07
Apr

Holz: Der Europe Cup ist nicht relevant

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern. 

Position 1 – Tübingen: Chapeau für diese Selbstironie

Es ist eine Frage des Humors und der Einstellung, ob man die generelle Scherzhaftigkeit am 01. April als nervend oder durchaus unterhaltsam empfindet. Sicherlich gibt es äußerst viele und meist eher zwanghafte Witze, doch es gibt auch die Guten. Ein ebensolcher konnte am letzten Samstag zur Mittagszeit auf der Facebook-Seite der WALTER Tigers Tübingen begutachtet werden. Dort verkündeten die eigentlich gelb-schwarz gekleideten Tigers, dass sie fortan in rosa auflaufen würden. Man wolle wie ein Chamäleon mit seiner Umgebung eine Einheit bilden und mit dieser verschmelzen, war nachzulesen. Vor allem gegen die Raubtiere aus Bremerhaven, Braunschweig und Bamberg (Eisbären, Löwen und Alphatiere) wolle man hierdurch zu Punkten kommen. Die angesprochene Umgebung, die Tübinger Paul Horn-Arena, ist zum Leidwesen vieler Fans in ebendiesem rosa gehalten. Sitzplätze, Treppen, Tribünen und Geländer: alles rosa. Und dementsprechend optisch gewöhnungsbedürftig.

Selbstverständlich war das Ganze nur ein Scherz. Wohl aber ein gelungener. Denn einige Fans kauften es ihrem Lieblingsverein durchaus ab. Not (lies: nur zwei Heimsiege in der laufenden Saison) macht schließlich erfinderisch – letztlich war es aber „nur“ eine riesige Portion Selbstironie, mit welcher die Tübinger sich und die besagte Spielstätte auf den Arm nahmen. Doch diese Selbstironie ist vielleicht mit das wichtigste und charmanteste, wie man mit einer solchen Situation (Hallenfarbe) umgehen kann. Dementsprechend. Chapeau Tübingen.

Position 2 – Holz mit dem Statement: Der FIBA Europe Cup ist nicht relevant

Am vergangenen Montag fuhren die MLP Academics groß auf: Der ProA-Ligist hatte zum, in dieser Jahreszeit üblichen, Sponsorenevent eingeladen. Doch klassisch oder üblich war an diesem Abend wenig. Denn anders als in den letzten Jahren (und wie generell üblich), war es keinesfalls „nur“ eine Veranstaltung für die Sponsoren. Es war eine Inszenierung. Die Heidelberger luden hochkarätige Gäste ein: Uli Hoeneß (FC Bayern), Stefan Holz (easyCredit BBL), Henning Stiegenroth (Telekom), Daniel Müller (2. BBL), Ademola Okulaja, Pascal Roller, … sie alle kamen in den altehrwürdigen Olympiastützpunkt. Vor mehr als 200 geladenen Gästen waren die drei Erstgenannten jeweils im Talk mit Sascha Bandermann (Sport1) – und machten kräftig Werbung dafür, dass man den Standort unterstützen solle, denn Heidelberg würde der ersten Liga gut tun. Zudem präsentierte Oberbürgermeister Eckhard Würzner die ersten Entwürfe für den Hallenneubau (schmuckes Teil!), welcher in wenigen Wochen durch den Gemeinderat endgültig beschlossen werden soll. To cut a long story shot: Die bisherigen und potenziellen Sponsoren wurden umgarnt, damit die neue Heidelberger Vision (Aufstieg in drei Jahren) auch erfolgreich sein kann.

Dem geneigten Interessenten am deutschen Basketball fiel während den einzelnen Vorträgen vor allem ein Statement auf. Denn Stefan Holz erläuterte – zu diesem Zeitpunkt ging es um den europäischen Basketball und die Vision 2020 –, dass es auf europäischer Ebene vier Wettbewerbe gebe. Bei den drei relevanten hätte es jedoch leider kein Team geschafft, ins Top4 einzuziehen, sagte er. Manche Zuhörer nickten wissend, andere waren überrascht, dass es vier Wettbewerbe gibt. Möglicherweise bin ich der Einzige, der sich immer noch mit dieser Aussage beschäftigt. Denn sie überraschte mich. Denn Holz´ Aussage kam zwei Tage vor dem entscheidenden Spiel der Telekom Baskets Bonn gegen Nanterre Also zwei Tage, bevor das letzte der acht deutschen Teams den Sprung in ein europäisches Finale hätte machen können. Für Deutschland einen Titel hätte gewinnen können. Zumindest außerhalb der üblichen Medieninstitute wäre der Gewinn eines Pokals, auch wenn im viertklassigen Europe Cup, sicherlich mit einer entsprechenden Berichterstattung einhergegangen. Für die BBL wäre es dennoch mutmaßlich eher bedeutungslos gewesen. Schließlich ist der Wettbewerb nicht relevant.

Position 3 – Artland Dragons. Gescheitert in der ProB? Hoffentlich nicht!

Die Artland Dragons aus dem niedersächsischen Quakenbrück sind deutschlandweit bestens bekannt. Der Grund: eine jahrelange Tradition in der Basketball-Bundesliga. Die Drachen sind sicherlich eines der beliebtesten Teams der ProB – doch wollen sie dort eigentlich gar nicht sein. Nach dem finanziellen Aus des größten Geldgebers folgte vor zwei Jahren der Sturz in die Drittklassigkeit. Seitdem riefen die Drachen zwei Ziele aus: Konsolidierung und Aufstieg. Ersteres gelang, doch ohne Zweiteres wird auch die aktuell vorhandene Sponsorenbasis noch weiter zusammenschrumpfen. Denn das Umfeld ist zwar verrückt nach dem orangenen Leder, aber keinesfalls gewillt, in der ProB zu versinken. Und dies machen die Artland Dragons aktuell. Gleich zweimal scheiterten sie früh in den Playoffs. Gleich zweimal war viel Chaos.

Sofern sie das sportliche Chaos eindämmen können, ist den Dragons ein Aufstieg aber allemal zu gönnen. Denn wer sich schon einmal auf den (in meinem Fall langen) Weg in die Artland Arena gemacht hat, weiß wie sehr der Basketball dort geliebt und gelebt wird. Dies auch in dieser Saison so gewesen: 2495 Personen fanden durchschnittlich den Weg in die Halle. Zwar werden die Niedersachsen auf absehbare Zeit nicht mehr in der ersten Liga zu finden sein, wohl aber in der ProA. Das hätten sie verdient. Zwar nicht in dieser Saison – aber kurzfristig. Auf ein Neues in der Saison 2017/2018.

Position 4 – ProA. Können wir einen Upset erwarten? RheinStars? Rockets?

Wenn es um die nominell stärksten Kader der 2. Basketball-Bundesliga geht, sind die vorherrschenden Meinungen sicherlich unterschiedlich. Der Mitteldeutsche BC und die Crailsheim Merlins dürfen sicherlich dabei nicht unerwähnt bleiben – aber auch die RheinStars Köln und die Oettinger Rockets dürfen in dieser Aufzählung nicht fehlen. Beide Mannschaften waren verheißungsvoll in die Saisonvorbereitung gestartet und wollten einmal testen, ob ein Aufstieg bereits in dieser Saison möglich wäre. Die Strukturen sind erstligareif, die Visionen ebenfalls klar. Doch dann kam die Saison und an beiden Standorten folgte ein 30 Spieltage andauerndes Wechselbad der Gefühle. Es gab hochkarätige Nachverpflichtungen und Trainerentlassungen – das volle Programm eben. Dennoch schafften es beide Mannschaften letztlich in die Playoffs. Zwar auf der letzten Rille (Platz sieben und acht), aber immerhin. Nun warten in der ersten Playoffrunde jedoch nicht die vor Saisonbeginn erhofften Gegner, sondern die Schwergewichte der Saison: der MBC und die Merlins.

Sowohl auf die Sterne als auch auf die Raketen wartet also eine harte Belastungsprobe. Doch diese Belastungsprobe könnte sich noch als äußerst positiv herausstellen. Denn nachdem beide Mannschaften wochenlang unter Druck standen, können sie nun befreit aufspielen. Basketball-Deutschland setzt sein Geld schließlich auf die beiden Aufstiegsfavoriten an der Tabellenspitze. Sollte eines der beiden Teams diese Belastungsprobe bestehen, würde man ab dem Halbfinale mit einer äußerst großen Brust spielen und vielleicht doch noch aufsteigen können. Vorerst geht es jedoch nur ums Viertelfinale. Mit Blick auf das Spielerpersonal gab es vielleicht in der gesamten ProA-Geschichte keine solch ausgeglichenen Serien. Wenn ein Upset, dann jetzt!

Position 5 – Mein Wunsch: Stadtderby im ProB-Finale

In der BBL wird es noch einige Wochen dauern, in der ProA starten sie an diesem  Wochenende – doch in der ProB ist bereits die zweite Runde fast vorbei. Klar, die Rede ist von den Playoffs. Diese Playoffs werden in der ProB auch in diesem Jahr wieder von den Süd-Teams dominiert. Nur zwei Teams aus der nördliche Hälfte Deutschlands zogen ins Viertelfinale ein, nun gab es auch noch das direkte Duell: Bochum schlug Bernau und ist damit der letzte verbliebene Nord-Vertreter. Egal welche Teams am Ende in die Vorschlussrunde einziehen werden, verspricht vor allem eine mögliche Konstellation im Finale Spannung pur: Karlsruhe vs. Karlsruhe. PSK Lions vs. BG. Das innerstädtische Derby-Finale würde die badische Metropole basketballerisch elektrisieren und das seit dem Erstliga-Abstieg der BG (2007) etwas verschütt gegangenen Interesse der Öffentlichkeit wieder hervorrufen. Zudem wäre diese Final-Konstellation quasi ein „Familien-Duell“, denn beide Mannschaften entspringen dem gleichen Heimatverein.

Neben den emotionalen Reizen hätte diese Konstellation auch für die Stadt Karlsruhe etwas Gutes, denn beide Vereine würden ihr einmal gewaltig auf die Füße treten. Denn die Stadt hat es in den letzten Jahren versäumt, den Ball- und Sportvereinen eine entsprechende Infrastruktur zur Verfügung zu stellen. Nach jahrelangen Planungen wird nur der Wildpark des Karlsruher SC für 113 Millionen Euro neu gebaut. Der KSC steht kurz vor dem Absturz in Liga drei (hat zugegebenermaßen aber ein großes Fanpotenzial). Auch in anderen Sportarten hat Karlsruhe dringenden Bau- und Sanierungsbedarf. Der notwendige Umbau der altehrwürdigen Europahalle wurde trotz vergleichsweise geringer Kosten (21 Millionen Euro) von den Stadträten abgeschmettert. Eine Alternative? Bisher nicht in Sicht. Und das, obwohl gleich zwei Vereine auf dem Weg in die ProA sein könnten.

// Aktuell streben die PSK Lions eine Lizenz für die ProA an – für die Halle haben sie eine konkrete Lösung ausgearbeitet und sammeln aktuell für die entsprechende Petition stimmen.

 



BIG Abo

Jeden Monat BIG als erstes lesen, druckfrisch in Deinem Briefkasten für nur 40 Euro!

Jetzt Abo bestellen

BIG Sonderheft 17/18

Sonderheft 17/18 (BIG #68) einzeln bestellen, ohne Abschluss eines Abos.

Jetzt bestellen

BIG Probeabo

Vier Ausgaben BIG zum Probierpreis von 15 Euro!

Jetzt Abo bestellen

BIG Geschenkabo

Das größte Geschenk: BIG für nur 40 Euro verschenken, keine Kündigung erforderlich!

Jetzt Abo bestellen

BIG als ePaper

BIG auf mobilen Endgeräten für Android und Apple!

Jetzt ePaper bestellen

BIG Newsletter

Alle Basketball-News direkt aufs Handy!

Jetzt Newsletter abonnieren

BIG - Leseproben

 





BIG Facebook Feed

BIG Player







BIG Social

BIG auf Facebook

big facebook

BIG auf Twitter

BIG auf Instagram




BIG Kontakt

BIG | Das Magazin
Tieckstrasse 28
10115 Berlin

Fon: 030 / 85 74 85 8 - 50
Fax: 030 / 85 74 85 8 - 58

E-Mail senden