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Okt

BIG-Appetizer: Interview mit Frank Menz

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Frank Menz aus der BIG #23.

FRANK MENZ geht in sein erstes großes Turnier als Bundestrainer. Bei der EM in Slowenien soll eine neue Generation den deutschen Basketball vertreten, die NBA-Profis fehlen. Aber Menz hat sich schon einige Konzepte zurechtgelegt, um für Überraschungen zu sorgen

Herr Menz, am 4. September startet Ihr Team gegen Frankreich in die EM. Eine Mannschaft, gespickt mit NBA-Profis. Ihnen fehlen dagegen wichtige Leistungsträger. Dirk Nowitzki ist nicht mehr dabei, einige Spieler konnten die Vorbereitung über kaum trainieren. Was wird das für eine EM – und was dürfen wir von der deutschen Mannschaft erwarten?

Richtig, wir müssen erst mal gucken, wie wir personell aufgestellt sind. Robin Benzing hat acht Wochen nicht trainiert. Philipp Schwethelm musste – wie auch Daniel Theis und Philipp Neumann – verletzungsbedingt absagen. Wir sind personell geschwächt. Nichtsdestotrotz: Man muss das Gesamtziel im Auge haben. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den Spielern, die wir haben, Spiele gewinnen können – wenn man eine gute Atmosphäre hat, wenn man füreinander spielt, intensiv spielt und viele Dinge besser macht als der Gegner. Auch wenn man weniger Erfahrung und weniger Athletik hat. Aber ehrlich: Über Ergebnisse mache ich mir zum jetzigen Zeitpunkt wenig Gedanken. Wir werden sehen, was geht und was nicht.

Auf Dennis Schröder müssen Sie verzichten. Wie haben Sie den Hype wahrgenommen, der nach der Draft um ihn ausgebrochen ist?

Für den Jungen ist das ganz schön viel. Man kann sich da gar nicht reinversetzen. Ich habe mit seinem Berater, Ademola Okulaja, der ja in den USA alles gespielt hat,  etwa am College in North Carolina, mehrere Gespräche geführt. Er meint, es ist unvorstellbar, wie die Leute, ob Journalisten, Trainer oder Fans, an Dennis herumzerren, Tipps geben. Es ist eine extreme Belastung für Dennis. Emotional, psychisch und physisch.

Aber da müssen auch andere durch.

Dazu, dass er den Schritt geschafft hat, kann man ihn nur beglückwünschen und sich für ihn freuen. Er hat zwei Jahre Vertrag. Er wird alles tun, was in seiner Macht steht, um auf diesem Niveau mitzuhalten. Ganz gleich, was daraus wird: Es ist eine großartige Erfahrung. Er verdient gutes Geld. Also, was will man mehr?

Man hat schon den Eindruck, dass ihm der Spielstil in der NBA entgegenkommt. Das deuteten überzeugende Auftritte in der Summerleague an.

Definitiv. Das ist genau sein Spiel. Das Schnelle, Athletische ist seine Stärke. Das hat er in seiner kurzen Laufbahn in Deutschland gezeigt, und das ist letztlich auch die Anforderung in der NBA. Um in Europa zu spielen, braucht man auch andere Fähigkeiten, hier wird teamorientierter, taktischer gespielt. Der Ball wird mehr bewegt und weniger festgehalten. In den USA sind die Athletik und die Bühne riesig.

Kann es Schröder schaffen?

Ja. Er hat die Athletik, er hat die Skills. In der NBA wird er sicherlich auch noch ein paar Kilos zulegen müssen, um mitzuhalten. Und er muss auch basketballerisch zulegen.  Aber, hey: Der Junge ist 19 Jahre alt. Es ist alles möglich.

Schröder fehlt, der Chef auf der Spielmacherposition wird Heiko Schaffartzik sein. Sie hatten schon angedeutet, dass Schaffartzik das Team anführen soll.

Heiko ist der älteste und erfahrenste Spieler. Er ist jemand, der polarisiert und Führungsqualitäten hat. Er zieht die Mannschaft mit, er kann sie beeinflussen. Aber er muss sich auch kontrollieren. Er muss sich selbst zurücknehmen können, das gehört zum Programm dazu. Es ist für ihn auch ein Spagat. Er muss die Mannschaft anführen, aber das kann man nicht nur durch Punkten machen.  Wir hatten in der Vorbereitung ein Spiel, da waren alle vom harten Training sehr müde. Und dann muss man mal das Tempo kontrollieren, Würfe weglassen, lange spielen. Heiko kann das – das hat er da schon angedeutet. In dem Spiel etwa hatte er am Ende nur drei Punkte – aber zehn Assists. Das ist es, was ich erwarte. Heiko wird aber nicht nur auf der Point-Guard-Position spielen, er wird auch viel auf der Zwei spielen. Dort hat er große Stärken. Er ist ein Scoring Guard und kann übernehmen, wenn es sein muss.

Das hat er mit Lucca Staiger gemeinsam. Dem eilt der Ruf voraus, kein Verteidiger zu sein.

Lucca hängt sich gut rein. Natürlich hat er offensiv große Qualitäten. Ich denke, er hat jetzt noch Zeit, um weiter zu arbeiten, damit er bei der EM ein solider, ordentlicher Verteidiger wird. Er ist keiner, dem du einen Gegenspieler gibst und der ihn dann aus dem Spiel nimmt. Aber er muss dazu in der Lage sein, seinen Mann vor sich zu halten. Dort hat er sehr gut gearbeitet. Er kann vom Training bei uns extrem profitieren. Er muss lernen, in der Defensive individuell taktisch zu spielen, den richtigen Abstand zu finden. Er muss wissen, bei welchem Spieler er wie und wo zu stehen hat, die Winkel müssen stimmen, die Füße müssen richtig stehen. Das hilft ihm weiter, um in der Verteidigung nicht abzufallen.

Dort geht es um Geschwindigkeit. Ist das bei Ihren Guards ein Problem? Der erste Gegner heißt Tony Parker.

Eher das Gegenteil. Wir sind selbst schnell, sehr schnell, manchmal ein bisschen überschnell. Das ist ein wichtiges Thema für diese junge Mannschaft. Dieses Team will schnell spielen, will mutig spielen. Das kann nur gut gehen, wenn die Spieler extrem diszipliniert sind und auch mal einen Wurf weglassen. Einer muss das auf dem Feld im Griff haben.

An wen denken Sie dabei?

Zunächst an alle Aufbauspieler. Per Günther spielt sehr schnell, Basti Doreth spielt sehr schnell, Dennis hätte schnell gespielt und Heiko kann ebenfalls Tempo machen und sehr schnell werfen. Manchmal gehen ihnen die Pferde durch, da sind sie sich alle sehr ähnlich. Weil sie alle große Offensivqualitäten haben. Es wird die Kunst sein, auch mal auf die Bremse zu treten. Davon wird viel abhängen. Dass man, wenn man führt, nicht sofort zweimal schnell abschließt und Fast Breaks kassiert. Dann geht es hoch und runter, das ist auch nicht meine Philosophie.

Sondern?

Wir wollen aggressiv verteidigen und schnell spielen, klar. Aber diszipliniert. Es darf kein Chaos entstehen. Wir werden sehen, welcher Guard das Tempo am Ende am besten kontrolliert.

Vielleicht Per Günther?

Per ist wie immer positiv. Basketballerisch ist das schon sehr gut. Offensiv hat er Vorteile, weil er so schnell ist. Defensiv hat er Nachteile, weil er kleiner ist. Also muss man gucken, dass wir seine Stärken besser nutzen, wenn er über das ganze Feld spielt. Er wird viel Druck machen müssen, das muss er bringen. Dann ist es für größere Guards sehr, sehr unangenehm, gegen ihn zu spielen. Für diese Aufgabe muss er richtig fit sein, und am Anfang war das schwer für ihn, weil er nach seiner Muskelverletzung einige Zeit nicht richtig trainieren konnte. Deshalb ist das eine extrem hohe Belastung für ihn. Aber er ist sehr wichtig für die Mannschaft, weil er Ulm in den vergangenen Jahren exzellent geführt hat. Er hat bei der Quali im vergangenen Jahr sehr gut gespielt. Ich gehe davon aus, dass er das sehr gut hinkriegt.

Und auf der Drei?

Ich hatte mit Philipp Schwethelm und Niels Giffey geplant. Philipp ist draußen. Jetzt müssen wir sehen, wie Philip Zwiener oder Lucca Staiger Spot übernehmen können.

Bei Zwiener hatte man im vergangenen Jahr den Eindruck, dass er auf der Stelle tritt.

Philip hat sich bei uns im Training von Woche zu Woche entwickelt. Ich glaube, dass er der Mannschaft helfen kann. Generell sind einige Spieler zum Start des Trainingslagers nicht in der besten physischen Verfassung angetreten. Das ist für mich für die kommenden Jahre ein großes Thema. Deswegen bin ich zufrieden, dass ich so früh angefangen habe, ganz ehrlich. Demnächst werden wir das ändern.

Was planen Sie genau?

Wir werden mit den BBL-Vereinen sprechen und Zeitfenster benennen, wann wir Leistungsdiagnostiken machen. Wir müssen mit den Vereinen künftig besser zusammenarbeiten. Eine Leistungsdiagnostik planen wir für die Nationalspieler rund ums Allstar-Game. Nach Saisonende des Spielers soll er eine Woche Pause bekommen, dann eine Woche trainieren – und dann die nächste Leistungsdiagnostik absolvieren. Wir erhalten dann Daten, auf deren Basis wir dem Spieler Trainingsprogramme mitgeben können. Dann kommen die Spieler auch topfit zu uns. So muss es sein. Die Konkurrenz wird immer größer.

Haben sich einige Spieler nach ihrem Saisonende hängen lassen?

Wie gesagt, einige Werte sprechen für sich. Einige waren beim Auftaktlehrgang nicht so fit, wie sie sein sollten.

Haben Sie das klar angesprochen?

Natürlich. Man kann nicht in der Bundesliga Profi sein und dann fünf, sechs Wochen Pause machen, das geht nicht. Wenn man so ein langes Turnier erfolgreich bestreiten will, muss man Grundlagen haben. Sonst hat man im letzten Turnierviertel, ob es um den Titel, gegen den Abstieg oder um die Platzierungsspiele geht, keine Chance. Nur das ist professionell, alles andere ist nicht professionell.

Einige Spieler waren auch topfit?

Es gibt einige, die sehr gut gearbeitet haben.  Johannes Lischka, Alex King und Nico Simon, das sind drei Spieler aus der zweiten Reihe, die wussten, dass sie nur eine Chance haben, wenn sie topfit zu uns kommen. Und das haben sie auch gemacht. Und das sieht man auch bei der Leistungsdiagnostik.

Hat ein Mann wie Lischka, der zur zweiten Reihe zählte, eine Chance?

Ich habe mit Johannes schon viel gearbeitet, bei der A2-Nationalmannschaft oder auf Lehrgängen. Ich kenne ihn aus der Bundesliga. Ich habe ihn bei der Universade monatelang auf der Drei starten lassen, das waren 25 Länderspiele. Er hatte 8 Kilo abgenommen, war topfit und ragte aus dieser Mannschaft – mit Doreth, Tadda, Simon und Seiferth – offensiv heraus. Defensiv war das auch in Ordnung, im Spiel um Platz 5 gegen die Amerikaner hat er 28 Punkte gemacht, und das war ein gutes US-Team mit vielen Spielern von Top-Colleges. Ich halte eine ganze Menge von ihm. Er hat die Chance noch nicht bekommen. Bei mir kriegt er sie jetzt. Die Jungs, die in den letzten Jahren bei mir gut waren, werden ihre faire Chance bekommen. Sie müssen sich mit anderen Spielern vergleichen. Die Guards, etwa ein Heckmann oder ein Simon, mit Heiko und Per oder mit Lucca Staiger. Am Ende spielen die Spieler die EM, die am hungrigsten sind. Und die müssen richtig Lust haben, brennen, hinter dem Programm stehen. Man kann den Hund nicht zu Jagd tragen. Wenn man Nationalmannschaft spielt, dann nur ganz oder gar nicht. Aber das machen ja die meisten.

Also ist Lischka dabei?

Er macht das ordentlich, aber man muss abwarten, auf welchem Level er auch defensiv spielen kann. Da hat er in den letzten Jahren aus meiner Sicht nicht immer top gearbeitet. Er war sehr offensivlastig, was er sehr gut macht. Jetzt wird er auch besser und besser in der Verteidigung. Und das war bisher immer sein limitierender Faktor für eine EM-Teilnahme, wie er die Leute halten kann, wie er ausboxt.

Womit wir bei den großen Spielern wären. Maik Zirbes hat seine erste Saison in Bamberg hinter sich.

Maik hat viel Potenzial, sehr viel Potenzial. Ich habe viele Gespräche mit ihm geführt. Er wird uns helfen, er wird auch viel spielen. Aber er muss verstehen, dass er noch deutlich besser werden kann. Und die Wege akzeptieren, die zu dieser Verbesserung führen.

Tibor Pleiß?

Tibor ist klasse. Er kam einige Tage später als die anderen, arbeitete so hart wie er konnte und freute sich einfach, bei uns zu sein. Er wirkt mental stabil und körperlich gut. Man merkt ihm an, dass seine Rolle nicht bedeutend war. Bei uns wird diese Rolle viel größer sein. Er kann an seiner persönlichen Entwicklung arbeiten, Führungsqualitäten entwickeln – das sind wichtige Erfahrungen für ihn.

Sind Heiko Schaffartzik und Tibor Pleiß dann die EM-Korsettstangen?

Na ja, das ist schwer. Von der Erfahrung her ragen Heiko, Per, Robin und Tibor heraus, dazu Lucca Staiger als Topscorer der Quali. Der Rest ist sehr unerfahren. Tibor hat bei der Weltmeisterschaft gespielt und gut gepunktet. Ich glaube nicht, dass bei uns ein Scorer herausragen wird. Ich glaube, das wird sich gleichmäßig verteilen. Weil wir extrem teamorientiert spielen wollen. Es wird nicht jeder sein eigenes Ding machen können. Und wir werden sehen, wer die Spieler sind, die dann dazu in der Lage sind, auf Top-Niveau auch Akzente zu setzen.

Wie schwer wiegt der Verlust von Elias Harris?

Elias ist physisch sehr stark und hätte uns natürlich auf der Position vier sehr geholfen. Er ist ja athletisch sogar in den USA aufgefallen. Aber es nützt jetzt nichts, zu jammern. Er sieht seine Chance bei den L.A. Lakers und will sie nutzen, dafür habe ich Verständnis und Akzeptanz. Das Gleiche gilt im Prinzip für Dennis Schröder. Ich plane langfristig mit Elias und Dennis. Ich vertraue den Jungs, die hier sind. Ich sehe sie jeden Tag im Training, ich sehe, dass sie mitziehen und mein Konzept bei der EM komplett umsetzen werden.

Wer soll die athletischen Forwards bei den Gegnern jetzt stoppen?

Es geht nur als Mannschaft. Wir haben auf der Forward-Position keine überragenden Verteidiger, die einen Gegner komplett aus dem Spiel nehmen können. Von daher sind wir darauf angewiesen, konzentriert und intensiv als Team zu verteidigen und es so zu schaffen, starke Forwards der Gegner nicht so sehr ins Spiel kommen zu lassen.

Auf welchem Niveau sehen Sie Ihr Team im Vergleich zu den Top-Favoriten?

Mit den großen Basketball-Nationen können wir nicht mithalten, das steht fest. Das ist auch nicht das Ziel.

Sondern?

Nehmen wir die Spanier. Okay, man muss gucken, in welcher Verfassung die sind und in welcher Formation. Aber dann vergleichen Sie mal, wo die Einzelspieler spielen ...

In der Euroleague oder in der NBA ...

Richtig. Und jetzt noch die Statistiken ...

Da sehen wir viele Topwerte.

Also, dann wissen Sie Bescheid. Es ist für mich völlig unerheblich, wie wir gegen solche Teams abschneiden. Für mich ist wichtig, dass wir unseren Basketball spielen.

Welchen Basketball sehen wir?

Teamorientiert und diszipliniert. Sich nicht gehen zu lassen, das Team zu sehen und nicht unbedingt sich. Dazu gehört, sich Fragen zu stellen: Wie bereitet man sich vor, mental und physisch, wie gehe ich mit den Mitspielern um, wie gehe ich mit den Schiedsrichtern um? Das gehört alles zur Disziplin, dass hat alles Auswirkungen aufs Spiel. Disziplin ist aber auch: Welche Würfe nehme ich und wann lasse ich einen aus? Dafür muss ich mich selbst disziplinieren, extrem disziplinieren, eben das Ding nicht draufzuhauen, obwohl ich gerade frei stehe, obwohl der Center frei ist oder ein Lucca Staiger neben mir steht. Oder eine Aktion mal abzubrechen, sich auch an taktische Vorgaben zu halten. Das ist nicht nur Disziplin, es hat auch viel mit Konzentration zu tun, in der Verteidigung die richtige Position zu haben, nicht auf jede Täuschung reinzufallen, zu helfen, zu rotieren.

Und, schaffen Sie das?

Ich glaube, wir werden das schaffen. Dass wir intensiv spielen können, steht außer Frage. Wir werden versuchen, so aggressiv wie möglich zu spielen und jedem Gegner das Gefühl zu geben, dass es gegen uns keinen Spaß macht. Wir werden versuchen, schnell zu spielen, einfache Punkte zu machen, die Balance zu finden und taktisch top zu sein. Das ist die Schwierigkeit, das hinzubekommen. Das ist nicht einfach: Wann ist zu früh, wann ist zu viel, wer darf wann werfen? In welcher Phase? Nun bin ich leider nicht in der Lage, wie ein Bundesliga-Trainer ein Team über Jahre zusammenzubauen. Ich habe fünf, sechs Wochen, und dann müssen meine Spieler alles draufhaben. Da ist sehr wenig, das muss auch physisch hinhauen. Ich denke, man merkt, dass wir Spaß an diesem Spiel haben. Und das ist sehr wichtig. Wozu das reicht, ist dann Tagesform.

Es geht um Strukturen, das haben Sie schon zum Start Ihrer Amtszeit gesagt. Sehen Sie Fortschritte?

Ich weiß, dass wir einen hervorragenden Nachwuchs haben. Wir haben Verantwortung als DBB-Spieler und -Trainer und müssen uns darüber im Klaren sein. Wir brauchen mehr Identität. Wir müssen sehen, dass wir da weiterkommen. Es geht um Entwicklung, nicht um einen kurzfristigen Erfolg bei der EM. Das ist natürlich gut, aber nur dann wirklich sehr gut, wenn es nachhaltig ist. Ein wichtiger Aspekt ist, in diesem Sommer rauszubekommen, mit welchen Spielern man auch perspektivisch in den nächsten Jahren zusammenarbeiten möchte. Man wird sehen, wer mitzieht. Und man wird sehen, wem das schwerfällt, wer vielleicht eher auf sich guckt, wer mehr Eigeninteresse hat. Letztlich ist der deutsche Basketball wichtig, das Team ist wichtig, der Einzelne nicht so sehr. Man braucht ein bisschen Hierarchie, die wird sich entwickeln, man wird sehen, wer anführen kann.

Spüren Sie Druck?

Ich habe das Gefühl, dass mir die Verantwortlichen vertrauen. Sie haben mich jahrelang arbeiten sehen und bekommen das von den Spielern mit, die ich trainiert habe. Ich denke, dass jedem klar ist, dass ein Umbruch Zeit braucht. Auf der anderen Seite weiß ich, wie das Geschäft läuft, ich bin da auch nicht blauäugig.

Sie werden nicht nervös, wenn die Erfolge ausbleiben?

Ich werde wegen des kurzfristigen Erfolges den langfristigen nicht infrage stellen. Ich werde keinen Spieler mitnehmen, der uns kurzfristig weiterhilft, aber bei der Entwicklung nicht. Das ist nicht Sinn und Zweck. Sinn und Zweck ist es, die besten Talente, die wir haben, so früh wie möglich ans Top-Niveau heranzuführen. Und das mache ich. Und ich denke, dass die Verantwortlichen das auch mittragen. So ist es besprochen. Ich habe einen langfristigen Vertrag bis 2016 und gehe davon aus, dass ich das die nächsten Jahre mache.

Wenn man provokant wäre, könnte man sagen, dass ein Comeback von Dirk Nowitzki gar keinen Sinn mehr ergeben würde.

Das würde immer Sinn ergeben. Das muss von seiner Seite funktionieren, er muss motiviert und ausgeruht sein, das muss mit den Mavericks funktionieren. Und wenn das so ist und wir immer besser werden, dann ist es auch kein Problem, dass da noch ein Spieler mit seiner Erfahrung dazustößt, der uns  weiterhelfen kann. Aber jetzt ist die Situation so, wie sie ist – es ist gut mit ihm und es ist gut ohne ihn. Denn letztlich bekommen die anderen die Chance, sich zu zeigen. Es fehlen noch einige wie Daniel Theis und Philipp Neumann, die verletzt sind. Da kommen noch einige Jungs nach.

Und Tim Ohlbrecht?

Ich habe ihn im Blick. Aber er will in diesem Sommer den Sprung in die NBA schaffen. Er hat mir für diesen Sommer abgesagt – und auch das akzeptiere ich natürlich.