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Apr

BIG-Appetizer: Leonie Elbert

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch das Interview mit Leonie Elbert aus BIG #62.

Leonie Elbert und die Rutronik Stars Keltern sind in diesem Jahr Ausrichter des Top Four. In der Liga hat der Klub gegen Vorjahressieger Wasserburg bereits zweimal gewinnen können – ein erneuter Erfolg würde den ersten Titel der Vereinsgeschichte bedeuten. Der Verein setzt vor allem auf ausländische Spielerinnen und steht dafür in der Kritik. Elbert meint jedoch: „Bei uns bekommt jeder die Minuten, die er verdient.“ Text: Philip Häfner.

Die Auslosung für das Top Four der DBBL hat ergeben: Die Rutronik Stars Keltern treffen im Halbfinale auf den Herner TC, Titelverteidiger TSV 1880 Wasserburg auf den TK Hannover. Die beiden momentan besten Teams der Liga können damit erst im Endspiel aufeinandertreffen. Sind Sie zufrieden mit der Auslosung?

Wir sind sehr froh, dass wir Wasserburg zunächst aus dem Weg gehen. Bei der Auslosung in der Halbzeit unseres Auswärtsspiels in Hannover haben wir doch etwas gebangt und waren dann entsprechend erleichtert. Gegen Herne haben wir im vergangenen Jahr schon gespielt, damals haben wir das Pokal-Halbfinale gewonnen und sind ins Finale eingezogen. Das wollen wir 2017 natürlich gern wiederholen. Das Top Four findet ja in Keltern statt, aber das muss nicht unbedingt ein Vorteil sein. Der Druck ist dadurch noch größer.

Das klingt alles sehr zurückhaltend. Immerhin hat Keltern in der Bundesliga in dieser Saison schon zweimal gegen Wasserburg gewinnen können. Sehen Sie sich deshalb nicht als Favorit für das Turnier?

Wir haben in der Liga zweimal gewonnen, das stimmt. Und natürlich hat man sich danach auch dabei ertappt, dass man daran gedacht hat, dass Keltern in dieser Saison die Wachablösung schaffen könnte. Aber Favorit ist für mich nach wie vor Wasserburg – sowohl jetzt im Pokal als auch in den DBBL-Playoffs. Die Mannschaft hat so viel Erfahrung in solchen Endspielen, die uns bislang noch fehlt. Es ist ja erst unsere zweite Saison in der Bundesliga und unser zweites Top Four. Wir spielen bislang eine tolle Saison, aber wir haben noch nichts in der Hand.

Was ist das Rezept des Kelterner Höhenflugs in dieser Saison?

Wir haben keine herausragenden Superstars in unseren Reihen. Unser Kader ist sehr ausgeglichen, das allerdings auf einem sehr hohen Niveau. Wir sind also nicht nur von einer oder zwei Spielerinnen abhängig; wenn eine von uns mal einen schlechten Tag erwischt, springt jemand anderes für sie in die Bresche. Wir ergänzen uns als Team sehr gut, was ganz sicher auch ein Verdient unserer Trainers ist, Christian Hergenröther. Er hat bei der Zusammenstellung der Mannschaft einen guten Job gemacht. Und er ist ein Taktikfuchs: Wir spielen schnell und sehr variabel, nicht immer nur mit denselben drei Systemen. Bei uns landet der Ball zum Schluss nicht jedes Mal in den Händen der immer gleichen Spielerin.

Keltern hatte in dieser Saison erstmals für den Eurocup gemeldet und erreichte auf Anhieb die Runde der besten 16. Inwieweit hat diese Erfahrung die Mannschaft vorangebracht?

Die Saison im Europapokal war eine tolle Erfahrung für uns alle. Wir hatten die Gelegenheit, auch mal andere Spielweisen kennenzulernen als immer nur den deutschen Basketball. Dabei hatten wir durchweg schwere Gegner. Diese Partien trotzdem zu gewinnen, vor allem auch die engen Spiele, hat uns als Mannschaft noch stärker und selbstbewusster gemacht. Mein persönlicher Höhepunkt war das Achtelfinale gegen Istanbul mit mehreren Spielerinnen aus der WNBA. Das sind absolute Top-Leute, die man normalerweise eher nach einem Autogramm fragen würde – und plötzlich spielt man gegen sie im Eins-gegen-eins. Dieses Erlebnis werde ich so schnell nicht vergessen. Ich hoffe, dass der Verein auch im nächsten Jahr wieder für den Eurocup melden wird.

Als Sie vor drei Jahren zu den Rutronik Stars gewechselt sind, spielte der Klub allerdings noch in der 2. DBBL Süd. Was hat Sie damals bewogen, nach Keltern zu gehen?

Die Suche nach einer neuen Herausforderung. Ich habe vorher für Ludwigsburg in der Regionalliga und in der WNBL gespielt, aber ich wollte mich in einer höheren Liga beweisen. Damals bin ich allerdings noch zur Schule gegangen, deshalb hatte ich auch eher geringe Erwartungen, was meine Spielzeit angeht. Doch dann wurde Peter Kortmann als Trainer entlassen, sein Assistent Christian Hergenröther übernahm, der genau wie ich aus Ludwigsburg gekommen war und mich schon gut kannte. In der zweiten Saisonhälfte war ich dann auf einmal in der Starting Five und habe viel Spielzeit bekommen. Am Ende der Saison sind wir in die DBBL aufgestiegen.

Mittlerweile spielen Sie nicht mehr so viel. Keltern setzt vor allem auf ausländische Spielerinnen. Was haben Sie in dieser Saison mehr verbessert: Ihre englischen Sprachkünste oder Ihr Basketballspiel?

Mein Basketballspiel. Im Training trete ich gegen einige der besten Basketballerinnen der Liga an – von ihnen kann ich viel lernen. Außerdem komme ich ja nicht nur in der ersten Mannschaft zum Einsatz, sondern auch in unserer zweiten Mannschaft in der 2. DBBL Süd. Dort übernehme ich sehr viel Verantwortung. Das ist wichtig, nur so kann man sich verbessern. Ob man dann allerdings in der Ersten oder in der Zweiten Liga spielt, ist aus meiner Sicht nicht entscheidend.

Satou Sabally, Nationalspielerin in Diensten der USC Eisvögel Freiburg, meinte kürzlich: Wenn Talente nicht spielen können, haben sie keine Chance, sich weiterzuentwickeln. Immer nur zu trainieren, und sei es gegen die Besten, mache auf Dauer unglücklich. Was sagen Sie dazu?

Ich spiele ja. In der DBBL zwar nur zehn Minuten, aber dafür auf hohem Niveau: Bei einem Klub, der im Eurocup startet und in der heimischen Liga an der Tabellenspitze mitmischt. Das bringt mich auch voran. Ich fühle mich in dieser Saison schon deutlich sicherer, ich bin nicht mehr so nervös wie im vergangenen Jahr. Ich denke, das sieht man auch an meinen Statistiken.

Mit Stephanie Wagner und Stina Barnert, die allerdings das ganze Jahr verletzt war, hat Keltern zwei deutsche Nationalspielerinnen in seinen Reihen. Muss man Auswahlspielerin sein, um sich bei den Rutronik Stars zu behaupten – oder kann man auch erst in Keltern zur DBB-Spielerin heranreifen?

Ich bin überzeugt, dass man auch in Keltern zur Nationalspielerin werden kann. Gerade als junge Spielerin kann man von Trainer Christian Hergenröther noch viel lernen.

Sportlich ist Keltern bereits Spitze. Wie sieht es mit den weiteren Rahmenbedingungen vor Ort aus?

Die Hallensituation ist zurzeit sicher nicht optimal. Wir müssen uns unsere Halle mit dem Schulsport und anderen Sportvereinen im Ort teilen. Auch das Zuschauerinteresse könnte noch größer sein, auch wenn sich da in den vergangenen zwei Jahren schon viel entwickelt hat.

Von den Fans anderer Vereine, aber auch von Offiziellen gibt es immer wieder Kritik an Keltern – vor allem wegen der geringen Spielzeit für deutsche Spielerinnen. Bekommen Sie das als Spielerin mit?

Selbstverständlich. Einiges kann ich nachvollziehen, aber vieles nicht. Man muss sich doch nur mal unseren Kader anschauen: Wir haben doch deutsche Spielerinnen, und wenn Stina Barnert nicht verletzt wäre, dann würden die Deutschen sogar noch mehr Spielzeit bekommen. Stephanie Wagner wird viel eingesetzt, wenn sie gut spielt, und ausgewechselt, wenn sie schlecht drauf ist. Bei uns bekommt jeder die Minuten, die er verdient. Es ist ein rein leistungsorientierter Ansatz. Warum sollte unser Coach jemanden einsetzen lassen, der schlecht spielt? In der Bundesliga geht es um Leistung, um Erfolg – nur so kann man gewinnen. In der DBBL ist kein Platz für Sentimentalitäten.

Woher kommt die Kritik der anderen Klubs, ist es Neid auf Kelterns plötzlichen Erfolg?

Das kann ich mir schon vorstellen. Ich hoffe aber, dass sich das bald wieder legen wird.

Hört zuerst die Kritik auf oder gewinnt Keltern zuerst einen nationalen Titel?

Ich hoffe, Letzteres.



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