verpflichtete erst noch zwei weitere Forwards und kam schließlich noch auf einen (scheinbar) finanziell guten Deal. ALBA hat sich nicht zum Spielball degradieren lassen, sondern das Heft des Handelns letztlich selbst in die Hand genommen – und damit wahre Größe gezeigt. Dieses Handeln tut dem Klub gut und stützt das Renommee des gesamten deutschen Sports. Hier zählen Verträge und der Handschlag noch etwas!

 

Position 3: Philip Zwiener – oder ein deutlicher Schlussstrich hinter das Profi-Dasein: sympathisch!

Jahr für Jahr diskutieren alle deutschen Sportfans über die Probleme aller deutschen Randsportarten. Sprich über alle Sportarten nach dem Fußball. Einer der größeren Nachteile ist, dass Sportler mit einer Karriere im Fußball ausgesorgt haben. Sportler aller anderen Sportarten müssen sich spätestens rund um ihren 30. Geburtstag Gedanken machen, wie es denn weiter gehen soll, wenn der Körper – früher oder später - nicht mehr in bester Verfassung ist. Manch ein Sportler verpasst einen solchen (freiwilligen) Ausstieg, andere wählen diesen Schritt bewusst. Ein aktuelles Paradebeispiel für einen solchen Schritt hat Ex-Eisbär Philip Zwiener geliefert: Der 31-Jährige geht zum Bachelor-Studium für drei Jahre an die Polizeiakademie Niedersachsen – und sportlich von der höchsten hinab auf die dritte Ebene. Doch dieser Schritt ist keine Schande, sondern eine sympathische Entscheidung.

Jeder Sportler hat natürlich das Recht, das Maximale aus sich und seinem Körper heraus zu pressen, um den größtmöglichen Profit zu erzielen. Doch diese sportliche Karriere erfordert viele Entbehrungen – und bringt viele Unsicherheiten mit sich. Trotz dessen ist es nicht normal, dass ein Sportler rechtzeitig einen Schlussstrich unter seine Laufbahn setzt. Es zeugt von einem hohen Maß von Selbstreflexion, Intelligenz und einer bodenständigen Haltung, diesen Schritt zu gehen und kurzfristig zwar nicht das meiste Geld zu verdienen, langfristig aber sein Leben selbstbestimmt zu gestalten. Hut ab an jeden Sportler, der eine solche Entscheidung für sich trifft!


Position 4: Science City Jena – Die „Rentnergang“ um McElroy, Rivera, Jenkins und Bernard weckt Kindheitserinnerungen

In der Saison 2007/2008 war Aufsteiger Science City Jena letztmals erstklassig – nach einem überhasteten Aufstieg folgte prompt der sofortige Wiederabstieg. Neun Spielzeiten später ist der Verein konsolidiert, hat Spieler- und Trainerpersonal komplett gewechselt (und in Headcoach Björn Harmsen auch wieder zurückgeholt), eine neue Arena und bessere Trainingsmöglichkeiten. Der Basketball in der Lichtstadt strahlt wieder in der Beletage. Beziehungsweise soll er das, denn in der bisher einzig erstklassigen Saison der Klubgeschichte fuhr man lediglich fünf Erfolge ein. In der kommende Woche startenden Saison soll dies anders werden – für das Minimalziel Klassenerhalt wurden zahlreiche erfahrene Spieler verpflichtet oder verlängert. Liebe Jena-Macher: Danke für diesen Kader! Denn er weckt zahlreiche Kindheitserinnerungen und Emotionen in mir.

Meine ersten Schritte als Basketball-Fan in der BBL habe ich am 23.04. 2008 gemacht. Ludwigsburg gegen Berlin lautete die Partie in der ausverkauften und stimmungsvollen Rundsporthölle. „Die von ALBA“ waren die absoluten Überflieger, Ludwigsburg der Underdog. Jeder Fan erhoffte sich den Sturz ALBAs – realistisch war dies nicht unbedingt. Das Spiel war jedoch mindestens ein Kampf zwischen zwei Mannschaften auf Augenhöhe – lange Zeit sah es so aus, als das Ludwigsburg das Spiel gewinnen könnte. Am Ende entschied (leider) ein Korb von Sascha Nadjfeij in der Schlusssekunde die Partie. Dennoch: 40 Minuten und das Basketball-Feuer hatte mich erfasst: Ich hatte geklatscht, geschrien, angefeuert und war innerhalb eines Spiels vollkommen elektrisiert für diesen Sport. Brandon Woudstra, Jerry Green, Immanuel McElroy und Julius Jenkins. Mit all diesen Spielern verbinde ich den Beginn meiner Basketballleidenschaft. 2008 spielte man mit McElroy und Jenkins um die Meisterschaft, heute um den Klassenerhalt – der Erinnerung ist das aber völlig egal. Die beiden US-Amerikaner sind zwei ganz Große! Schön, dass die Erinnerung wieder in der BBL zu sehen ist.

 

Position 5: ProA – neue Standards: strukturelles Wachstum verordnet, gut so!

Seit dem Jahr 2007 gibt es die ProA – die junge Liga (DJL, also ProA und ProB) sollte dazu führen, dass die Vereine professioneller arbeiten und der Übergang zur BBL nicht uferlos größer wird – dies ist sicherlich gelungen. Dennoch entwickelt sich natürlich auch die BBL stetig weiter. Und die DJL zieht mit. Gut so!

Die ProA ist schillernd vor Geschichte und Tradition – oder auch vollkommen reizvoll, neu und aufstrebend. Die Entwicklung in der ProA hat Fahrt aufgenommen. Denn die Klubs haben erkannt: Sie müssen wachsen. Kleineren oder alteingesessenen Standorten fällt es dabei durchaus schwer, mit dem Tempo der innovativen oder aufstrebenden Vereine mit zu halten. Nun hat sich die gesamte Liga einen großen Schritt nach vorne bewegt. Auf der Ligatagung im Mai hat die DJL sich selbst Wachstum verordnet, sich selbst ambitionierte Standards auferlegt, sich selbst herausgefordert. Vier hauptamtliche Mitarbeiter, LED-Banden, Jugend-Bundesliga-Teams, Live-Übertragungen der Spiele – diese Aufgaben gilt es in nächster Zeit umzusetzen. Das wird Zeit brauchen, Kraft und Ressourcen kosten und möglicherweise auch den ein oder anderen Verein an seine Grenzen bringen. So schade es für die Fans der jeweiligen Standorte auch ist – für den Basketball ist es gut. Denn der Basketball in Deutschland soll weiter wachsen, neue Zielgruppen erschließen, Marketingplattformen für sich gewinnen. Dafür muss das Produkt attraktiv sein. Was dann möglich ist, sieht man aktuell in der BBL. Volle und moderne Hallen, qualitativ hochwertige Übertragungen, innovative Konzepte. Der Unterbau des deutschen Basketballs tut gut daran, diese Entwicklung nicht zu verschlafen und den Anschluss an das Oberhaus wieder herzustellen.


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