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Jun

BIG-Appetizer: Ariel Hukporti

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat haben wir den Text über Ariel Hukporti aus BIG #75 für Euch. 

Ein Riese bald ganz groß

Ariel Hukporti gehört zu den größten Center-Talenten Deutschlands. Obwohl er erst 16 Jahre alt ist, nominierte ihn U18-Bundestrainer Alan Ibrahimagic für den Kader beim Albert Schweitzer Turnier. Bei der Porsche BBA Ludwigsburg soll er in den nächsten Jahren den Schritt zum BBL-Spieler machen. Text: Alexander Büge. 

Immer wenn Ariel Hukporti über den Hof seiner Freiburger Schule lief, war er nicht zu übersehen. Selbst inmitten der Lehrer ragte der in Stralsund geborene Junge mit togoischen Wurzeln heraus. Doch nicht nur da. Der Linkshänder ist überall der Größte. Im Kino, beim Konzert oder in der Fußgängerzone der Stadt. Denn im Alter von neun Jahren misst Hukporti 1,80 Meter, an seinem jüngst gefeierten 16. Geburtstag sogar 2,14 Meter. Während Nationalspieler wie Tibor Pleiß sich längst an die Vor- und Nachteile ihrer Körperausmaße gewöhnt haben, war die Situation für Hukporti in den letzten Jahren nicht immer einfach. Zwar erfreute er sich aufgrund seiner Größe immer vieler Freunde. Doch in der Schule und im Alltag wurde er auch mit Situationen konfrontiert, die einen Teenager überfordern können. Kinder und Jugendliche gehen mit Sachen, die neu, anders oder eben von der Norm abweichend sind, nicht immer unbedingt tolerant um. „Leider ist es bei großen Menschen oft so, dass sie im Kindesalter Außenseiter sind“, sagt Kay Blümel, der als U15-Bundestrainer schon viele große Nachwuchsspieler betreut hat. „In Freiburg hatte Ariel mit Klassenkameraden zu tun, die 1,50 Meter groß waren, also mehr als einen halben Meter kleiner. Für einige von ihnen war er eine Art Außerirdischer. Das hat ihm schon Probleme bereitet, zumal er in einem Freiburger Vorort zur Schule gegangen ist, wo es sonst keine Basketballer gab.“

Doch genau unter diesen fühlt sich Hukporti am wohlsten. Nachdem er im Alter von elf Jahren den Basketball für sich entdeckt hatte, gab es für ihn keine andere Sportart mehr. Dementsprechend geschmeidig bewegt sich der 2,14 Meter große 16-Jährige auf dem Feld auch. Statt nur als Center unterm Korb gegen seine viel kleineren Gegenspieler den Ball zu bekommen, Rebounds zu holen und Würfe zu blocken, kann Hukporti den Ball auch nach vorn bringen, werfen und für seine Mitspieler kreieren. „Er hat ein wirklich weiches Handgelenk und verfügt für sein Alter schon über erstaunlich gute Passfähigkeiten“, beschreibt Blümel Hukportis Vorzüge. „Er ist also jetzt schon ein passender Innenspieler, der immer den Blick für den besser postierten Mitspieler hat. Außerdem hat er bereits ein Auge dafür, von wo er gedoppelt wird, wodurch er den freien Mann finden kann. Auch seine allgemeine Beweglichkeit ist gut.“

Qualitäten, die sich in der Basketballszene schnell herumsprachen. So hatte Hukporti nach seinem ersten JBBL-Jahr für den USC Freiburg (9,5 PPG, 8,4 RPG,1,9 BPG) bereits zahlreiche Angebote von renommierten Ausbildungsklubs vorliegen. Bayern München, Brose Bamberg, ratiopharm ulm, MHP RIESEN Ludwigsburg, Ehingen Urspringschule. Sie alle waren hinter dem Rohdiamanten her. Und da Hukportis alleinerziehende Mutter einen Umzug in Erwägung zog, schauten sich die beiden die verschiedenen Programme der Top-Klubs genau an. Nach Besuchen in Ulm und Bamberg entschied sich Hukporti letztlich für ein zweitägiges Probewohnen im Ehingener Programm. Doch auch die Urspringschule kam für die Hukportis nicht infrage. Stattdessen zog es sie im Sommer 2016 ins schwäbische Ludwigsburg. Das durchdachte Konzept der Porsche Basketball-Akademie hatte Familie Hukporti überzeugt.

Einen riesigen Entwicklungsschritt machte das 16-jährige Basketballjuwel in seiner zweiten JBBL-Saison aber trotzdem nicht (14,5 PPG, 8,3 RPG, 2,9 BPG). War der Wechsel nach Ludwigsburg vielleicht doch nicht die richtige Entscheidung? „Er musste mit seiner Mutter umziehen, sich an eine andere Schule gewöhnen und an ein professionelles Umfeld, mit höheren Anforderungen im Training. Das alles musste Ariel erst mal verarbeiten“, sagt U16-Bundestrainer Alan Ibrahimagic im BIG-Gespräch. „Auch wenn er durch seine Größe nicht mehr so jung wirkt, muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass er zu diesem Zeitpunkt erst 14 Jahre alt war. Deshalb muss man ihm Zeit geben. Denn vieles war auf einen Schlag anders, als er es bisher gewohnt war. Auch das Basketballprogramm ist viel ernsthafter und umfangreicher. Für Ariel hat in dieser Phase erst die Zeit begonnen, in der er gelernt hat, richtig zu trainieren.“

Dreimal in der Woche wurde Hukporti nun individuell trainiert und zusätzlich athletisch auf den nächsten Level gebracht. Seine Körpergröße wird sich in den nächsten Jahren nicht mehr gravierend verändern. „Wir haben keine Prognosebestimmung durch die Ausmessung des Handwurzelknochens gemacht, aber wir haben verschiedene Programme, bei denen man durch Eingabe von Körperhöhe, Beinlänge, Körpergewicht und biologischem Alter grob bestimmen kann, wie groß ein junger Spieler noch wird. Dabei kam heraus, dass Ariel noch einige Zentimeter wächst und vermutlich 2,16 bis 2,20 Meter groß werden wird“, sagt Blümel im BIG-Gespräch. „Er ist also am Ende seines Wachstumsprozesses angekommen, was für ihn positiv ist. Wenn er nochmals einen riesigen Wachstumsschub von acht oder zehn Zentimetern bekommen würde, könnte er sich von der Motorik her definitiv noch einmal sehr verändern.“

Sollte es wider Erwarten doch anders kommen, hat Hukporti dennoch beste Voraussetzungen. Denn anders als viele deutsche Center-Talente vor ihm, hat Hukporti bereits im frühen Kindesalter mit dem Sport angefangen. Erst mit dem Fußball und im Alter von elf Jahren schließlich mit dem Basketball. Das damals entwickelte Ballgefühl sowie die koordinativen Fähigkeiten würden ihm also auch im Falle eines weiteren Wachstumsschubs nicht abhandenkommen. „Selbst wenn er seine Koordination und seine Motorik durch andere Sportarten ausgebildet hätte, wäre eine Basketballkarriere noch möglich“, sagt Blümel. „Hansi Gnad beispielsweise war bis zum 17. Lebensjahr Leistungsschwimmer und ist erst danach zum Basketball gekommen. Dennoch hat er noch eine beachtliche Karriere hingelegt. Besser ist es aber natürlich trotzdem, wenn man sich früh mit dem Spielgerät vertraut macht. Aber das ist bei Ariel ja zum Glück der Fall.“ Dementsprechend viel Potenzial sehen die Nachwuchsbundestrainer bei Hukporti, weshalb sie ihn als 15-Jährigen für das Albert Schweitzer Turnier nominierten. Blümel: „Grundsätzlich hat Ariel NBA-Potenzial, von dem, was er an motorischen Fähig- und Fertigkeiten mitbringt. Seine Voraussetzungen sind für die Center-Position besser als bei jedem anderen seit Tibor Pleiß.“

Doch um dieses Talent tatsächlich abzurufen, steht Hukporti noch eine Menge Arbeit bevor. Zumal neben seinen vielen Vorzügen auch einige Defizite herausstechen. So ist er beim Abschluss mit seiner schwächeren rechten Hand längst noch nicht so sicher wie mit seiner starken linken. Hinzu kommt, dass er mit seiner Masse unterm Korb noch zu wenig anfangen kann. Zu selten schafft er es, seine körperlichen Vorteile auch wirklich auszunutzen. Und wenn doch, wird er von den Schiedsrichtern nicht selten zurückgepfiffen. „Körperlich wirkt er gegen Gleichaltrige natürlich sehr dominant. Und auf internationalem Niveau muss er diese körperliche Präsenz auch zeigen, defensiv wie offensiv. Wir bekommen ein Problem, wenn ihm das hier in Deutschland oft abgepfiffen wird. Und zwar für Aktionen, die international keinen interessieren“, sagt Blümel, der für Hukportis Entwicklung vor allem Spielpraxis auf hohem Niveau für nötig hält. „Es war wichtig, dass er trotz seines jüngeren Alters beim AST dabei war. Denn dort konnte er die härtere Gangart ausleben. Sowohl beim Training als auch beim Turnier selbst. Er konnte beim AST etwas dazulernen und darum wird es für ihn auch zukünftig gehen. Um sein Potenzial auszuschöpfen, muss er weiter hart an sich arbeiten.“

Doch wie genau soll das aussehen? Kann ein über 110 Kilo schwerer 16-Jähriger, der vermutlich bald schon die 2,15-Meter-Marke überschreiten wird, nicht schon auf Profilevel mitspielen? Der spanische Nationalspieler Ricky Rubio hat sein ACB-Debüt bereits im Alter von 14 Jahren gegeben, während Real Madrids Slowene Luka Doncic die EuroLeague als 18-Jähriger aufmischt. „Das kommt bei jedem Spieler auf seine individuelle Entwicklung an. Körperlich und von der Spielgeschwindigkeit her ist es für junge Spieler ein riesiger Sprung, von den Nachwuchs- in die Profiligen zu wechseln. In der Regel haben Spieler in dieser Phase ihrer Entwicklung immer die größten Probleme“, sagt Blümel über Hukporti. „Bei Ariel wird auf jeden Fall viel davon abhängen, wie er sich entwickelt. Körperlich wie mental. In Ludwigsburg ist er in den nächsten zwei Jahren aber erst mal sehr gut aufgehoben.“

Agenten buhlen dennoch längst um das Center-Talent. Ständig muss sich Familie Hukporti mit Anfragen auseinandersetzen. Einen Agenten möchten sie in den nächsten Jahren noch nicht haben. Ariel soll vom Wesentlichen nicht abgelenkt werden. Stattdessen soll sich das Talent in Ruhe entwickeln können, sei es auf dem Basketballparkett oder in der Schule. „Ariel ist vertraglich ohnehin bis zum 18. Lebensjahr an Ludwigsburg gebunden. Deswegen besteht aktuell eigentlich kein Bedarf, sich an einen Agenten zu wenden. Denn in den nächsten Jahren ist Ariel in Ludwigsburg erst mal in einem sicheren Hafen.“ Bei der Auswahl des richtigen Beraters mahnt Blümel dennoch zur Vorsicht. Auch wenn sich die Hukportis damit frühestens im nächsten Jahr ernsthaft auseinandersetzen wollen. „Der Markt hat sich so entwickelt, dass die Agenten immer früher anfangen, nach Talenten Ausschau zu halten. Ich habe selbst bereits mit einem Agenten gesprochen, der sehr daran interessiert ist, mit Ariel zusammenzuarbeiten“, sagt Blümel und appelliert: „Nicht nur im Fall von Ariel, auch generell sollte es einem Agenten darum gehen, nicht das schnelle Geld zu verdienen, sondern seinem Spieler die besten Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Denn wenn ein Sportler eine lange und erfolgreiche Karriere hat, dann haben beide Parteien am meisten davon.“

Und genau diese lange Karriere strebt Ariel Hukporti an. Wie viele Basketballer in seinem Alter träumt er davon, eines Tages auf dem NBA-Parkett zu stehen. Nach dem Gewinn des AST will er aber zunächst weitere Meisterschaften gewinnen. „Mein Ziel ist es, in diesem Jahr noch drei Titel zu holen“, sagt Hukporti selbstbewusst. „Erst den der JBBL, dann den der NBBL und im Sommer dann den Titel bei der U16-Europameisterschaft.“ Sollte Hukporti das tatsächlich gelingen, würde er noch mehr auffallen, als er es ohnehin schon tut. Dann aber nicht mehr primär wegen seiner Größe, sondern wegen seiner besonderen Fähigkeiten und einer beeindruckenden Titelsammlung.

Ohne harte Arbeit wird Ariel es nicht schaffen

Von: John Patrick

Ich habe in meiner Karriere bereits mit vielen Spielern zusammengearbeitet, die es später in die NBA geschafft haben. Die Gasol-Brüder, Bostjan Nachbar, Vladimir Radmanovic und einige mehr. Auch einen Dirk Nowitzki habe ich in jungen Jahren erlebt. Sein Wettbewerbsgedanke war extrem. Er wollte immer gewinnen und hat sehr hart dafür gearbeitet. Die meisten Talente haben diesen unbändigen Willen allerdings nicht. Und das ist auch der Grund, warum es viele von ihnen nie schaffen, auf Profilevel Basketball zu spielen. Sie vertragen den Hype um ihre Person nicht. Mit der Einschätzung von Ariel müssen wir also aus mehreren Gründen vorsichtig sein. Natürlich hat er Potenzial. Gleichzeitig ist er noch sehr weit davon entfernt, auf Profiniveau gegen Erwachsene spielen zu können. Denn ihm fehlt vor allem die Konstanz, und teilweise auch der nötige Wille. Ich arbeite mehrmals in der Woche mit ihm, da er bereits Individualtraining mit den Profis macht und 1on1 gegen sie spielt. Dabei gibt es Work-outs, bei denen er sich sehr gut macht. Es folgen Work-outs, die nicht gut sind. Das ist nicht weiter schlimm und von einem Jungen seines Alters auch zu erwarten. Wenn er als Basketballer aber wirklich etwas erreichen will, muss er jetzt Gas geben. Zunächst muss er sich in der JBBL sowie in der NBBL konstant präsentieren und dort zeigen, dass er mehr Potenzial hat als andere Spieler. Denn in der NBBL gibt es bereits eine Menge großer Spieler, die ein sehr hohes Niveau haben. Luc van Slooten beispielsweise ist in der NBBL jetzt schon dominant. Ariel hingegen ist dort einer von vielen. Deshalb geht es für uns zunächst darum, ihm dabei zu helfen, auf NBBL- oder Regionalliganiveau ein dominanter Spieler zu werden. Die Frage, wann er in der BBL auflaufen kann, stellt sich also noch nicht. Vielmehr muss es für ihn darum gehen, die richtige Arbeitsmoral zu entwickeln. Und zwar jeden Tag.


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