29
Jun

Advanced Zahlensalat - Eine kritische Analyse der Deutschenquote in der Beko BBL

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Vor gut zwei Wochen veröffentlichte die Beko BBL die neuesten Zahlen bzgl. der „deutschen Minuten“, just als auch ich über meinen Statistiken brütete. Jetzt, da Excel förmlich glüht, bin auch ich bereit, meine Sicht auf die deutschen Minuten darzustellen.

Dass ich bei meinen Berechnungen der deutschen Spielzeit auf leicht unterschiedliche Werte als die Liga komme, schiebe ich an dieser Stelle einfach mal auf Rundungsfehler und Zahlendreher. Aber es geht mir auch viel weniger um einen Vergleich „wer hat besser gerechnet“, als viel mehr um eine etwas tiefergehende Betrachtung dieser Zahlen, als die Beko BBL es in ihrer Pressemitteilung tat.

Die Beko BBL kommt hier auf 31,11 Prozent Einsatzzeit für deutsche Spieler. Ich komme auch nach wiederholtem Taschenrechner misshandeln nur auf 29,73 Prozent. Dabei habe ich noch nicht einmal etwaige Overtimes mit eingerechnet, da diese auf der Homepage der Beko BBL nicht direkt ausgewiesen werden und ich schlicht und einfach nicht die Zeit hatte mir alle Boxscores auf der Suche nach Overtime-Spielen zu machen. Als Grundlage für meine Zahlen dienen also 34 Spiele á 40 Minuten pro Team.

Nachdem die Beko BBL die fünf Vereine mit den größten Anteilen an deutschen Spielern präsentierte, gibt es an dieser Stelle von mir eine Gesamtübersicht:

 

 

Die meiste Einsatzzeit für deutsche Spieler gibt es also in Frankfurt, Ulm, Bamberg und Bayern. Die wenigste in Bonn, Weißenfels, Hagen und Braunschweig. So weit so wenig überraschend und größtenteils bekannt.

Nun tauchen wir aber gemeinsam etwas tiefer in das Zahlenmaterial. Insgesamt wurden nach meiner Berechnung 126 Spieler mit deutschem Pass eingesetzt, das ergibt stolze 7 Spieler pro Team. Spitze auch hier: Die Fraport Skyliners mit insgesamt 10 eingesetzten deutschen Spielern. Am Ende des Feldes: Der MBC mit lediglich 5 eingesetzten Spielern mit deutschem Pass.

Interessanter wird nun der Blick auf die Minutenverteilung: Von diesen 126 Spielern spielten lediglich 16 im Schnitt über 20 Minuten pro Spiel, mit Anton Gavel (29:15 Minuten) an der Spitze. Das macht nach Adam Riese einen Prozentsatz von nur 12,7% eingesetzten deutschen Spielern, die wirklich dauerhaft signifikante Spielzeit erhielten. Die andere Seite der Medaille weist 38 Spieler mit unter fünf Minuten Spielzeit im Schnitt aus. Über 30 Prozent (30,16 %) der eingesetzten Deutschen dienen also dazu, die Bank zu wärmen und Handtücher zu wedeln, bzw. den Spielberichtsbogen zu füllen. Folgende Tabelle sollte sich im Optimalfall umkehren um von einer wirklich durch und durch erfolgreichen Entwicklung der deutschen Talente zu sprechen:

 

 

Auch der Blick auf die von deutschen Spielern erzielten Punkte verstärkt, was auch durch die Tabelle der Top50 Scorer der Liga auffällt: Die deutschen Spieler haben noch immer nicht den ganz großen Impact auf die Liga. Lediglich jeder vierte erzielte Punkt kommt von einem Spieler mit deutschem Pass:

 

 

Die fehlende Wertschätzung für deutsche Spieler schlägt sich auch besonders in den Playoffs nieder. In dieser Phase, in der es für die meisten Teams um Alles oder Nichts geht, werden die Rotationen verkürzt und nur noch die Spieler eingesetzt, denen der Couch vollends vertraut. Wenig verwunderlich, dass es hier die deutschen Spieler trifft, die aus den Rotationen purzeln. Die prozentuale Spielzeit sinkt von 29,73 Prozent in der Hauptrunde auf 28,64 Prozent in den Playoffs. In der Übersicht sieht das wie folgt aus:

 

 

Von den acht Playoff-Teams reduzierten fünf die Einsatzzeit ihrer deutschen Spieler. Auffällig sind an dieser Stelle die Bayern, die als einziges Team die Spielzeit signifikant steigern konnten (von 36,89 auf 40,96 Prozent) und die Artland Dragons, bei denen sich  Spielzeit der deutschen Spieler mehr als halbiert hat (von 27,97 auf 12,25 Prozent). Für beide Teams bietet sich an dieser Stelle nochmal ein Blick auf Kader an:

 

 

Von den sechs eingesetzten Spielern mit deutschem Pass verzeichneten Yassin Idbihi, Heiko Schaffartzik und Steffen Hamann Steigerungen in der Spielzeit. Gründe hierfür finden sich mitunter in der Verletzung von Djedovic, die Platz auf der Zwei schaffte, sowie in der Degradierung von Troutman. Dennoch ist das Bild recht ausgeglichen, ganz anders sieht das bei den Artland Dragons aus:

 

 

Die Spielzeit sämtlicher deutscher Spieler wurde signifikant verringert, während die der amerikanischen Kollegen dementsprechend anstieg. Bedingungsloses vertrauen in die inländischen Spieler sieht definitiv anders aus, spiegelt aber auch das Grundproblem der Deutschenquote wieder.

FAZIT:

Natürlich ist es erfreulich, dass man mittlerweile bei 30% Spielanteilen für deutsche Spieler steht. Das war vor einigen Jahren noch nicht denkbar und ist eine positive Entwicklung. Eine Entwicklung die zwar weitergeht, aber tendenziell eher stagniert. Über 15 Minuten pro Spiel erhalten gerade mal 34 Spieler in der Liga, das sind nicht einmal zwei Akteure pro Team und nach wie vor zu wenig. Unter diesen 34 sind auch Spieler wie Chad Topper, Robin Smeulders, Adam Waleskowski, Adam Hess und Anton Gavel, die aus verschiedensten Gründen nicht für Deutschland auflaufen können oder werden. Nur sechs dieser 34 Spieler erzielen im Schnitt mehr als 10 Punkte.

6+6 war ein guter Schritt, der es erst ermöglicht hat, diese ominöse 30%-Marke zu erreichen, an der man sich jetzt entlang hangelt. Aber man darf sich dort an dieser Stelle nicht ausruhen und muss den nächsten Schritt wagen. Für viele Vereine sind deutsche Spieler nach wie vor ein notwendiges Übel, dass man verpflichtet um genügend Spieler auf dem Spielberichtsbogen zu haben. Eingesetzt werden diese dann kaum. Das bringt weder die Spieler noch den deutschen Basketball voran. Die Liga krankt nach wie vor an dem zu geringen Einfluss deutscher Spieler, die zwar vermehrt „da sind“, aber immer noch im Schatten ihrer ausländischen Kollegen stehen (von wenigen Ausnahmen abgesehen). Die Liga muss für die Vereine eine Motivation schaffen, die deutschen Spieler auch tatsächlich einzusetzen. Ein Modell, ähnlich der Feldquote, bei der es für die Teams verpflichtend ist, eine bestimme Anzahl inländischer Spieler auf dem Court zu haben, halte ich für durchaus sinnvoll. Dieser Schritt wäre eine logische Konsequenz aus 6+6. Man hat nun die Grundlage geschaffen, deutsche Spieler in den Mittelpunkt zu rücken, aber man darf sich dort nicht ausruhen. 30% Spielanteile reichen nicht, wenn man diese im Detail analysiert. Ich sehe "nur" mit 6+6 keine signifankte Steigerung der ca. 30% auf die Liga zukommen. Die Beko BBL ist noch immer eine Liga, die von ausländischen Spielern nicht nur bereichert sondern dominiert wird. Hier ist ein gesünderes Verhältnis notwendig um 2020 wirklich zu Europas Spitze zu gehören.

 

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