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Jul

BIG-Appetizer: Patrick Heckmann

Auf unserer Website präsentieren wir euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat zeigen wir euch den Bericht über Patrick Heckmann aus BIG #54.

Patrick Heckmann ist der Shootingstar der aktuellen BBL-Saison. Beim Meister Brose Baskets hat sich der 24-jährige Rookie auf Anhieb einen festen Platz in der Rotation erobert. Dabei hat ihm eine Gabe geholfen, die auch einen Fußball-Weltmeister auszeichnet.

Es gibt diese Spieler, die immer zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Die auf dem Basketballfeld intuitiv das Richtige tun, die Pass- und Laufwege antizipieren, ehe sie vollzogen werden. In der Regel sind es die Veteranen eines Teams, die sich durch diese Eigenschaften hervortun. Wer Patrick Heckmann dabei zusieht, wie selbstverständlich er sich auf dem 420 Quadratmeter großen Court bewegt, könnte meinen, hier weiß ein alter Hase ganz genau, was er zu tun hat. Aber Heckmann ist kein alter Hase. Er ist vor drei Monaten gerade einmal 24 Jahre alt geworden. Er spielt seine erste Profisaison. Und er tut dies beim amtierenden Deutschen Meister Brose Baskets, die, sollte nichts Außergewöhnliches geschehen, auch in dieser Saison wieder ins Finale einziehen werden, um ihren Titel zu verteidigen. Dass der junge Deutsche unter diesen Parametern nicht bloß ein Mitläufer, sondern ein Leistungsträger in der Mannschaft von Headcoach Andrea Trinchieri ist, hat vor dieser Saison niemand erwarten dürfen. Auch Heckmann tat dies nicht: „Dass ich in meiner ersten Bamberger Saison direkt so viel Spielzeit erhalte, damit habe ich nicht im Entferntesten gerechnet.“ In der Hauptrunde stand der Forward durchschnittlich knapp 18 Minuten auf dem Parkett, in der ersten Playoff-Runde gegen Würzburg waren es sogar 22 – der gebürtige Mainzer ist hinter dem effektivsten deutschen Spieler der Liga, Daniel Theis, der Deutsche mit den größten Spielanteilen bei den Franken. „Das habe ich wirklich nicht erwartet. Bamberg ist gespickt mit Spitzenspielern. Ich hatte mir am Anfang der Saison etwa fünf Minuten pro Partie erhofft.“ Vor seinem Wechsel vom Boston College zurück nach Deutschland gab es auch die Überlegung, bei einem kleineren Klub eine größere Chance auf viel Spielzeit zu haben. „Das Bamberger Programm hat mich aber überzeugt. Um hier lernen zu können, hätte ich im ersten Jahr deshalb auch geringere Spielanteile in Kauf genommen“, erklärt Heckmann, der bei den Brose Baskets einen Vertrag bis 2018 unterschrieben hat.

Offensichtlich lernt Heckmann schnell. Headcoach Trinchieri vertraut dem smarten Youngster mit dem hohen Basketball-IQ, steckt ihn regelmäßig in die Starting Five und ließ ihn sogar ausgiebig Euroleague-Luft schnuppern. Über 13 Minuten stand der Rookie in der Gruppenphase sowie der Top-16-Runde auf dem Feld, 4,1 Punkte und 2,0 Rebounds waren seine Ausbeute. „Eigentlich unglaublich, dass ich jetzt Euroleague spiele“, schüttelt Heckmann den Kopf. Seit Jahren kennt die Entwicklung des Mainzers nur eine Richtung: nach oben. Ein Jahr Highschool in den USA, zwei Jahre NBBL, vier Jahre Boston College und seit Sommer 2015 Bamberg. Dazwischen Highlights wie das Finale beim Albert-Schweitzer-Turnier mit der U18-Nationalmannschaft (2010), der sensationelle fünfte Platz mit der deutschen U20-Auswahl bei der Europameisterschaft im spanischen Bilbao (2011), sein persönlicher Punkterekord am College (32 Punkte am 25. November 2011) und nicht zuletzt das Debüt in der deutschen A-Nationalmannschaft am 2. August 2012. Jetzt also Bamberg. Amtierender Champion. Unter den besten 16 Teams Europas. Und mittendrin Heckmann. „Am Anfang war der Respekt vor den Spielen in der Euroleague bei mir schon sehr groß. Inzwischen hat sich die Nervosität aber gelegt, es sind jetzt – fast – Spiele wie jedes andere.“

Rolf Beyer beobachtet Heckmann jetzt seit einem Jahr. Im April 2015 gab der Youngster bei einem Try-out zum ersten Mal seine Visitenkarte bei den Franken ab, und dem Geschäftsführer der Bamberger imponiert seitdem vor allem Heckmanns Entwicklung. „Ich erinnere mich noch an ein Trainingsspiel im September gegen den russischen Klub Kuban. Dort wurde Patrick das erste Mal mit der Härte auf internationalem Niveau konfrontiert. Wie er sich dort in kurzer Zeit etabliert hat, ist mehr als respektabel.“ Wie fragil ein solcher Entwicklungsprozess sein kann, sieht man am Bamberger Gegenbeispiel Gabriel Olaseni: Früh wurde deutlich, dass der 24-Jährige im Gegensatz zu Heckmann mehr Zeit brauchen würde, um sich auf Profilevel durchzusetzen. Eine Ausleihe (zum Liga-Konkurrenten Gießen) war die logische Konsequenz. Trinchieri mahnte schon bei der Verpflichtung des Big Man, der frisch von der University of Iowa zum Deutschen Meister wechselte: „Wir müssen vorsichtig sein. Gabriel ist ein Rookie, und wir brauchen definitiv Zeit, um ihm den europäischen Basketball beizubringen.“

Heckmann dagegen hat den Wechsel vom College- auf Profiniveau leichter verkraftet als erwartet. „Patrick hat den Biss und die nötige Ruhe auf dem Feld“, lobt Beyer den Shootingstar der aktuellen Saison. „Er liefert mehr, als wir im ersten Jahr von ihm erwartet haben.“ Neben Biss und Ruhe zeichnen den 24-Jährigen Mut und Entschlossenheit aus. Sein Dunk im ersten Playoff-Halbfinale gegen den FC Bayern München riss nicht nur die Bamberger Fans von den Sitzen, sondern war auch ein Paradebeispiel für Heckmanns basketballerische Tugenden: sich auf dem Feld vorausschauend bewegen, im richtigen Moment in die Lücke stoßen und mit Selbstvertrauen abschließen.

Es gab aber auch Zeiten, in denen sich Patrick Heckmann dieses Selbstvertrauen erst wieder erarbeiten musste. Nach zwei guten Jahren am Boston College folgte eine schwere dritte Saison. Der Forward erinnert sich: „Zu Beginn meiner College-Zeit hatte ich viele Freiheiten und durfte auch auf mehreren Positionen spielen. Dann holte Headcoach Steve Donahue mit Olivier Hanlan und Joe Rahon zwei neue Spieler. Meine Rolle wurde dadurch kleiner und ich saß mehr auf der Bank, als mir lieb war. Da die beiden den Ball dominierten, musste ich immer mehr zum Shooter werden“, ereilte auch Heckmann das Schicksal vieler College-Spieler, auf eine Rolle festgelegt zu werden. Es war die Zeit, in der er sehr an sich gezweifelt hat. „Als Jim Christian in meinem vierten Jahr Headcoach wurde, bekam ich wieder deutlich mehr Minuten. Dennoch ging meine Dreierquote runter, da ich nie wusste, wann ich die Würfe bekomme. Das machte es deutlich schwieriger.“ Kurzzeitig stand nach dem dritten College-Jahr sogar eine vorzeitige Rückkehr nach Deutschland im Raum, „aber meine Mutter hätte mir wahrscheinlich etwas anderes erzählt, wenn ich meine College-Ausbildung abgebrochen hätte“, lächelt Heckmann. Er zog das College durch und traf mit Trinchieri auf den für ihn perfekten Coach zum richtigen Zeitpunkt. Der Italiener war Anfang vergangenen Jahres extra nach Boston gejettet, um Heckmann einen Besuch abzustatten. „Im Grunde nur für ein Abendessen, spielen sehen konnte er mich damals nicht“, schmunzelt Heckmann. Doch Trinchieri war schon beeindruckt von dem, was er von seinem Wunschspieler zuvor gesehen hatte, und der junge Forward war es nach dem persönlichen Gespräch mit dem Italiener. „Es hat meine Entscheidung letztendlich zwar nicht beeinflusst, aber natürlich war es eine coole Sache, dass mich der Coach extra in den USA besucht hat. Am Ende waren es seine Pläne mit dem Team, mit mir und der Gesamteindruck, was den Ausschlag pro Bamberg gegeben hat.“ Dass ihm die europäische Basketballschule eher liegen würde als die amerikanische, war ihm ohnehin klar: „In den USA ist Micromanagement an der Tagesordnung. Die College-Coaches haben einen genauen Plan davon, was auf dem Spielfeld in welcher Art und Weise umgesetzt werden soll. Dafür formen sie ihre Spieler nach ihren Vorstellungen und für ihr System. Und sie wollen jede kleinste Entscheidung auf dem Court treffen. Damit hatte ich so meine Probleme. Ich passe eher ins europäische System. Hier hast du ausgebildete Spieler, die auf dem Feld vorrangig eigene Entscheidungen treffen und einfach etwas freier sind.“

Dass er in Bamberg auf Anhieb eine größere Rolle spielt, hätte er zwar nicht erwartet, aber er kann es sich zumindest erklären: „Ich denke, dass Antizipation eine meiner Stärken ist und sie hat mir in der BBL am Anfang am meisten geholfen.“ In der Fußball-Bundesliga gilt Nationalspieler Thomas Müller vom FC Bayern München als derjenige, der Situationen am ehesten voraussehen kann und das richtige Näschen für Torchancen hat. Für Müller wurde deswegen der Begriff Raumdeuter geprägt – in Bamberg hätte ihn Heckmann verdient. Genauso gut weiß der 24-Jährige, was es für ihn noch zu verbessern gibt: „An erster Stelle steht natürlich die Verteidigung. Darüber hinaus muss ich an meinem Wurf arbeiten und – nicht zu vergessen – an meinem Kopf. Der Coach meint, dass ich immer noch zu viel nachdenke und besser sein könnte, wenn ich lerne, das komplett auszuschalten. Ich arbeite daran, aber es ist gar nicht so leicht; bei mir ist vieles Kopfsache.“


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