09
Nov

Die undankbare Melkkuh

Plötzlich war ein langes Kapitel beendet. Einfach so. Karsten Tadda wechselte nur wenige Wochen nach Saisonstart von Bamberg nach Gießen. Für Tadda war es nicht nur ein simpler Arbeitgeberwechsel, sondern auch ein vorläufiger Abschied aus seiner Geburts- und Heimatstadt. Der Franke war als Publikumsliebling prädestiniert, schließlich stand mit ihm, aus Fan-Sicht, „einer von uns“ auf dem Parkett. Neben Identifikation kamen noch unzählige Titelgewinne und bedingungsloser Einsatz hinzu.

Die Enttäuschung über den Verlust machte sich schnell bemerkbar, viele Fans wurden mit der Art und Weise des Abgangs nicht warm. Für die Anhänger steht in erster Linie der Verein an erster Stelle, erst danach kommen die Spieler. Für einen kurzen Augenblick wurde diese Rolle jedoch umgedreht, plötzlich wurde der Klub kritisch betrachtet. Die Betonung liegt jedoch auf kurz, denn schon bald ging der Alltag weiter: Bamberg tanzt auf zwei Hochzeiten, Tadda fügt sich so langsam in Giessen ein.

Dieser ganze Vorgang kann auch zum Nachdenken anregen. Wie oft werden Spieler angefeindet, weil sie den „eigenen“ Verein verlassen und sich anderswo für ein höheres Einkommen entscheiden? Gerne ist von „Söldnern“ die Rede. Und das dürfte noch einer der nettesten Begriffe in diesem Zusammenhang sein. Zwar gibt es auch viel Verständnis für Wechsel, da im europäischen Basketball mitunter nicht so viel verdient wird, dass es für den Rest des Lebens reichen würde. Aber wehe der Spieler geht zu einem direkten Konkurrenten!

Genauer gesagt: Wehe der Spieler war gut und geht zu einem direkten Konkurrenten! Konnte er sich nicht durchsetzen, dann wird der Abgang höchstens mit einem Schulterzucken quittiert. Nach dem Motto: „So gut war er ja nicht, der kann ruhig weg“. Das zeigt, dass es eine gewisse Doppelmoral bei uns Fans gibt. Der eigene Verein wird gerne romantisiert, die Spieler dagegen sind die Melkkühe die zu liefern haben. Liefern sie nicht, dann können sie auch weg. Geben sie genug Milch, werden sie dagegen vergöttert. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem sie den Verein verlassen. Dann ist die Enttäuschung groß und man wird nachtragend.

Doch wie groß muss die Enttäuschung für einen Spieler sein, der gerade seine Zelte bei einem Verein aufgeschlagen hat und dann wieder gehen muss? Zum Beispiel wurde noch vor Saisonbeginn in Berlin der Vertrag von Ivan Aska aufgelöst, weil dieser wohl taktisch und spielerisch nicht den Ansprüchen des Vereins genügte. Für Aska sollte Berlin ein großer Karriereschritt werden, der vorzeitige Abgang muss für ihn persönlich unglaublich bitter gewesen sein. Auch Ludwigsburg „glänzt“ seit geraumer Zeit mit einer unglaublich konsequenten Hire-and-Fire Politik. Wer nicht liefert muss gehen, für die meisten BBL-Vereine ist das Standard.

Profi-Sport ist ein knallhartes Business, für Sentimentalitäten bleibt da wenig Platz. Es geht um Erfolg und Geld, fehlende Leistung wird nicht hingenommen. Das ist ein Fakt, an dem auch nicht unbedingt gerüttelt werden muss. Aber vielleicht wäre es aus Fan-Sicht manchmal auch gerechter, wenn der eigene Verein nicht übermäßig romantisiert wird und man an die Spieler denkt, die gnadenlos aussortiert werden, bevor das nächste Mal „Söldner!“ gerufen wird. Etwas Einfühlungsvermögen kann der Sportart sicherlich nicht schaden.


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