04
Feb

Bayreuth erntet schon

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern.

 

 

Position 1 – Bayreuth erntet schon

Oh wie schön ist Panama, äh, Bayreuth… Die Franken spielen nach wie vor eine herausragende Spielzeit und sind nach dem kämpferischen Auswärtserfolg in Ludwigsburg auch wieder in der Spur. Ein Playoff-Heimrecht scheint möglich – und ein Abrutschen unterhalb des fünften Platzes ausgeschlossen. medi bayreuth ein Abstiegskandidat? Das war einmal. Raoul Korner ist „the man“ und hat dem Traditionsstandort einen orkanartigen Aufwind verpasst. Die aktuell laufende Spielzeit ist, relativ egal was am Ende dann dabei rauskommt, ein Erfolg. Das Team ist top, die Fans feiern die eigenen Farben. Zeit also den Blick in die Zukunft zu richten. Zeit Geld zu investieren. Schließlich soll der aktuelle Trend keine Eintagsfliege bleiben, sondern ein Nachahmer für die Entwicklungen in Ulm und Co. werden.

Aktuell sind die Zeichen, welche aus Bayreuth gesendet werden äußerst gut. Denn die auslaufenden Verträge mit gleich zwei Leistungsträger wurden verlängert: Nate Linhart und Steve Wachalski werden auch in der kommenden Saison in neon-grün auflaufen. Doch damit nicht genug: Auch Bastian Doreth, Robin Amaize, Moritz Trieb, Marius Alder, Cedic Kai und Nils Dejworek sind in der kommenden Saison mit dabei – sollte die Ausstiegsklausel im Vertrag von Andreas Seiferth nicht gezogen werden, wären dann schon neun Spieler unter Vertrag. Purer Luxus. Und ein Fingerzeig in die richtige Richtung. Der bis Saisonbeginn kontinuierlich stagnierende Standort entwickelt sich. Zumindest sportlich. Sollte jetzt auch noch abseits des Parketts Geld in Infrastruktur und weitere, nachhaltige Projekte gesteckt werden… gar nicht mehr auszumalen, welch Stolz dann in Franken Einzug halten würde. Doch soweit ist es noch nicht. Aktuell ist es ja „nur“ eine hervorragende Saison – an welcher sich der Tabellenvierte wird messen lassen müssen. Die Anzeichen auf eine Verlängerung des Höhenflugs sind jedoch gut, denn Bayreuth erntet schon.

Position 2 – Heidelberg kann direkte Vergleiche

Die MLP Academics rangieren seit Saisonbeginn innerhalb der Playoff-Plätze der ProA. Während man zum Saisonbeginn aufgrund eines herausragenden Saisonstarts gar kurzzeitig an der Tabellenspitze stand, haben sich die Kurpfälzer mittlerweile auf und um Platz fünf eingenistet. Während der Start ins neue Jahr gründlich misslang (Niederlagen gegen Ehingen und in Baunach), stand im Anschluss vor allem eine Frage im Raum: Schaffen es die Heidelberger Basketballer, wenigstens die so wichtigen Siege gegen die direkte Playoff-Konkurrenz (u.a. Trier, Weißenfels und Erfurt) einzufahren? Die Antwort fällt deutlich krachender aus, als es sich die Verantwortlichen hätten wünschen können. Denn die MLP Academics überzeugten in allen drei Spielen komplett – und holten völlig überraschend sogar zwei direkte Vergleiche.

Innerhalb der Hinrunde gingen die Spiele gegen die OeTTINGER ROCKETS und die RÖMERSTROM Gladiators Trier, teils desaströs verloren. Die Leistungen waren indiskutabel und mehr als schlecht. Doch während die thüringischen und rheinland-pfälzischen Konkurrenten neben den Rückspielen auch die direkten Vergleiche gewinnen wollten, machten die Heidelberger eine deutlich vernehmbare Ansage: Sie sind wieder im Aufwind – und können direkte Vergleiche. Am Donnerstag siegten sie in der Messehalle Erfurt 98:86 und vermiesten Ivan Pavic sein Trainerdebüt – und verhinderten im ersten Schritt ein Erstarken des Konkurrenten. Dementsprechend war die Stimmung in der Halle.

Doch der 12-Punkte-Erfolg war nicht die Spitze des Eisberges, sondern die Kirsche auf der Torte. Denn bereits elf Tage vorher hatten sie ein großes Ausrufezeichen gesetzt. Nachdem sie das Hinspiel mit 38(!) Punkten Differenz verloren hatten (46:84) siegten sie im Rückspiel mit nicht für möglich gehaltenen 40(!) Punkten Unterschied. Der 91:51-Sieg brachte den sonst recht „akademischen“ Olympiastützpunkt Rhein-Neckar zum Brodeln. Im Gesamtzusammenhang werden die Siege und die gewonnen direkten Vergleiche wohl zu einer Playoff-Teilnahme führen. Unter Druck performt das Heidelberger Team also überraschend gut, macht weniger Fehler und kämpft die teilweise favorisierten Kontrahenten nieder. Das ist (manchmal) wenig ansehnlich, aber erfolgreich. Zudem verdeutlich die aktuelle Tabellenposition das beste Ergebnis der vergangenen Jahrzehnte. Der neunfache deutsche Meister entwickelt sich wieder, ins Positive!

Position 3 – Chaos bei der CL-Auslosung

Ja, im europäischen Basketball gibt es ein großes Chaos – vier Wettbewerbe, zwei konkurrierende Organisatoren… Vieles könnte besser sein. Doch zumindest der 27. Januar entschädigte die Fans. Und zwar auf humorvolle Art und Weise. Denn während der Auslosung passierte Dino Radja der marketingtechnische Super-GAU. Auf die Frage, wer denn nun die Liga gewinnen würde, antworte er (scherzhaft): ZSKA Moskau. Blöd nur, dass diese zwar aktuell das Maß aller Dinge sind – aber eben auch in der EuroLeague spielen. Also im konkurrierenden Wettbewerb. Die Antwort sorgte für Gelächter und verdeutliche einmal mehr, dass nicht einmal die Offiziellen ad hoc den Durchblick haben. Was sollen dann erst die Fans sagen, welche sich nur in der Freizeit mit den unterschiedlichen Ligen befassen?

So oder so bleibt diese Szene den Meisten in Erinnerung. Denn unter anderem deshalb wurde in den diversen Kanälen über die Auslosung gesprochen – beziehungsweise gelacht. Sicherlich ist jede Art der Berichterstattung besser als keine, doch sofern das öffentliche Interesse eher belächelnd ist, bringt die Berichterstattung die Organisation und den Wettbewerb auch nicht voran. Die Auslosung und die Präsentation der Trophäe verpufften also etwas. Und wurde zu einer vergebenen Chance. Dennoch ist dies vielleicht nicht unbedingt schlecht, schließlich sollen sich EuroLeague und FIBA ja auch einigen – und dann die Kräfte bündeln.

Position 4 – Nachverpflichtungen sind in Mode. Zurecht?

Nachverpflichtungen soweit das Auge reicht. In der BBL, in der ProA, in der EuroLeague. Gefühlt überall, gefühlt zehnfach pro Woche. Zumindest die Masse der Nachverpflichtungen ist in der aktuellen Saison zunehmend. Fraglich bleibt nach wie vor, ob sich diese Nachrüstungen am Ende der Saison tatsächlich lohnen – und dies wird an dieser Stelle in den kommenden Wochen unter die Lupe genommen. #WerbungineigenerSache

Position 5 – Ausbaufähige Pressearbeit bei den OeTTINGER ROCKETS

30. Januar, 23:02 Uhr. Während viele Menschen bereits auf dem Weg ins Bett sind – oder sich bereits in diesem befinden – wird in Thüringen einer der drastischsten Schritte in der Vereinsgeschichte vollzogen und via Facebook verkündet. Montagsabends, eine Stunde vor Mitternacht. Es wirkt etwas unbeholfen was die Rockets, welche vor der Saison von Gotha nach Erfurt zogen, da machen. Der Erfolgstrainer der letzten Jahre, Chris Ensminger, wird in einer Hauruck-Aktion vor die Tür gesetzt. Die Entscheidung als solche ist mehr als verständlich. Zu inkonstant und schwach waren die letzten Wochen. Der damalige siebte Tabellenrang ist nicht das, was die Macher sich erwartet hatten. Mit einem Gesamtetat von knapp 2,5 Millionen Euro ist man auf jeden Fall in den Top3 der Liga – doch es klappt wenig. Als dann auch noch einer der Fanlieblinge gehen muss, kocht die Fanseele. Was zu erwarten war. Denn nach dem Umzug (raus aus dem geliebten Zelt, rein in die moderne Messehalle) ist nun auch noch der Anführer der letzten Jahre weg.

Auf Facebook entladen sich in der Folge viele Fanherzen, teils sehr emotional. Die Rockets kontern und erklären sich mit vielen Antworten. Gefühlt jeder Fankommentar wird beantwortet und ins vermeintlich richtige Licht gestellt. Doch es hilft wenig. Am nächsten Tag legt dann Wolfgang Heyder nochmals via fünfminütigem YouTube-Video nach und erklärt die Entscheidung. Abermals wird klar, dass es sich hier um eine reine Business-Entscheidung handelt. Nochmals: Diese geht absolut in Ordnung. Doch die Rockets sind – ganz Rakete – etwas abgehoben und haben den vormals guten Draht zu ihren Fans verloren. Dabei wäre dieser so wichtig. Denn im neuen Zuhause am Rand der Landeshauptstadt wären sportliche Erfolge wichtig, da es diese aktuell nicht gibt, wäre zumindest ein positives Event und eine tolle Stimmung im Umfeld für viele Basketball-Neulinge reizvoll. Diese Gelegenheit wurde jedoch (erneut) verpasst. Der Verein ist so um- und zerstritten wie seit Jahren nicht mehr. Einen Teil der Schuld trägt dabei auch die ausbaufähige Pressearbeit der Rockets. Die Angebote sind vorhanden und vielfältig, nehmen die Fans jedoch in letzter Zeit zu wenig mit. Und dass die Rockets es können, bewiesen sie schon.

Mit dem neuen Headcoach Ivan Pavic soll nun alles besser werden. Zumindest sportlich wird es das auch – das sah man bereits am vergangenen Donnerstag gegen die Heidelberger Basketballer. Pavic verpasste der Mannschaft neuen Esprit und zeigte sein Kämpferherz an der Seitenlinie. Dies wird bei den leidenschaftlichen Fans sehr gut ankommen. 


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