24
Mär

Livestream - Auch diese Medaille hat zwei Seiten

ffbreak

Wir alle sind aus Fansicht natürlich hocherfreut über die mittlerweile sehr große Auswahl an Livestreams zu den Spielen der Beko BBL. Bis zu sieben Spiele werden pro Spieltag live übertragen und das beste daran: Man bezahlt als Fan keinen Penny dafür. Zustände wie im Schlaraffenland und noch vor einem Jahr undenkbar. Aber auch hier ist nicht alles Gold, was glänzt...

Schlaraffenland bedeutet übersetzt soviel wie "Das Land der faulen Affen“. Nun bin ich weit davon entfernt, den gemeinen Basketballfan als faulen Affen zu demaskieren. Jedoch liegt in dieser wörtlichen Übersetzung auch ein Körnchen Wahrheit. Der faule Affe zeigt sich in uns allen immer wieder, wesentlich bekannter als innerer Schweinehund. Und wenn wir ehrlich sind: Es hat doch durchaus seinen Reiz, es sich mit einem Kaltgetränk und Chips mit einem Kumpel vor dem Rechner/Fernseher gemütlich zu machen, statt sich fünf Stunden in den Bus zu setzen oder den langen Fußmarsch zur Heimhalle anzutreten. Besonders, wenn das „eigene“ Team sowieso gerade eher enttäuscht als begeistert und die Eintrittspreise in den Arenen auch nicht so immer schüler- und studentenfreundlich sind, gerät man ins Grübeln.

Gespräche mit Vereins- und Fanvertretern bestätigen diesen Eindruck: Seit dem Überangebot an Streams lässt die Beteiligung, gerade bei Auswärtsfahrten, etwas nach. Nicht dramatisch und auch noch nicht durch Zahlen belegt, aber die Tendenz scheint sich abzuzeichnen. Dem faulen Affen werden sehr viele Bananen hingeworfen.

Ein Stream ist immer auch eine Plattform für Sponsoren und Werbetreibende. Die Streams bieten gerade für die Unternehmen, die eher regional aufgestellt sind, eine flächenmäßig weitere Reichweite als beispielsweise Bandenwerbung. Der Streuverlust fällt dabei geringer aus als bei einer Anzeigenschaltung in einem bundesweiten Fachmagazin bzw. einem Spot im nationalen TV. Größere, überregional agierende Unternehmen werden jedoch von der geringen Reichweite und Streuung (das Spiel Tübingen gegen Hagen wird nun einmal vornehmlich von Tübingern und Hagenern angeschaut) nicht gerade angelockt. Aber ist es nicht das, was dieser Sport nach wie vor benötigt? Große, bundesweit agierende Sponsoren mit einer gewissen Stabilität und finanzieller Power sind für das Wachstum der Sportart in Deutschland unabkömmlich und nach wie vor viel zu rar gesät. Livestreams bieten für diese noch(!) zu geringe Anreize, in den Sport zu investieren. Im Gegenteil ...

... sie bedrohen gar die Präsenz des deutschen Basketballs im TV. Es ist zu befürchten, dass die Streams aktive Zuseher der TV-Übertragung abtragen, die dringend notwendig wären, um die Sportart auch weiterhin im nationalen TV-Programm zu halten. Zum einen geschieht das durch parallel laufende Spiele (logisch) und zum anderen einfach durch eine drohende Übersättigung. Wenn man über's Wochenende bereits zwei bis drei Spiele via Stream verfolgt hat, ist der Drang zum Einschalten des TV-Gerätes zum vierten Spiel des Wochenendes weniger stark, als wenn man noch ausgehungert ob der spärlichen Übertragungen auf jeden Schnipsel Basketball hinfierbert, egal ob da zum dritten Mal in Folge die Bayern spielen. Natürlich kann man an dieser Stelle über das Thema Quotenermittlung im deutschen TV diskutieren, das erspare ich mir aber bewusst. Die Präsenz im TV nach wie vor essentiell wichtig für das Wachstum der Sportart. Nur dort können Gelegenheits-Verfolger und gemeine Sport-Fans abgeholt und infiziert werden, um sich schließlich auch für die Streams zu interessieren.

Abschließend sei gesagt, dass ich den Livestreams in keinster Weise einen schwarzen Peter zuschieben möchte. Auch ich freue mich immer wieder diebisch, wenn ich trotz 600 km Entfernung beinahe jedes Spiel meines Lieblingsverein miterleben darf, als wäre ich live dabei. Jedoch mehren sich die Stimmen aus Vereinen und Vereinsumfeldern, die sich kritisch über Livestreams äußern. Diese Punkte sind für mich nicht ganz von der Hand zu weisen.

Wie bei fast allen derartigen Projekten gibt es neben den zahlreichen Chancen, die sie eröffnen, auch einige Risiken. Diese darf man nicht aus den Augen verlieren, um für das große Ganze ein bestmögliches Resultat zu erzielen. Livestreams sind dabei bzw. haben es bereits geschafft, die Basketball-Medienlandschaft neu zu strukturieren. Ligen und Vereine sollten es an dieser Stelle nicht verpassen, sich entsprechend darauf einzustellen, um Chancen nicht ungenutzt zu lassen und Risiken nicht zu Problemen heranwachsen zu lassen.

Zur kommenden Saison sollen Livestreams für alle Teams verpflichtend werden. Hier ist es nun an der Beko BBL in Zusammenarbeit mit den Vereinen diese Streams möglichst zentral zu vermarkten, im Sinne der Nachhaltigkeit für den Basketball in Deutschland.

 

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