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Feb

BIG-Appetizer: Mathias Fischer

Auf unserer Website präsentieren wir Euch monatlich einen BIG-Appetizer aus der vorangegangenen Ausgabe. Diesen Monat gibt´s das Interview mit Mathias Fischer aus BIG #71.

Der Retter aus Polen

Mathias Fischer übernahm die sieglosen WALTER Tigers Tübingen Anfang Dezember. Im BIG-Interview erklärt der ehemalige Bonner Headcoach, warum er in die BBL zurückkehrte, obwohl er noch bei einem Erstligisten seines Geburtslandes Polen unter Vertrag stand. Außerdem macht der 46-Jährige klar, wie er mit den WALTER Tigers den Klassenerhalt erreichen will. Innterview: Alexander Büge.

Mathias, die WALTER Tigers haben Tyron McCoy am 20. November entlassen. Danach gingen in der Geschäftsstelle Bewerbungen von Trainern ein. War deine auch dabei?

Nein, aber wir sind ins Gespräch gekommen. Da ich in Polen einen laufenden Vertrag hatte, habe ich mich nicht direkt für den Trainerposten beworben, wie man das in der BBL normalerweise macht.

Wie sieht eine Bewerbung eines Trainers für einen Posten als BBL-Coach normalerweise aus?

Im Prinzip hat man selbst oder der Agent den Markt im Blick. Falls sich eine interessante Situation ergibt, bewirbt man sich und sendet postalisch oder elektronisch den Lebenslauf an den Geschäftsführer. Dieser trifft eine Vorauswahl, die aus drei oder vier Kandidaten besteht. Die jeweiligen Agenten leiten letztlich die ersten Gespräche ein und führen diese fort, falls weiter Interesse besteht.

Wie war es in deinem Fall?

Ich habe mit Geschäftsführer Robert Wintermantel zwei längere Telefonate geführt. Da die ganze Situation während des ersten Nationalmannschaftsfensters aufkam, hatte ich ein wenig mehr Zeit als sonst. Robert hat mir den Verein und dessen Strukturen dabei genau vorgestellt und mir erklärt, wie die aktuelle Situation ist. Es stellte sich heraus, dass die Organisation auf sehr soliden Füßen steht und wirtschaftlich gut aufgestellt ist. Diese Hintergrundinformationen waren für meine Entscheidung sehr wichtig. Aber natürlich habe ich mir auch das Team genau angesehen. Letztlich bin ich zu dem Schluss gekommen, dass die Situation in Tübingen für mich eine gute ist, obwohl wir im Abstiegskampf stecken. Aber ich habe die Situation als Herausforderung gesehen und als Gelegenheit, wieder zurück in die BBL zu kommen.

Aber es gab ein Problem: Du warst noch Trainer beim polnischen Erstligisten PGE Turów Zgorzelec.

Ich bin froh, dass ich Erfahrungen als Trainer in Polen sammeln konnte. Aber aufgrund der Gestaltung meines Vertrages hatte ich die Möglichkeit, den Verein zu wechseln. Die BBL ist eine sehr attraktive Liga. Sie ist gut strukturiert und organisiert. Sie entwickelt sich in eine sehr gute Richtung, weshalb es für einen Coach natürlich sehr interessant ist, in dieser Liga zu arbeiten. Zumal es in der BBL nur 18 Trainerposten gibt. Als sich die Gelegenheit zur Rückkehr ergab, wollte ich sie nutzen.

Wie hast du deine Spieler über diese Entscheidung informiert?

Das ging alles relativ schnell. Ich habe dem Präsidenten meine Entscheidung mitgeteilt und dann natürlich dem Team. Ich muss aber dazusagen, dass ich die Mannschaft in einer guten Situation verlassen habe. Sie hat das letzte Spiel unter mir gewonnen und eine realistische Chance, in die Playoffs einzuziehen. Mein Assistenztrainer Michael Claxton hat die Aufgaben dort übernommen. Er war zuletzt bei Rist Wedel Trainer und hat in der ersten polnischen Liga nun zum ersten Mal die Möglichkeit, auf einem hohen Niveau als Headcoach zu arbeiten. Ich freue mich, dass Michael diese Herausforderung jetzt annehmen kann.

Du warst zuletzt auch Headcoach der A2-Nationalmannschaft und Co-Trainer bei der WM-Quali. Wirst du deinen Job beim DBB fortführen?

Ich möchte diese Aufgabe weiter fortführen, da es für mich eine große Ehre ist, bei der Nationalmannschaft dabei sein zu können. Auf einem solchen Niveau zu arbeiten, ist für mich auch eine neue Erfahrung, von der ich profitieren kann. Ich denke, dass sich weiterhin die Möglichkeit dafür ergeben wird, da die BBL-Mannschaften ihren Spielern in den Nationalmannschaftsfenstern ein paar freie Tage geben. Bis zum Februar können wir uns mit Sicherheit einigen, sodass ich der Nationalmannschaft auch beim zweiten Fenster der WM-Quali als Co-Trainer zur Verfügung stehen kann. Zunächst liegt mein Fokus aber klar bei den WALTER Tigers Tübingen.

Du warst in der BBL fast genau zwei Jahre lang nicht mehr Trainer. Wie hat sich die Liga in dieser Zeit entwickelt?

Die Top-Teams sind noch stärker geworden, weshalb in der Liga mittlerweile einige große Namen auftauchen, die man früher nicht gesehen hat. Schon damals war die BBL athletisch und schnell. Aber in diesem Bereich hat sie noch mal einen Schritt nach vorn gemacht. Gleichzeitig haben sich auch die Teams weiterentwickelt, die weiter unten stehen. Sie sind durchaus in der Lage, die Top-Mannschaften zu ärgern.

Du wurdest einen Tag vor dem Spiel in Bremerhaven verpflichtet. Kann man als Trainer innerhalb eines solch kurzen Zeitraums schon etwas bewirken?

Taktisch konnte ich in dieser Zeit natürlich nicht viel machen, weshalb nicht ich das Spiel gecoacht habe, sondern Aleksandar Nadjfeji. Aber ich wollte unbedingt schon dabei sein und sehen, wie die Mannschaft ein Auswärtsspiel gestaltet. Außerdem wollte ich die Spieler kennenlernen.

Du hast dich dazu entschieden, mit jedem Mitglied des Teams zunächst ein Einzelgespräch zu führen. Wie baust du Spieler auf, die die ersten zehn Saisonspiele verloren haben?

Ich wollte mit jedem Spieler sprechen und ein Gefühl für die unterschiedlichen Charaktere dieser Mannschaft bekommen. Dabei habe ich die Spieler auch gefragt, was aus ihrer Sicht gut funktioniert und in welchen Bereichen etwas verbessert werden muss. Denn es ist wichtig, dass man als neuer Trainer das Vertrauen der Spieler gewinnt und ein ehrliches Feedback bekommt.

Mathis Mönninghoff hat bis zu deinem Engagement in Tübingen keine gute Saison gespielt. Bei eurem ersten Sieg, gegen Göttingen, hast du ihn dennoch zum ersten Mal in dieser Saison zum Starter gemacht. Warum?

Mathis ist aufgrund des Gegners und seiner Leistungen im Training zum Starter geworden. Ich war der Überzeugung, dass Mathis der Mannschaft als Starter helfen kann. Er hat mir dieses Vertrauen letztlich zurückgezahlt und gegen Göttingen eine ausgezeichnete Leistung abgeliefert.

Inwieweit hilft es dir, dass du in der Saison 2012/2013 in Gießen bereits in die Situation gekommen bist, einen Abstieg verhindern zu müssen?

Die Situation ist schon vergleichbar. Damals waren wir auch ziemlich tief im Keller. Es ging ebenfalls darum, in kleinen Schritten zu denken und kurzfristig das Beste aus der Mannschaft herauszuholen. Ich habe aus dieser Zeit auch meine Erfahrungen mitgenommen, die für mich jetzt nützlich sind. Auf der anderen Seite war die Situation in Gießen zum Ende der Saison eine ganz andere. Im Dezember kam die Fast-Insolvenz, weshalb alle Ausländer den Klub verlassen haben. Danach war es schwer, in dieser Liga noch Spiele zu gewinnen. Hier in Tübingen liegt eine ganz andere Situation vor. Der Verein ist strukturiert, professionell aufgestellt und steht wirtschaftlich auf einem soliden Fundament.

Hilft es dir, dass du Spieler wie Jared Jordan und Ryan Brooks aus gemeinsamen Bonner Zeiten kennst? Auch Sid-Marlon Theis hast du während deiner Zeit mit der A2-Nationalmannschaft bereits trainiert.

Dass ich einige Spieler schon genau kannte, hilft ungemein. Denn ich kann mit diesen Spielern von vornherein auf einer ganz anderen Beziehungsebene arbeiten. Die Gespräche sind automatisch etwas intimer, wenn die Spieler einem schon vertrauen. Im Übrigen waren diese Spieler auch ein wichtiger Grund für mich, nach Tübingen zu kommen und diesen Job anzunehmen. Jared Jordan ist nach wie vor einer der besten Passgeber der Liga, wenn nicht sogar der beste. Nun gilt es, die Spieler um ihm herum bestmöglich einzusetzen.

Jordan hat die Bonner Mannschaft damals mitten in der Saison 2013/2014 verlassen, als du dort in deinem ersten Jahr warst. Sein Wechsel hat damals für viele Diskussionen gesorgt. Habt ihr über die damalige Situation jetzt noch mal gesprochen?

Nein. Diese Sache ist längst abgeschlossen. Denn es ist nicht so, dass ich mit Jared seitdem keinen Kontakt mehr hatte. Er war damals in Bonn schon einer meiner Lieblingsspieler. Auch danach und als ich in Polen Coach war, haben wir uns öfter unterhalten. Er hat von sich aus auch immer gefragt, wir es bei mir läuft und wie stark die polnische Liga ist. Jared ist ein Spieler, der sich sehr für den Basketball interessiert. Er hält immer die Augen offen und verfolgt die EuroLeague, den EuroCup sowie die spanische ACB sehr genau. Er ist immer auf dem neusten Stand.

Jordan sagte im BIG-Interview, dass sein Saisonziel die Playoffs sind, da die aktuelle Mannschaft stärker sei als die im Vorjahr. Dennoch gab es in den ersten elf Spielen keinen Sieg. Warum?

Ganz ehrlich? Ich weiß es auch nicht. Ich halte die Mannschaft auch für sehr stark und gut aufgestellt. Aus irgendwelchen Gründen hat dieses Team seine Spiele aber einfach nicht gewonnen. Ich habe mir im Nachhinein natürlich viele Spiele noch mal genauer angesehen und festgestellt, dass es in den meisten Partien die Chance gab, zu gewinnen. Das Potenzial ist also auf jeden Fall vorhanden und auch die Charaktere in der Mannschaft sind alle gut. Außerdem sind die Spieler in einer guten körperlichen Verfassung, weshalb ich sagen muss: Tyron McCoy hat einen guten Job gemacht. Kein Spieler hatte im konditionellen Bereich oder was die Kraft angeht Defizite.

Du willst nichts verändern?

Ich will, dass die Mannschaft Freude am Basketballspielen hat. Wir haben Spieler, die die Anlagen mitbringen, um einen schnellen Basketball zu spielen. Deshalb müssen wir unsere Schnellangriffe viel konsequenter laufen. Gleichzeitig wird es in den nächsten Wochen darauf ankommen, dass wir in der Verteidigung aggressiv genug sind. Dafür gilt es, unsere defensive Kommunikation zu verbessern. Wenn wir switchen, dann müssen wir das aggressiver tun und den Gegner stärker unter Druck setzen. Ausboxen und Rebounding sind ebenfalls Bereiche, in denen wir uns verbessern müssen. Wir geben immer noch zu viele Offensivrebounds ab.

Gelingt der Klassenerhalt?

Ich bin sehr positiv gestimmt und glaube daran. Die Mannschaft entwickelt sich auch in die richtige Richtung. Aber es liegen noch viele harte Partien vor uns.

Wirst du in der kommenden Saison weiterhin Trainer der WALTER Tigers Tübingen sein?

Das wird sich zum Ende der Saison schnell zeigen. Mein Ziel ist es jedenfalls, mich in der BBL in den kommenden Jahren als Trainer zu etablieren.



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