25
Mär

Die Emotion sagt: weg mit Hagen

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern. 

Position 1 – Drucklos gut: Hamburg

Die Hamburg Towers rangieren in der ProA aktuell auf Tabellenplatz elf und damit deutlich unter den vor der Saison gesetzten Ansprüchen. Doch während vor Wochen noch Katerstimmung in der Hansestadt herrschte und über eine Ablösung des Übungsleiters spekuliert wurde, sind die Towers mittlerweile wieder mittendrin statt nur dabei. Und dies durchaus überraschend.

Denn nachdem im Februar lediglich ein Spiel gewonnen wurde, schien klar, dass die Postseason endgültig abgeschrieben werden könnte. Einzig ein sensationeller Lauf würde eine Playoff-Platzierung am Ende der Saison möglich machen – und an einen solchen Lauf glaubte Anfang März niemand mehr. Zu ernüchternd und schwach hatte sich die Mannschaft in den Wochen zuvor präsentiert. Doch einen solchen Lauf hat Hamburg. Der Reihe nach schlug man die favorisierten Teams aus Heidelberg, Erfurt und Köln und ist zwei Spieltage vor dem Ende der regulären Saison wieder voll im Geschäft.

Während also anderorts ein Druck- und Leistungsabfall sondergleichen zu beobachten ist, marschieren die Towers wieder. Endlich, wird manch ein Hamburger denken. Es spricht für die Charakterstärke im Team, dass es noch einmal alles gibt und sich aufopfert, obwohl schon alles entschieden schien. Die Belohnung für diesen Kampf ist der theoretische Erhalt der Möglichkeit zum Einzug in die Playoffs. Um diese minimale Chance nutzen zu können, ist man auf Schützenhilfe angewiesen – und muss selbst auch noch in Crailsheim gewinnen. Beim aktuell vielleicht besten Team der Liga.

So oder so scheint jedoch klar, dass die Towers das Ruder noch einmal rumgerissen haben und die negativen Auswirkung der sportlich wenig überzeugenden Saison damit durchaus minimiert sein dürften.

Position 2 – Kennedy entscheidet den Playoff-Kampf

Was wurde dieser Kerl vor zwei Jahren nicht abgefeiert! David Johnelle, kurz D.J., Kennedy, spielte sich binnen kürzester Zeit in Ludwigsburg in einen dauerhaften Rausch und hatte neben Jon Brockman großen Anteil am Erreichen der Playoffs. Es folgte der Wechsel nach Russland, dann der nach China und dazwischen zwei große Turniere in den USA – ärmer dürfte der 27-Jährige davon sicherlich nicht geworden sein. Nun ist er wieder in Deutschland und verkörpert auf der einen Seite nach wie vor die Söldnerhaftigkeit mancher Basketballer (was ja dennoch durchaus legitim ist) und auf der anderen Seite die sportliche Extraklasse, welche nun erneut in der easyCredit Basketball-Bundesliga Einzug hält.

Zum Zeitprunkt der Kennedy-Verpflichtung schienen die ersten sieben Teams der Tabelle relativ souverän auf Playoff-Kurs zu sein. Lediglich Ludwigsburg auf Platz acht wirkte so, als wenn es von der Konkurrenz aus Gießen, Frankfurt und Jena nach abzufangen sei. Aktuell gibt es zwar immer noch eine Mannschaft, welche noch abgefangen werden kann (Oldenburg), die Rückkehr des D.J. K. dürfte aber zumindest den Ludwigsburger Playoff-Kampf positiv entschieden und den Verantwortlichen ein gehöriges Maß an Planungssicherheit verschafft haben. Ob die Verpflichtung es wert war, wird man sehen. Zumindest als Signal (intern wie extern) hat es sich gelohnt. Ludwigsburg marschiert aktuell durch Liga und Basketball Champions League. Sollten die Schwaben entweder das Playoff-Halbfinale oder das Champions League Finale erreichen: Kennedy könnte nicht nur zum X-Faktor werden, sondern auch seine Mitspieler weiter beflügeln. Auch wenn er in der BCL nur zuschauen darf.

Position 3 – Ingo Freyer. Eine Entscheidung der Werte

Ein Vertrag über mindestens zwei Jahre, deutsch und erfahren sollte er sein: Die Anforderungen der Gießen 46ers an einen zukünftigen Headcoach waren nicht gerade gering – die Auswahl auf dem Trainermarkt nicht gerade groß. Letztlich fiel die Wahl nun auf Ingo Freyer. Der 46-Jährige war jahrelang neben Kapitän David Bell das Gesicht von Phoenix Hagen, etablierte ein einmaliges Spielsystem und performte meist über den Erwartungen. Entsprechend musste auch sein Image leiden, als die Feuervögel im November wieder zu Asche wurden.

Der Schritt zu den 46ers ist also nicht nur für den Verein ein Neuanfang, sondern auch für das gebürtige Nordlicht. Dennoch war dieser schnelle Schritt für Gießens Geschäftsführer Heiko Schelberg wichtig. Er musste abliefern. Schließlich wurde vor allem er für den bevorstehenden Abgang von Denis Wucherer verantwortlich gemacht. Ob zu Recht oder zu Unrecht -  spielt für das Fanherz dabei wohl keine Rolle. Denn der Abgang des Fanlieblings wird Schelberg nicht unbedingt verziehen.

Auch deshalb wird Freyer einen äußerst schweren Stand haben. Zum einen war Wucherer beliebt, zum anderen über Jahre erfolgreich. Freyer kann dies auch werden – er muss davor jedoch noch viel Gegenwind aushalten. Dennoch: Die Gießen 46ers haben sich ihren Werten verschrieben und diese auch nicht für eine möglicherweise kurzfristig bessere Alternative vorsätzlich verkauft. Für diesen Mut gebührt ihnen großer Respekt. Und Ingo Freyer verdient dementsprechend eine ehrliche Chance.

Position 4 – Die Emotion sagt: weg mit Hagen

Die nächsten Tage werden entscheidend für Phoenix Hagen. Am heutigen Samstag wird bei einer Sondersitzung der 2. Basketball-Bundesliga über einen Antrag der Crailsheim Merlins abgestimmt. Dieser hat zum Ziel, den Hagenern die Aufnahme in die zweite Liga zu verwehren. Bereits im Vorfeld kündigte Geschäftsführer Patrick Seidel an, dass man im Zweifel rechtliche Schritte gegen die Entscheidung einleiten werde. Das ist absolut verständlich und nachvollziehbar, schließlich wollen die Hagener in der nächsten Saison in der ProA an den Start gehen.

Viele Fans stört das, auch mich. Denn insolvente Vereine sollten nicht damit belohnt werden, dass sie „nur“ absteigen. Selbst die Regionalliga ist für einen Neustart noch sehr hoch. Die ProA ist viel zu hoch. Ohne Frage hat Hagen eine lange Basketball-Tradition und eine tolle Fanbase. Zumindest den Fans, welche ich persönliche kenne, wünsche ich sogar einen erfolgreichen Neustart. Im Sinne der anderen Vereine ist es aber nur mehr als angebracht, ein solches Verhalten deutlich zu sanktionieren und abzustrafen. Die Werte (auch die finanziellen) des Sports sollten nicht verhandelbar sein. Deshalb fände ich es emotional richtig, Hagen die Lizenz zu verwehren. Wenn dies im Rahmen der Ligastatuten rechtlich nicht in Ordnung sein sollte, wäre es dennoch ok. Aber nur, wenn diese dann im Nachhinein verschärft werden. So etwas wie in Hagen darf nicht passieren – und wenn schon, dann kein zweites Mal.

Position 5 – Oldenburger Anlauf

Die EWE Baskets Oldenburg schwächeln. Und zwar deutlich. Aktuell rangieren die Niedersachsen nur noch auf Tabellenplatz acht, verloren vier Partien in Serie und laufen aktuell Gefahr, noch aus den Playoffs verdrängt zu werden. Dies ist bitter. Denn eigentlich schien der Kader eingespielt und punktuell verstärkt, der Standort weiter im Wachstum. Zumindest Strukturen werden nach wie vor geschaffen. Aktuell befindet sich die Fertigstellung des neue Club Centers auf der Zielgeraden. Der Kader wirkt jedoch auch so, als würde er sich nur noch ins Ziel schleppen. Rickey Paulding, Chris Kramer, Vaughn Duggins und Philipp Schwethelm (Chapeau zur Verlängerung!) sind zwar erstklassige Erstliga-Spieler, doch danach kommt im Kader nicht mehr viel. Doch Oldenburgs Anspruch ist schließlich nicht der Kampf um einen Platz im oberen Mittelfeld der Tabelle, sondern ein Platz hinter den Top4.

Möglicherweise hilft die Kontinuität in Oldenburg also vorerst wenig. Eine Sprengung des Kaders würde neue Energie, frischen Wind und eine mögliche Verbesserung mit sich bringen. Die Arbeit, welche bei den EWE Baskets geleistet wird, ist sicherlich Top5 würdig – die sportliche Performance ist absolut nicht. Ein neuer Anlauf muss her.

 

 



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