07
Jan

Trier und die nächsten Schritte aus der Ruine

„Lukas´ Line-Up“ ist einer der Blogs bei BIG-Basketball in Deutschland. In den einzelnen Ausgaben werden zweiwöchentlich fünf aktuelle Themen – ganz subjektiv – erörtert, die noch einmal genauerer Betrachtung erfordern.

Position 1 – Kelvin Martin: bescheidene Entwicklung par excellence

Kelvin Martin dürfte mittlerweile den meisten Basketball-Fans in Deutschland ein Begriff sein: Die Top10 von Telekom-Basketball macht´s möglich. Denn in dieser findet sich der athletische Forward nahezu immer wieder. Zu Recht. Der 27-jährige US-Amerikaner schafft etwas, worauf viele Sportler neidisch sein dürften. Martin entwickelt sich stetig weiter (- er begann seine Karriere bei Matrixx Magixx Wijchen und setzte sie bei den MLP Academics Heidelberg und im Anschluss daran bei Moncada Solar Agrigento fort -). Stets zeigte er weitestgehend gute Leistungen und erspielte sich durch seine spektakuläre Spielweise viele Sympathien.

Jeder seiner bisherigen Klubs hätte ihn gerne behalten, eine Vertragsverlängerung gelang jedoch nie. Denn obwohl sich Martin an allen drei Stationen wohlfühlte, kennt seine Karriere nur einen Weg: den an die Spitze. In Ludwigsburg scheint sich dies fortzusetzen. #KM1, wie er sich selbst und aufgrund seiner ehemaligen Trikotnummer nennt, ist auch in Ludwigsburg einer der konstantesten Leistungsträger, Fanliebling und Highlight-Maschine. Anders als die meisten Menschen in seinem Alter ist Martin jedoch sehr gläubig und vielleicht auch deshalb so bescheiden und sozial aktiv. Intensive Verfolger seiner Social-Media-Aktivitäten, ja dazu gehöre ich, erkennen schnell, dass Martin kein gewöhnlicher Profisportler ist. Natürlich geht auch er, ich würde sagen wie nahezu jeder US-Amerikaner in Deutschland, häufig feiern – er dürfte öfter im Perkins Park zu finden sein, als es den Ludwigsburger Verantwortlichen lieb ist. Wirkliche Argumente dagegen haben sie allerdings nicht, denn Martin liefert ab. Und ist dabei so bescheiden und auf dem Boden geblieben, dass er sich das redlich verdient!

Position 2 – Bonn ist zurück in der Erfolgsspur

Aktuell rangieren die Telekom Baskets Bonn auf Tabellenposition sechs, mehr oder weniger gleichauf mit ALBA BERLIN, befinden sich zudem im Pokal-Viertelfinale und mittendrin im Playoff-Kampf. Eine positive, nein eine sehr positive, Entwicklung. Denn nach der vergangenen Seuchensaison, welche von Verletzungen, einem Trainerwechsel und vielen Spielertransfers geprägt war, zogen die Verantwortlichen im Sommer offenkundig die richtigen Schlüsse. Holten unter größtem Zugzwang in Predrag Krunic den richtigen Mann als Ersatz für den schwererkrankten Silvano Poropat – und ließen dann den Dingen ihren Lauf. Dieser Lauf, er ist beeindruckend. Denn während Bonn sich in den letzten Jahren zunehmend auf dem absteigenden Ast befand, sind die Telekom Baskets nun wieder einer der Playoff-Taktgeber. Sicherlich nicht auf dem Niveau der 00er Jahre, zumindest aber auf einem überzeugenden. Die Fans lieferten beim ersten Auswärtsspiel der Saison einen großen Vertrauensbeweis, fuhren mit dem Zug nach Berlin – die Mannschaft hat in der BBL-Hinrunde zurückgezahlt und sich das Vertrauen der Fans zurückgeholt. Zwar gibt es nach wie vor Leistungsschwankungen (Heimniederlage gegen Braunschweig, Heimsieg gegen den FC Bayern Basketball), doch die Entwicklung stimmt und die Erfolge lassen ebenfalls nicht auf sich warten.

Zudem kommt, neben den überzeugenden nationalen Auftritten, eine äußerst souveräne Saison im (nunmehr viertklassigen) FIBA EuropeCup hinzu. Obwohl die Bonner sicherlich lieber in einem höherklassigen Wettbewerb spielen würden, ist die Entwicklung richtig: Die Telekom Baskets sprechen innerhalb des EuropeCups ein gehöriges Wort um die Titelvergabe mit und sind bereits zur Mitte der zweiten Gruppenphase souveräner Tabellenführer. Sollten sie zudem auch nicht nur jetzt, sondern auch im März, April und Mai ihren überzeugendsten Basketball spielen: Die neu geweckte Freude am rheinländischen Basketball – sie würde ein gänzlich neues Niveau erreichen – und vielleicht in der Titelnachfolge der Fraport Skyliners enden. Sollte es soweit kommen, stellt sich selbstverständlich erneut eine Frage: Gab es bei einem Top4 schon einmal einen Fanzug?

Position 3 – Trier und die nächsten Schritte in der Ruine

Am 30.06.2015 verpflichteten die Gladiators Trier Michael Lang als ihren neuen Manager und Geschäftsstellenleiter in Personalunion. Der Sportpsychologe war die letzte Hoffnung des Trierer Basketballs, nachdem man nach jahrelanger Erstligazugehörigkeit via Bruchlandung in der ProA angekommen war. Die damalige Situation? Kein Trainer, keine Spieler, kein Vertrauen, kein Geld und ein lichterloh brennendes Haus.

18 Monate später ist sicherlich aus dem brennenden Haus kein Palast geworden. Das konnte es aber auch nicht. Lang hat seinen Job dennoch sehr gut gemacht: Der Brand wurde gelöscht, der Trierer Basketball wieder besser in der Öffentlichkeit positioniert. Auch die sportliche und die wirtschaftliche Talfahrt wurden gestoppt – die Ruine ist entrümpelt, der Standort auf dem richtigen Weg. Sicherlich: Die Fluktuation der Geschäftsstellen-Mitarbeiter war nicht gerade gering und Lang ist noch lange kein weißer Ritter, doch er ist einer der entscheidenden Menschen, weshalb die älteste Stadt Deutschlands weiterhin einen professionell betriebenen Basketball-Standort besitzt. Die Zuschauer kommen regelmäßig in die Arena Trier (aktuell sind es im Schnitt 1800), sahen im letzten Frühjahr gar ein Playoff-Halbfinale, sodass der Standort sich nun in Ruhe konsolidieren und neu aufstellen kann. Dies wird sicherlich noch ein, zwei oder auch drei lange Jahre dauern, doch der Anfang des langen Weges ist vollbracht. Aus Trier kommen wieder positive Schlagzeilen. Dies dürfte der größte Verdienst von Lang und seinen Kollegen sein: Die Ruine ist komplett entrümpelt und der Grundstein für neue Strukturen ist gelegt. Alexander Meilwes, los geht´s!

Position 4 – Der Jenaer Weg zahlt sich aus

In der vergangenen Saison eilte in der ProA ein Team, erwarteter Weise, von Sieg zu Sieg: RASTA Vechta. Dicht dahinter folgte jedoch eine der positiven Überraschungen: Science City Jena. Die Jenaer waren einer der Aufstiegsfavoriten, dass sie jedoch derart dominant spielen würden, erwarteten die Wenigsten. Am Ende folgte gar die Meisterkrönung (inklusive einer 80:54-Demütigung der Vechtaer) und der erhoffte Aufstieg in die Beletage des deutschen Basketballs. Im Sommer hieß es dann „volle Kraft voraus für die Mission Klassenerhalt“. Nach dem Ende der Hinrunde – Jena schloss diese auf Tabellenplatz 11 ab – ist nun bestätigt, was der Kader versprach. Denn dieser Kader ist nicht der eines Absteigers, sondern zumindest der eines soliden Mittelfeldteams. Gleiches erhofften sich auch die Vechtaer Macher, doch während diese sich nun inmitten des Abstiegskampfes befinden, werden in der Lichtstadt die Früchte der jahrelangen Kontinuität geerntet. Denn unter anderem Wayne Bernard, Immanuel McElroy, Julius Wolf und auch Ermen Reyes-Napoles waren bereits in der Aufstiegssaison echte Leistungsträger. Mit Sebastian Schmitt, Julius Jenkins, Kenneth Frease, Oliver Clay und Oliver Mackeldanz kamen im Sommer zahlreiche Akteure hinzu, welche sich allesamt in der BBL (noch einmal) beweisen wollen und dennoch erfahren genug sind, um nicht die Scherben einer jugendlichen Rasselbande zu hinterlassen. To cut a long story short: Der Jenaer Weg zahlt sich aus.

Und bietet gleichzeitig ungeahnte Möglichkeiten, denn die sportliche Situation (sechs Siege) ist rosig genug, um bereits die Planungen für die dritte Erstligaspielzeit der Vereinsgeschichte anzuschieben – und das im Januar. Kaum auszudenken was passiert wäre, wenn Science City ebenfalls die knappen Spiele gegen Berlin, Bayreuth und Bonn gewonnen hätte (mit neun Siegen würde man dann auf Platz sechs rangieren). Doch in Thüringen ist sicherlich niemand darüber erbost, dass man auf Tabellenplatz 12 liegt. Bereits jetzt können nicht nur erste Sondierungsgespräche geführt, sondern auch konkrete Vertragsverlängerungen ausgehandelt werden. Welch ein Luxus! Sowohl die Jenaer Verantwortlichen als auch die Jenenser Fans dürfen zufrieden sein. Dieser Blogbeitrag zieht ebenfalls einmal symbolisch den Hut.

Position 5 – Was machen eigentlich die ehemaligen Hagener Spieler?

Mitte Oktober meldete die Basketball Hagen GmbH & Co. KGaA Insolvenz an, am 30. November folgte dann das endgültige Saisonaus und das vorläufige Ende des Spielbetriebs. Seit Saisonbeginn hatte Hagen 14 Spieler zum Spielbetrieb angemeldet, einige sind bei neuen Klubs untergekommen. Doch wo sind diese genau? Wie gut spielen sie? An dieser Stelle soll ein Überblick darüber geboten werden. Sortiert sind die Spieler nach ihren ehemaligen Hagener Trikotnummern.

#03 Richie Williams: Er verließ als Erster den im Sinkflug befindlichen Feuervogel und schloss sich ProA-Ligist RheinStars Köln an. Seit Mitte November machte er für die Domstädter fünf Spiele – und erzielte durchschnittlich 8,6 Punkte.

#04 Owen Klassen: Der Center wechselte zu Buducnost Podgorica in Monenegro und kam so noch in den einmaligen Genuss im EuroCup auflaufen zu dürfen – auch in der Liga spielte er bereits vier Mal: 4,0 Punkte und 6,0 Rebounds in 24 Minuten Einsatzzeit waren die Folge.

#05 David Bell: Das Gesicht der Hagener Basketballer schloss sich Dinamo Sassari an – und avancierte sofort zu einem Leistungsträger. Sowohl in der Champions League (18,0 Punkte in drei Spielen) als auch in der Liga (11,8 Punkte in vier Spielen) beweist Bell seine Scoringqualitäten.

#06 Adam Hess: Er ist 35 Jahre alt und hat seine besten Zeiten bereits hinter sich. Nachdem er zudem aus der Ferndistanz zu Saisonbeginn schwach traf (25,2 Prozent), sind seine Aktien nicht unbedingt gestiegen. Bislang konnte Hess keinen neuen Verein finden.

#07 Yannick Anzuluni: Die Verpflichtung Anzulunis entpuppte sich schnell als größeres Missverständnis – entsprechend erkannten beide Seiten, dass eine gemeinsame Saison wenig Vorteile bringen würde. Der gebürtige Kongolese machte lediglich zwei Spiele für Hagen und wechselte dann zurück nach Schweden. Bei BC LF Lulea läuft es besser für den 28-Jährigen. Er kommt auf 15,9 Punkte und 7,8 Rebounds.

#08 Pascal Zahner-Gothen: Nachdem der 20-Jährige bereits in der letzten Saison für die BG Hagen auflief – und als Newcomer of the year ausgezeichnet wurde, läuft er nun weiterhin in Hagen und für Hagen auf. Beim aktuellen Tabellenersten der 1. Regionalliga West erzielt er durchschnittlich 9,5 Punkte. Und nährt damit die Hoffnung auf einen Aufstieg in die ProB.

#11 Jeremy Dunbar: Der Distanzschütze fand Ende Dezember einen neuen Klub: ProA-Schlusslicht Dresden holte Dunbar und macht sich unter anderem aufgrund dieser Verpflichtung noch Hoffnungen auf den Klassenerhalt.

#13 Alexander Kortenbreer: Er war neben Zahner-Gothen im Kader der Hagener der zweite Spieler mit Doppellizenz – spielte jedoch insgesamt nur 71 Sekunden. Auch er spielt weiterhin in Hagen, ebenfalls für die BG. Doch auch dort läuft es nicht wirklich (1,8 Punkte).

#14 Chris Hass: Den 22-jährigen Rookie zog es nach Tschechien, genauer gesagt zu Serienmeister CEZ Nymburk (Gruppengegner der Fraport Skyliners in der BCL). Für seinen neuen Klub lief Hass bisher sechs Mal auf. Vor allem in der Liga klappte der Neustart gut: 8,3 Punkte stehen im Durchschnitt hinter seinem Namen.

#20 Marcel Keßen: Der 2,05 Meter große Bigman spielt künftig ProB! Und zwar im Farmteam der EWE Baskets Oldenburg. Auf Dauer wird ihm das aber nicht reichen, über die Baskets Akademie Weser-Ems möchte sich Keßen für ein (weiteres) Engagement in der BBL empfehlen.

#21 Julian Jasinski: Der 20-Jährige wechselte vor der Saison von Bochum nach Schwelm – sowohl in seiner Zeit in Bochum als auch in Schwelm spielte er jeweils als Doppellizenler für Phoenix. Nun spielt er „nur noch“ für Schwelm – dafür aber sehr gut. Er kommt durchschnittlich auf 9,2 Punkte.

#22 Jonas Grof: Der für sein Alter durchaus erfahrene Point Guard schloss sich Anfang Januar den Oettinger Rockets an. Dort soll er langfristig weiter reifen und die Rockets bei ihrem Zwei-Jahres-Plan (Aufstieg in die BBL) unterstützen – kurzfristig ersetzt der 20-Jährige Janek Schmidkunz, welcher aktuell aufgrund eines Mittelhandbruches verletzt ausfällt.

#25 David Godbold: Der 31-Jährige wechselte erst im Herbst nach Hagen – vorher fand er keinen Verein. Auch aktuell ist er noch auf Jobsuche.

#44 Trent Plaisted: Dies gilt auch für Plaisted. Neben Godbold und Hess ist auch er weiterhin arbeitslos.


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